Kaputte Rampen machen Lüner Kreuzung für Fahrradfahrer zum Ärgernis

dzVerkehr

Für Claudia Varga ist es täglich ein Ärgernis, die Kreuzung Kurt-Schumacher-Straße/ Kamener Straße zu überqueren. Der Zustand der Verkehrsinsel-Rampen ist für sie ein Katastrophe.

Lünen

, 06.10.2020, 12:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jeden Morgen fährt die Grundschullehrerin Claudia Varga (53) mit dem Fahrrad zu ihrer Schule. Jeden Morgen muss sie dabei auch die Kreuzung Kurt-Schumacher-Straße/Kamener Straße überqueren. Die Kreuzung ist für sie täglich ein Ärgernis. Der Ursprung ihrer Verärgerung sind die Rampen, die von den Verkehrsinseln auf die Straße führen. „Die Rampen, die eigentlich als Hilfe für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen und Fahrradfahrer gedacht sind, sind in einem mangelhaften Zustand“, sagt Varga.

An diesem Übergang ist die Rampe so beschädigt, dass nur noch das Stück direkt vor dem Ampelpfosten erhalten ist.

An diesem Übergang ist die Rampe so beschädigt, dass nur noch das Stück direkt vor dem Ampelpfosten erhalten ist. © Nora Varga

Tatsächlich sind die Rampen an vielen Stellen so weit weggebröckelt, dass nur noch ein kleiner Teil vor dem Ampel-Pfosten erhalten ist. Bei einigen sind riesige Löcher in den Kanten und an ein paar Übergängen gibt es gar keine Rampen. Für ältere Leute mit Rollator oder Familien mit Kinderwagen sind die löcherigen Rampen mehr ein Hindernis als eine Hilfe.

Diese Rampe ist so schwer beschädigt, dass sie kaum noch eine Hilfe für Fahrradfahrer ist, sondern fast ein eigenes Hindernis.

Diese Rampe ist so schwer beschädigt, dass sie kaum noch eine Hilfe für Fahrradfahrer ist, sondern fast ein eigenes Hindernis. © Nora Varga

Enttäuscht von der Stadt

Nicht nur die Rampen sind für Claudia Varga ein Problem. Die Ampelschaltung an der Kreuzung hat für sie kaum etwas mit dem fahrradfreundlichen Image zu tun, das sich die Stadt Lünen gegeben hat: „Dafür, dass Lünen sich als fahrradfreundliche Stadt rühmt, ist das ziemlich enttäuschend.“

Drei Minuten braucht Claudia Varga um mit ihrem Fahrrad über diese Straße zu kommen. Wer an der Kreuzung zwei Straßen und die Ampeln der Seitenstraßen überqueren muss, kann schon mal 10 Minuten warten.

Drei Minuten braucht Claudia Varga um mit ihrem Fahrrad über diese Straße zu kommen. Wer an der Kreuzung zwei Straßen und die Ampeln der Seitenstraßen überqueren muss, kann schon mal 10 Minuten warten. © Nora Varga

Wir probieren es aus, an der Kreuzung die Kamener Straße zu überqueren. In der ersten Ampelphase schafft Claudia Varga es, eine Hälfte der Straße zu überqueren. In der zweiten Grünphase kann sie nicht weiterlaufen, weil ein Lkw abbiegt, obwohl die Fußgänger grün haben. In der dritten Phase schafft es die Grundschullehrerin die Straße zu überqueren. Insgesamt drei Minuten hat sie gebraucht. Wer hier einmal quer über die Kreuzung will und auch noch an den Seitenampeln, den freien Rechtsabbiegern für Autos, stehen muss, der kann schon mal bis zu 10 Minuten an der Kreuzung warten.

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Lüner Kreuzung: 3 Minuten warten, um die Straße zu überqueren

Mit Grundschulkindern gefährlich

Als Grundschullehrerin müsse Claudia Varga die Kreuzung gelegentlich mit Grundschulklassen überqueren, zum Beispiel auf dem Weg zu Veranstaltungen im Heinz-Hilpert-Theater. Auf den schmalen Verkehrsinseln sei es mit dem Fahrrad schon eng, ärgert sich die 53-Jährige. Man könne sich ausmalen, wie es sein muss, mit 26 Achtjährigen über die Kreuzung zu gehen. Die Lehrerin atmet immer auf, wenn alle Kinder heil über die gefährliche Kreuzung gekommen sind. Sie wünscht sich, dass die Stadt ihrem fahrradfreundlichen Image auch im Alltag gerecht wird.

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Die Stadt weiß von den Problemen

Der Pressesprecher der Stadt, Benedikt Spangardt, schreibt uns auf Anfrage zum Zustand der Rampen: „Wir werden die Rampen kontrollieren und gegebenenfalls ausbessern.“ Bei der Ampelschaltung ist sich die Stadt des Problems bewusst: „Der Knoten ist bekanntlich die Kreuzung mit dem höchsten Verkehrsaufkommen und bietet aus diesem Grund für keine Verkehrsart wirklich gute Verkehrsqualität.“ Ein Umlauf soll etwa 100 Sekunden dauern, diese Zeit müsse zwischen „einem möglichst staufreiem Abfluss des motorisierten Verkehrs und den notwendigen Zeiten für Radfahrer und noch mehr für Fußgänger“ verteilt werden, so Spangardt.

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Insbesondere die freien Rechtsabbieger, also die Seitenübergänge, seien verkehrspolitisch nicht mehr zeitgemäß, sagt Benedikt Spangardt. Die Kreuzung wird die Autofahrer, Fahrradfreunde und Politiker der Stadt noch lange beschäftigen. Die Abschaffung der freien Rechtsabbieger könnte in Zukunft zum Zankapfel unter den Verkehrsteilnehmern werden. Benedikt Spangardt: „Diese Maßnahme ist allerdings politisch nicht unumstritten und würde auch den kompletten Umbau der Kreuzung erforderlich machen. Diese Fragen werden sehr wahrscheinlich auch im Rahmen des Integrierten Mobilitätskonzepts 2035 neu diskutiert.“

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