Die Lüner Hausärzte sieht Dr. Arne Krüger (Archivbild) vorbereitet auf die Corona-Impfung in den Praxen. Das Land hat sie aufgefordert, sich für ein erstes Impfkontingent schon ab nächster Woche zu melden. © Goldstein
Coronavirus

Impftempo in Lünen: Modellrechnungen für die kommenden zwei Monate

Impfungen sind der Weg aus der Pandemie. Auch Hausarzt Dr. Arne Krüger aus Lünen sieht das so. Mit 20 oder 60 Impfdosen pro Woche komme er nicht weit. Es brauche Hunderte. Eine Modellrechnung.

Mit 20 Impfungen pro Woche sollen die Hausärzte nach Ostern anfangen zu impfen. Bei 33 Hausarztpraxen, die es laut Kassenärztlicher Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in Lünen gibt, ist die Rechnung für die ersten Wochen schnell gemacht: 660 Impfungen pro Woche stünden für rund 86.000 Lüner dann zur Verfügung. „20 Impfungen pro Woche sind natürlich viel zu wenig“, sagt Dr. Arne Krüger, Hausarzt und Ärztesprecher in Lünen, knapp dazu.

Jedenfalls dann, wenn jedem Bürger noch bis zum Sommer ein Impfangebot gemacht werden soll. Auch mit der Erhöhung auf 60 Impfdosen pro Woche und Praxis, die ab Ende April lieferbar sein sollen, kommt man nicht viel weiter. Bis Ende Mai wären dann 7920 weitere Impfungen bei Lüner Hausärzten angekommen. In Summe: knapp 8600 Impfdosen. Damit könnte man 10 Prozent von Lünens Gesamtbevölkerung einmal impfen. Da der Schutz aber erst nach der zweiten Impfung vollständig ist, liegt der wahre Wert also darunter.

Wie viele Impfungen landen in Lünen?

Geimpft wird natürlich auch im Impfzentrum in Unna, auch sind mobile Impfteams im ganzen Kreis unterwegs. Genaue Zahlen auf Stadtebene veröffentlich die KVWL in ihren Impfberichten nicht.

Ein Rechenmodell: Stand 29. März gab es kreisweit bislang 35.208 Erstimpfungen und 15.258 Folgeimpfungen. Bei knapp 395.000 Einwohnern im Kreis macht Lünens Bevölkerung einen Anteil von rund 22 Prozent aus. Ist die Verteilung über alle Städte im Kreis etwa ähnlich, heißt das: In Lünen sind so bislang 7675 Menschen erstmalig geimpft worden und 3326 erhielten ihre zweite Impfung.

In den vergangenen 14 Tagen wurden im Impfzentrum und über mobile Teams insgesamt 13.150 Impfungen durchgeführt. Rechnerisch liegt der Lüner Anteil hier bei 2857 Personen, also 1433 pro Woche. Würde das so weiter gehen, wären bis Ende Mai rechnerisch rund 11.500 weitere Impfdosen verteilt.

In der Summe heißt das für diese Schätzung (und mehr kann es auch nicht sein): Bei diesem Impftempo werden in Lünen bis Ende Mai rund 22.500 Dosen über Impfzentrum und mobile Teams gespritzt worden sein. Macht zusammen mit den Impfungen der Hausärzte etwa 31.100 Impfdosen. Zusätzlich hatten Lehrer und Kitaerzieher in der Stadt bislang 1100 Impfungen erhalten, zuletzt waren am vergangenen Freitag rund 600 Personen geimpft worden. Weitere derartige Aktionen sind geplant, es kommt natürlich immer darauf an, dass Impfstoff verfügbar ist.

Lüner Hausärzte stehen in den Startlöchern

Für die Herdenimmunität liegt die anpeilte Impfquote bei mindestens 70 Prozent. Für Lünen heißt das: rund 60.200 Menschen müssten geimpft sein. Rund 120.000 Impfdosen braucht man dafür also bei zwei Impfungen. Ob dann jetzt 31.000 oder 35.000 bis Ende Mai in Lünen ankommen mag dahingestellt sein, es wären etwa 25 bis 30 Prozent der notwendigen Menge.

Die Bereitschaft der Hausärzte beim Impfen mitzumachen wird dabei vorausgesetzt. Krüger könne das natürlich nicht für jeden Einzelnen der 40 Kollegen in der Stadt beantworten, aber die „überwältigende Mehrheit“ der Lüner Ärzteschaft sei dabei.

Auch wie viele Impfdosen pro Woche Krüger eigentlich brauch, kann der Ärztesprecher schnell beantworten: „300 bis 400 Stück. Nur für die Erstimpfungen.“ Rechne man die Folgeimpfungen mit dazu, steige die Zahl auf etwa 500. Nur für Krügers Praxis wohlgemerkt. Andere Arztpraxen in Lünen können auch kleiner sein, damit auch nicht so viele Menschen impfen.

Eine weitere Rechnung: Würden alle 33 Arztpraxen in Lünen im Schnitt 200 Impfungen pro Woche machen, wären bis Ende Mai bereits knapp 53.000 Dosen nur über diesen Weg verimpft. Hinzu kämen viele weitere über das Impfzentrum. Dann sähe die Welt schon ganz anders aus.

Daran, dass das, rein theoretisch, machbar wäre, hat Krüger keine Zweifel. „Ja, das ist viel Arbeit, aber es muss gemacht werden. 100 Impfungen am Tag müssen dann gehen.“

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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