Initiative für Blühstreifen: Landwirt aus Lünen will Modell für alle

dzArtenvielfalt

Blühstreifen sind eine Chance für Insekten und damit viele weitere Tiere. Sie können aber auch eine Chance für Bauern sein - meint der Lüner Dieter Kuhne. Er selbst hat 15 Hektar bepflanzt.

Lünen

, 11.09.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieter Kuhne ist Immobilienmakler, Jäger und Landwirt. Weil ihm die Artenvielfalt am Herzen liegt, hat er mehrere Hektar seiner Äcker im Naturschutzgebiet Welschenkamp nicht mehr nur mit Roggen oder Mais bepflanzt, sondern dort Blühstreifen angelegt.

„Die Basis für alles sind die Insekten“, sagt Kuhne, und tatsächlich summt es lautstark in den Feldern. Dass das auch dem Wild zugute kommt, zeigt sich kurze Zeit später: Zwei Fasane fliegen aus einem der Blühstreifen, in dem sich die Insekten heimisch fühlen.

Kuhne hat die Fläche erst im vergangenen Jahr übernommen und hat dort auf 15 Hektar Blühstreifen angelegt. Nicht überall aber blüht es momentan auch. Das liegt daran, dass Kuhne die Streifen nicht gleichzeitig angepflanzt hat und nicht überall das gleiche.

30 Meter breite Blühstreifen

Konkret hat er die Flächen in 30 Meter breite Streifen eingeteilt. Davon wird dann bald eine Hälfte gemäht, die andere bleibt erstmal stehen. Zwischen den Streifen gibt es kleinere Freiflächen, neben reinen Blühpflanzen gibt es auch Abschnitte etwa mit Roggen.

Auf dieser Fläche kurz vor der Kanalbrücke blühen die Sonnenblumen gerade.

Auf dieser Fläche kurz vor der Kanalbrücke blühen die Sonnenblumen gerade. © Goldstein

„Die Struktur ist für die Tiere am wichtigsten“, sagt Kuhne. Besonders das Rebhuhn liegt ihm am Herzen, das möchte er dort wieder heimisch machen. Wie alle Hühner braucht das Rebhuhn in den ersten Wochen tierisches Eiweiß - und deshalb die Insekten. Um sich fortbewegen zu können, darf der Bewuchs direkt am Boden nicht so dicht sein. Es braucht Deckung - und staubige Freiflächen für das „Sandbad“ zur Körperpflege. Für all das gibt‘s auf Kuhnes Acker jetzt die idealen Bedingungen.

Den Tieren geht es auf dem Acker also gut - Geld verdient Kuhne damit allerdings kaum noch. Natürlich gibt es keine Ernte mehr, die er an den Markt bringen kann. Kuhne hat eine andere Idee: Er vermarktet schon Teile der Blühflächen, eine Art Blüh-Patenschaft. Für einen Hektar nimmt er 1650 Euro im Jahr, das sind 16,5 Cent pro Quadratmeter Blühfläche. Einige Lüner Unternehmen sind schon dabei, die anderen Hektar bezahlt Kuhne noch aus der eigenen Tasche. Den Preis hat er extra so berechnet, dass er ungefähr dem Ertrag gleicht, den er erhalten würden, wenn er den Acker normal bewirtschaften würde.

Förderung auch ein Imagegewinn

Ein gutes System, findet er. Schließlich sei der Naturschutz ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, es könne nicht immer alles nur den Landwirten aufgebürdet werden, die mit ihren Betrieben ja auch noch Geld verdienen müssen. Einen Vorteil hat das System für die Landwirte außerdem: Auch bei Dürreperioden und schlechten Ernten gibt es ein sicheres Einkommen. Kuhne könnte sich deshalb vorstellen, dass dieses Modell nicht nur bei ihm, sondern auch bei allen anderen Landwirten funktionieren könnte. Das zumindest ist sein Wunsch.

Bald bringt Kuhne auch eine Website für sein Projekt ans Netz, dort können sich die Sponsoren dann auch präsentieren. Für die ist das, bei allem Willen, der Natur Gutes zu tun, ja auch ein Imagegewinn.

Besuche auf dem Acker

Dass seine Herangehensweise das Interesse weckt, merkt Kuhne momentan an den Anfragen derer, die sich das System vor Ort erklären lassen wollen. Zuletzt war unter anderem der Hegering Selm vor Ort. Dessen Leiter ist Heinz-Georg Mors. „Das ist schon erwähnenswert“, meint er, für das Wild sei auf Kuhnes Flächen „der Tisch gedeckt“. Als Vorsitzender des Hegerings sei ihm daran gelegen, auch mit den Landwirten ins Gespräch zu kommen.

Auch Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW, bewertet Initiativen wie die von Dieter Kuhne positiv. Auch die Bürger nähmen das gut an: „Wenn über so etwas berichtet wird, melden sich auch Mal Bürger, die fragen, wie man sich beteiligen kann“, sagt Rüb. Diese freiwilligen Blühstreifen seien eine „interessante Entwicklung“, auch, weil sie dazu führe, dass Landwirte und die Bevölkerung wieder ins Gespräch kämen.

Lesen Sie jetzt