Leere Impffläschchen mit dem Vakzin von Johnson & Johnson stehen gesammelt im Multifunktionsraum des provisorischen Impfzentrums. © Lydia Heuser
Corona-Impfung

Johnson & Johnson: Essen stoppt Impfung an Jüngere, Lünen macht weiter

Die Stadt Essen hat 200 Impftermine für Unter-60-Jährige mit Johnson & Johnson abgesagt - zur Sicherheit. In Lünen kommt das Vakzin auf Wunsch auch für Jüngere weiter zur Anwendung.

Die Nachricht hat sich am Donnerstag (10. 6.) in Windeseile verbreitet – vor allem unter all denen, die noch ein Pflaster auf dem Oberarm haben, weil sie sich gerade hatten impfen lassen: mit Johnson & Johnson. Die Stadt Essen hatte indes kurzfristig die Reißleine gezogen und 200 geplante Impftermine für unter-60-jährige Obdachlose und Flüchtlinge mit dem Vakzin abgesagt. Diese Entscheidung hatte sie nach Informationen der WAZ nach Ansprache mit der Uniklinik und dem Impfzentrum getroffen, um so einer Empfehlung der Stiko (Ständige Impfkommission) zu folgen.

Seltene Fälle von Blutgerinnsel sind Grund für Beschränkung

Die Stiko hatte Anfang Mai den Rat gegeben, den Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson nur noch bei Menschen ab 60 Jahren einzusetzen. Grund für die Altersbeschränkungen sind sehr seltene Fälle von schweren Blutgerinnseln, wie sie auch im Zusammenhang mit Astrazeneca aufgetreten waren – vor allem bei jüngeren Frauen. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten allerdings kurz zuvor die Priorisierung für den Impfstoff aufgehoben. Menschen, die jünger als 60 Jahre sind, sollen demzufolge „nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoakzeptanz entscheiden“ können, ob sie den Impfstoff in Arztpraxen oder von Betriebsärzten verimpft bekommen möchten, wie die Ärztezeitung zitiert. Der Vorteil von Johnson und Johnson: Von dem Produkt des US-Pharmakonzerns ist nur eine einzige Spritze für den Impfschutz notwendig anders als bei allen anderen zugelassenen Impfstoffe in der EU.

Krüger: „Wir brauchen jede einzelne Impfdosis“

Entscheidend sei die ausführliche Beratung der Patienten und Patientinnen, bestätigt Dr. Arne Krüger, der Sprecher der Lüner Ärzteschaft. Es komme auch weiterhin vor, dass in Lünen Johnson und Johnson an Jüngere unter 60 Jahren verimpft werde – aber nur, wenn die das ausdrücklich wünschten. Risiko und Nutzen würden in einem Patientengespräch abgewogen. Für Krüger steht fest: „Wir brauchen derzeit jede einzelne Impfdosis.“ Nach wie vor werde da nur der Mangel verwaltet.

Dass Impfzentren gar nicht mehr mit Astrazeneca und Johnson und Johnson arbeiteten und zurzeit nur noch Zweitimpfungen anböten, sei wenig hilfreich. Praxen und Impfzentren konkurrierten derzeit um die gleichen Patienten: die Menschen, die bislang noch kein Impfangebot bekommen haben. „Wir haben Parallelstrukturen aufgebaut, die uns das Leben nur schwer machen.“

Für den Ärztesprecher ist das ein zusätzliches Indiz dafür, „dass das ganze System nur bedingt funktioniert“. Große Impfzentren, die kaum impften, würden niemandem helfen. „Das ist eine teure Lösung“, die aber nicht effizient sei.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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