In vielen Lüner Restaurants stehen Chefs seit Jahrzehnten am Herd - aber wie lange noch?

dzUnter uns

Lünen ist ein Phänomen - in der Umgebung gibt es kaum eine andere Stadt mit so vielen Restaurants, die seit Jahrzehnten denselben Pächter haben. Was ist, wenn der in Rente gehen will?

Lünen

, 03.08.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für mich gehört zu einem gelungenen Restaurant-Besuch nicht nur, dass es eine gute Speisen-Auswahl gibt. Ich finde es auch schön, wenn man vertraute und nette Gastgeber um sich hat, mit denen man auch mal ins Plaudern kommt.

Das geht offenbar auch vielen anderen Lünern so. Wie sonst wäre der Erfolg der vielen Restaurants in der Lippestadt zu erklären, die seit Jahr(zehnt)en von den selben Pächtern oder Besitzern geführt werden.

Gastwirte wollen auch mal in den Ruhestand gehen

Wobei Lünen in der Region eine Besonderheit ist, wie mir ein Kenner der Gastro-Szene verriet. In kaum einer anderen Stadt gibt es so viele Restaurants, in denen der Gastgeber gefühlt schon „ewig“ am Herd steht oder seine Gäste bedient. Das ist für die dann immer ein bisschen wie „Nach-Hause-kommen“.

Nun werden auch Gastwirte (und -wirtinnen) älter, wollen auch mal ihren Ruhestand genießen. Dann stellt sich irgendwann die Frage nach einem Nachfolger. Und den zaubert man nicht so einfach aus dem Hut.

Denn Gastronomie ist ein Berufszweig, der seit längerem Probleme hat, Nachwuchskräfte zu finden. Vor allem deshalb, weil in der Branche gearbeitet werden muss, wenn andere frei haben.

Das wissen auch Gumbrid und Rocco Tedesco aus eigener Erfahrung. Nach 34 Jahren übergeben sie Ende des Monats ihr Restaurant „Da Rocco“ an eine Nachfolger-Familie.

Zwei Jahre von der Idee bis zur Übergabe

Damit ist ihr Wunsch in Erfüllung gegangen - sie wollten ihr „Baby“ in guten Händen wissen und auch, dass es weiter ein italienisches Restaurant bleibt. Aber es hat auch zwei Jahre gedauert, von der ersten Idee, in Rente zu gehen, bis zur Übergabe.

In einigen Restaurants unterstützen die Kinder ihre Eltern. Wie im „Irodion“, in dem auch schon weit mehr als 30 Jahre griechische Speisen serviert werden. Vielleicht übernehmen die Söhne ja auch mal das Restaurant. Vielleicht haben sie aber auch ganz andere berufliche Pläne, weil sie wissen, was in der Gastronomie auf sie zukommt.

Kein freies Wochenende, kein mit-den-Freunden-um-die-Häuser-ziehen am Freitag oder Samstag. Wenn andere Feierabend haben, beginnt für sie erst so richtig die Arbeit.

So einfach wird es also nicht werden, Nachfolger für die beliebten, alteingesessenen Restaurants zu finden. Denn da muss vieles passen. Damit Stammgäste auch weiter gerne in ihr zweites Zuhause gehen. Das zu schaffen, ist angesichts von ständig neu aufploppenden Trends wie Burger & Co. nicht einfach. Aber schön wäre es schon, wenn Lünen diese Besonderheit behielte und auch die Nachfolger viele Jahre Gastgeber sein dürfen.

Einmal in der Woche sprechen die Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen.
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