Regelmäßige Zahnvorsorgetermine sind generell empfehlenswert - nicht nur wegen der Einträge im Bonusheft. Beim Zahnersatz ist eine Zahnzusatzversicherung oft sinnvoll. © picture alliance/dpa
Verbrauchertipp

Höherer Zuschuss für Zahnersatz, aber Kassen zahlen nicht alles

Höhere Zuschüsse für Zahnersatz gibt es für gesetzlich Krankenversicherte. Aber Zahnzusatzversicherungen sind nicht überflüssig. Bevor man sie abschließt, sollte man genau hinschauen.

Auch wenn es ab 1. Oktober für gesetzlich Krankenversicherte höhere Zuschüsse für Zahnersatz gibt, sind Zahnzusatzversicherungen gefragt, um sich hochwertigeren Zahnersatz leisten zu können. Was man zu den Zuschüssen wissen und vor dem Abschluss einer Zusatzversicherung beachten sollte, erklärt Jutta Gülzow, Leiterin der Lüner Verbraucherberatung, in Fragen und Antworten.

Wie hoch sind die Zuschüsse der gesetzlichen Krankenkassen für Zahnersatz?

Seit 1. Oktober 2020 gibt’s für gesetzlich Krankenversicherte höhere Zuschüsse für Krone, Brücke oder Prothese. Statt wie bisher 50 Prozent werden beim Zahnersatz dann 60 Prozent der sogenannten Regelversorgung übernommen – das ist die Basisversorgung, mit der von der Einzelzahnlücke bis zur Vollprothese alle nötigen Leistungen abgedeckt sind.

Gibt es mehr Zuschuss, wenn man ein Bonusheft führt?

Werden im Bonusheft regelmäßige Zahnarzt-Kontrollbesuche dokumentiert, steigt der bisherige Zuschuss ebenfalls – von 60 auf 70 Prozent bei fünf beziehungsweise von 65 auf 75 Prozent bei zehn Jahren.

Warum sind Zahnzusatzversicherungen dennoch sinnvoll?

Hochwertigeren Zahnersatz wie Keramik bei Kronen und Brücken oder Implantate müssen Patienten weiterhin zum größten Teil aus eigener Tasche bezahlen. Private Zahnzusatzversicherungen versprechen da oftmals den Lückenschluss. Jutta Gülzow: „Wer aktuell einen Abschluss überlegt, sollte darauf achten, dass sich die Leistung der Zusatzversicherung auf den komplett zu zahlenden Rechnungsbetrag bezieht – und nicht nur auf den Teil, der beispielsweise nicht von der gesetzlichen Krankenkasse als Regelversorgung bezuschusst wird.“

Bezahlt die Zusatzversicherung auch Kosten, wenn ein alter Zahnersatz Probleme macht?

Gar keine Leistungen bekommen Patienten in fast allen Tarifen für Zahnersatzprobleme, die beim Abschluss des Vertrags bereits bekannt waren. Hat der Zahnarzt bei einer Kontrolluntersuchung geraten, einen Zahn zu überkronen, sehen die Versicherer das in der Regel bereits als laufende Behandlung an. Im Antrag auf eine Versicherung müssen Kunden meist Gesundheitsfragen beantworten und den Zahnarzt von der Schweigepflicht entbinden – alle Angaben sollten wahrheitsgemäß erfolgen. Genau geprüft werden diese in der Regel nicht bei Vertragsschluss, sondern erst, wenn die Versicherer kurz nach Vertragsschluss Rechnungen erhalten. Stellt sich heraus, dass ein Kunde im Antrag absichtlich fehlende Zähne nicht erwähnt hat oder dass eine Diagnose schon vor Vertragsschluss feststand, muss der Versicherer meist nicht oder nur teilweise zahlen, sondern kann unter Umständen sogar vom Vertrag zurücktreten.

Zahlen die Versicherungen direkt nach Vertragsabschluss?

Zahlreiche Zahnzusatzpolicen sehen vor, dass Leistungen erst nach acht Monaten Wartezeit in Anspruch genommen werden können. Eine Ausnahme gilt, wenn Zahnersatz nach einem Unfall erforderlich wird. Darüber hinaus enthalten die meisten Verträge sogenannte Staffeln, die die Erstattung häufig in den ersten drei oder fünf Versicherungsjahren auf Höchstbeträge deckeln. In manchen Verträgen ist auch die Anzahl der Implantate begrenzt. Bei den Implantaten sollte der Versicherungsschutz auch Leistungen für den Knochenaufbau umfassen, der häufig notwendig ist.

Was sollte man noch bei den Verträgen beachten?

Die Verträge sollten auch keine grundsätzliche Begrenzung bei der jährlichen Erstattung vorsehen. Zudem wird die bei Vertragsabschluss festgelegte Höchstgrenze (in Euro) auch bei über die Jahre steigenden Kosten für Zahnersatz nicht angehoben, sodass Versicherte dann im Fall der Fälle trotz zusätzlichem Versicherungsschutz für den gewünschten hochwertigeren Zahnersatz zuzahlen müssen. Vorsicht ist auch geboten, wenn der Versicherungstarif die Leistungen bei den Material- und Laborkosten begrenzt.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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