Immobilienpreise explodieren? Lüner Gutachterausschuss kritisiert Statistik der LBS

dzBauen in Lünen

Die steigenden Immobilienpreise in Lünen sorgen für Diskussionen. Nun hat sich der Gutachterausschuss der Stadt eingeschaltet - und die Zahlen der Bausparkasse LBS kritisiert.

Lünen

, 04.06.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach unserer Berichterstattung über die explodierenden Immobilienpreise hat sich Jörg Schulze, Vorsitzender des Gutachterausschusses, zu Wort gemeldet. Es sei richtig, dass die Preise für neue und gebrauchte Häuser in Lünen angezogen hätten. „Aber es ist bei weitem nicht so schlimm, wie es von der LBS dargestellt wurde.“

Die Bausparkasse hatte in ihrem „Markt für Wohnimmobilien 2019“ teils drastische Steigerungen für Lünen ausgerechnet. So lag der Medianwert für ein gebrauchtes Eigenheim um 54 Prozent höher als noch im Vorjahr. Auch Preise für Reihenhäuser seien im Mittel um 28 Prozent gestiegen. LBS-Sprecher Dr. Christian Schröder hatte im Gespräch mit unserer Redaktion darauf hingewiesen, dass die Preisentwicklung sich am Angebot orientiere: „Man muss immer schauen, was denn gerade da ist.“

Steigende Preise als fatales Signal an Bürger

Genau das sagt auch Jörg Schulze, kommt dabei aber zu einem anderen Schluss: „Wenn in einem Jahr zum Beispiel nur Neubauten oder hochpreisige Grundstücke verkauft werden, ist die Summe am Ende zwar höher. Das heißt jedoch nicht, dass die Preise für ganz Lünen entsprechend gestiegen sind.“ Seine Sorge: „Die Bürger denken nun, ihr Haus sei Gott weiß was wert.“

Welche Zahlen der LBS vorgelegen haben, wisse er nicht. „Was ich aber weiß: Der Gutachterausschuss kennt alle Zahlen.“ Denn jeder Verkaufsvorgang wird dort registriert, am Ende fertig der Ausschuss für das abgelaufene Jahr einen entsprechenden Grundstücksmarktbericht an. 2018 wurden beispielsweise 581 sogenannte Kauffälle über bebaute und unbebaute Grundstücke registriert. Der Gesamtumsatz betrug rund 145 Millionen Euro, 39 Millionen Euro mehr als 2017.

Steigerung um 9 anstatt 54 Prozent

Dass die Preise in Lünen steigen, stellt Jörg Schulze auch nicht in Abrede. „Wobei die Vergleiche schwierig sind, denn man muss bei den einzelnen Häusern die Bauklassen beachten.“ So unterteilt der Gutachterausschuss die Objekte gemäß ihrer Entstehung, es gibt Jahresspannen zum Beispiel zwischen 1920 und 1949 oder 1995 bis 2009. Innerhalb dieser Klassen sei ein Preisvergleich deutlich aussagekräftiger.

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Der Bericht der LBS gebe laut Jörg Schulze hingegen den Medianwert aus allen Verkäufen an. „Das können wir natürlich auch tun.“ Legt man alle registrierten Verkäufe zugrunde, ergibt sich bei gebrauchten Einfamilienhäusern eine Steigerung des Medianwerts von 275.000 auf 300.000 Euro. „Das wären 9 Prozent und nicht 54“, sagt Jörg Schulze.

Bei den gebrauchten Reihenhäusern sieht der Bericht eine Steigerung von 190.000 auf 220.000 Euro, also 16 anstatt 28 Prozent. Bei den gebrauchten Eigentumswohnungen steigert sich der Preis pro Quadratmeter um 4 Prozent auf 1415 Euro (Medianwert), bei den Neubauten liegt er bei 3185 Euro. „Da wir hier im Vorjahr nur zwei Verkäufe hatten, können wir aus Datenschutzgründen keine Durchschnittswerte und somit auch keine Entwicklung anzeigen“, so Schulze.

Keine Tendenzen, sondern Belege

Bei den Grundstücken verhalte es sich ähnlich: Je nachdem, was der Markt hergibt, entwickeln sich die Preise. In Lünen waren zuletzt Baugrundstücke an der Bergkampstraße für 370 Euro pro Quadratmeter verfügbar. „Will man jedoch das Preisniveau von Lünen ermitteln, sollte man sich die Bodenrichtwerte halten“, so Jörg Schulze mit Verweis auf das „Boris“-Kataster.

Der Vorsitzende betont zudem: „Der Gutachterausschuss nennt keine Trends und Prognosen. Wir stützen uns auf die uns vorliegenden Daten und werten diese aus.“ Das Ergebnis ist das gleiche wie bei der LBS: Die Preise ziehen an. Die gute Nachricht dabei (zumindest für Kaufinteressenten): Es ist nicht so extrem wie befürchtet.

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