Hermann Nüdling (hier ein Foto zu seinem 85. Geburtstag im Jahr 2017) ist Kulturpreisträger der Stadt Lünen 2020. © Jürgen Korn (A)
Jury-Entscheidung

Hermann Nüdling ist Kulturpreisträger 2020 der Stadt Lünen

Der Maler und Grafiker Hermann Nüdling erhält für das Jahr 2020 den Kulturpreis der Stadt Lünen. Die Jury entschied sich für den 89-Jährigen, dessen Verhältnis zur Stadt nicht immer einfach war.

Eigentlich gibt die Jury des Kulturpreises die Entscheidung über die Preisträger im Kulturausschuss bekannt. Da der jedoch aufgrund der Corona-Pandemie nicht tagen konnte, verkündete Heinz-Joachim Otto in der Marathonsitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstag (4. März), wer den mit 2500 Euro dotierten Kulturpreis der Stadt Lünen im Jahr 2020 erhält. „Um 23.15 Uhr“, wie Otto im Gespräch mit der Redaktion bemerkt. „Die Jury hat sich für Hermann Nüdling entschieden.“

Der Maler, der in Lünen vor allem für seine grafischen Arbeiten im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit von 1967 bis 179 bekannt ist, wird damit Nachfolger des Schauspieler-Paares Susanne Hocke und Jürgen Larys, die 2019 den Preis erhielten. Der gebürtige Dortmunder lebte seit seiner frühen Kindheit in Lünen, bevor er Anfang der 1980er-Jahre aufs Land zog.

Große Anerkennung für das „Jazz-Light-Plakat“

Nachdem er an Knochentuberkulose erkrankt war, musste ihm als 15-Jähriger in einem Lüner Krankenhaus das rechte Bein amputiert werden. „In diesen Jahren war das Zeichnen seine Rettung“, berichtete Heinz-Joachim Otto dem Ausschuss. Nüdling studierte Grafik und gelangte schließlich wieder nach Lünen, wo die Stadt ihn als Grafiker einstellte. „In dieser Zeit entwarf er unter anderem das ,Lüner Kleeblatt‘, das der Stadt bis 1991 als Logo diente“, so Otto. „Große Anerkennung und weltweite Beachtung erhielt der Künstler für sein ,Jazz-Light‘-Plakat, das er 1976 für das erste Lüner Jazz-Festival entwarf.“

Hermann Nüdling war von 1967 bis 1979 als Grafiker für die Stadt Lünen tätig.
Hermann Nüdling war von 1967 bis 1979 als Grafiker für die Stadt Lünen tätig. © Goldstein (A) © Goldstein (A)

Dennoch war die Beziehung zwischen Nüdling und Lünen nicht immer glücklich: 2014 wollte der Künstler 2600 Zeichnungen an die Stadt Lünen verschenken – quasi sein künstlerisches Lebenswerk für die Stadt, in der er insgesamt 45 Jahre lebte. Doch die Stadt schaffte es angeblich nicht, passende Räume für eine Ausstellung zu organisieren – eine Darstellung, die unter anderem von den damaligen Kuratoren Karl Marek und Jürgen Korn bezweifelt wurde.

Am Ende zog Nüdling seine Schenkung verärgert zurück und kritisierte „die beispiellose Ignoranz und Arroganz der verantwortlichen Kulturbürokraten“. Ein persönliches Gespräch mit dem Kulturdezernenten Horst Müller-Baß lehnte der Künstler ab. Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet: Das Gesamtwerk Nüdlings mit mehr als 3700 Grafiken hat er dem Stadtarchiv als Geschenk übergeben. „Damit ist sein Werk vollständig in seine Heimatstadt zurückgekehrt“, sagte Heinz-Joachim Otto und lobte: „Ein großes Werk und eine sehr große Geste!“

Otto selbst teilte Nüdling die Entscheidung am Telefon mit. „Er war sehr gerührt und ich habe deutlich gespürt, wie ihn diese Auszeichnung ,am Ende seines Lebens‘, wie er selbst sagte, geehrt hat.“ Der Künstler habe erklärt, dass es ihm nicht mehr möglich sei, für eine Verleihung in die Lippestadt zu kommen. „Wie wir die Übergabe gestalten, hängt jetzt natürlich auch von Corona ab“, so der Jury.-Vorsitzende. Man werde sich mit der Stadt und dem Künstler dazu abstimmen.

Tillmann Sancken erhält den Kulturförderpreis der Stadt Lünen für das Jahr 2020.
Tillmann Sancken erhält den Kulturförderpreis der Stadt Lünen für das Jahr 2020. © Kulturbüro © Kulturbüro

Tillmann Sancken erhält Förderpreis

Neben dem Kulturpreis vergibt die Jury auch einen mit 500 Euro dotierten Förderpreis (der im Jahr 2019 allerdings ausgefallen war). Für das Jahr 2020 geht dieser Preis an Tillmann Sancken. „Der 18-jährige Lüner spielt seit zehn Jahren Saxofon und war bis 2019 Schüler von Catrin Groth an der Musikschule der Stadt Lünen“, erklärt Heinz-Joachim Otto und hob hervor: „Früh begeisterte Tillmann bei Konzerten als Solist mit schon damals auffälligem Talent – auch durch seine Bühnenpräsenz und humorvolle Showeinlagen.“

Sancken habe sich über die Jahre herausragend entwickelt, in verschiedenen Ensembles der Musikschule gespielt und sich zunehmend auch in eigenen Formationen vor allem der Jazzmusik gewidmet.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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