Der Jazz-Club-Lünen ist zurück: Für das Take 5 Festival am Hellweg kam „Brenda Boykin und Band“ in die Lippestadt. © Diethelm Textoris
Hansesaal

Jazz-Club-Lünen feiert furioses Konzert nach 20 Monaten Zwangspause

Fast zwei Jahre lang musste der Jazz-Club-Lünen wegen Corona pausieren. Beim Take 5 Festival ist damit jetzt Schluss. „Brenda Boykin & Band“ begeisterte vor ungewohnter Kulisse in Lünen.

Nach rund 20-monatiger coronabedingter Zwangspause zeigte der Jazz-Club-Lünen am Freitag (5.11.) wieder kulturelle Präsenz. (Noch) nicht in seiner räumlich begrenzten Clubheimat an der Dortmunder Straße, sondern im weitaus geräumigeren Hansesaal.

Dafür mit einem beeindruckenden qualitativ hochwertigen Konzert, das nahtlos an alte Traditionen anknüpfte. Dem Publikum bot sich an Tischen und Stehpulten in dezentem gehaltenem Licht ein Jazz-Erlebnis von immenser Intensität.

Zusammen mit dem Lüner Kulturbüro als Co-Veranstalter hatte der Club im Rahmen des diesjährigen Take 5 Festivals am Hellweg „Brenda Boykin & Band“ gewinnen können, wobei es sich um einen Gewinn im wahrsten Sinne des Wortes handelte.

Band mit fünf tollen Solisten

Die „Band“, die auch unter dem Namen Mickey’s Monkey Party auftritt, besteht aus fünf hervorragenden Solisten, mit Bandleader Mickey Neher am Schlagzeug, Kai Struwe am Bass, Carlos Boes brillierte am Saxophon und Roman Babik am Keyboard-Piano.

Und dann war da Brenda Boykin, in den USA geboren, deren Stimme die unterschiedlichsten Sparten des Jazz vom Blues bis Funk abdeckte und die von ihrem „Regiestuhl“ aus das Musikgeschehen dominierte und die Begeisterung Publikum steuerte.

Da ein „Vorglühen“ nicht nötig war, hatten die Intro-Titeln „Monkey Stomp“ und „How long“ aus der Notenwerkstatt von Band-Leader Mickey Neher eher die Funktion, in langen Solopassagen das Können der Instrumentalsolisten als Meister ihres Fachs zu präsentieren.

Ein Können, das Vokalistin Brenda Boykin bei jedem der vorgetragene Titel voll nutzte. Sie begann mit dem Bluessong „My Babe“ von Joe Walter aus den 1950er Jahren, ließ ihre Stimme in die Tiefen absacken und wieder emporsteigen und dann – wie immer wieder im Laufe des Abends – die Instrumente die vokalen Geschichten weitererzählen.

Überraschender und abwechslungsreicher Jazz

Die Überraschung kam gleich am Anfang. 1000 Mal gehört, 1000 Mal gecovert, in Deutschland u.a. Gerhard Wendland und Freddy Quinn, das Lied „Jambalaya“ von Hank Williams. Hier präsentiert, als hätte man es noch nie gehört, mit immer wieder neuen musikalischen Überraschungen.

Abwechslungsreichtum zeichnete das gesamte Programm. Es wurde esoterisch bei dem von Brenda selbst geschriebenen Song mit der Frage „Are you ready for the Spirit?“ und melancholisch beim „Bye-bye Blues“ von Les Paul und Mary Ford. Mit dem „Mystery Train“ wurde nicht nur an Junior Parker und Elvis Presley erinnert, man hatte auch das Gefühl, dass eine Dampflock 16 Waggons schnaufend über die Bühne zog, bis sie langsam quietschend zum Stehen kam.

Zum Schluss gab es stehenden Applaus vom Publikum. „Heute habe ich fabulierende Musikinstrumente erlebt“, äußerte Knut Thamm, „und dann diese Stimme. Das schafft kein Computer, das schafft nur ein leibhaftiger Mensch.“ Seine Tochter, die das Pathos ihres Vaters mit einem Augenrollen quittierte, urteilte etwas nüchterner: „Das war ein ganz tolles, beeindruckendes Konzert.“

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