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Hermann-Josef Wittmann: Die Realschule ist kein Auslaufmodell

dzRektor geht in Ruhestand

Zehn Jahre leitete Hermann-Josef Wittmann (64) die Realschule Altlünen. Mit dem Schuljahr endet auch seine berufliche Laufbahn. Doch die Zukunft der Realschule liegt ihm weiter am Herzen.

Nordlünen

, 10.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Der Ruhestand ist in Sichtweite. Ablenkung gibt es aber an seinen letzten Arbeitstagen noch genug für Realschulleiter Hermann-Josef Wittmann. Schließlich stecken Schulleitung, Kollegium und Schüler mittendrin in den Vorbereitungen zum 50. Geburtstag der Realschule Altlünen. Zehn Jahre davon hat Wittmann miterlebt. Zehn Jahre, in denen sich viel getan hat, wie er im Interview feststellt.

Ist es ein komisches Gefühl, kurz vor dem Ruhestand zu stehen?

Ja. Ich mache die Arbeit nämlich immer noch gerne auch nach mehr als 40 Jahren im Schuldienst. Aber irgendwann kommt eben der Tag. Und ich lege die Verantwortung auch in gute Hände. Unsere 1. Konrektorin Claudia Fellowes wird die Schulleitung kommissarisch übernehmen.

Hermann-Josef Wittmann: Die Realschule ist kein Auslaufmodell

Vor zehn Jahren: Schlüsselübergabe an der Realschule Altlünen: Hermann-Josef Wittmann (l.) übernimt von seinem Vorgänger, Jürgen Wolff, die Verantwortung für die Schule. © Karl-Heinz Knepper

Was hat Sie, neben der eigentlichen Verwaltung der Schule, besonders beschäftigt?

Auf jeden Fall zuletzt die Planung für den Neubau der Realschule. Das braucht viel Zeit, beispielsweise für die Bauberatungsgespräche. Außerdem bin ich vor einiger Zeit zum Sprecher der Lüner Schulleiter gewählt worden. Da haben wir derzeit viel zu tun mit Änderungswünschen der Zentralen Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL) in Sachen Hausmeisterdienste. Auch als die Zahl der Jucops reduziert werden sollte, haben wir uns dafür stark gemacht, dass es nicht soweit kommt.

Hat sich die Realschule Altlünen in den Jahren Ihrer Amtszeit verändert? Wenn ja, wie?

Zehn Jahre - das sind fast zwei Generationen Schüler. In dieser Zeit hat alles, was mit Digitalisierung zu tun hat, enorm zugenommen. 95 Prozent der Schüler haben ein Handy in der Tasche. Da ist die Schule gezwungen, sich darauf einzustellen.

Also haben sich auch die Schüler im Laufe der Jahre verändert?

Sokrates hat schon etwa 400 vor Christi Kritik an der angeblich so schlechten Jugend geübt. Ich finde, wir müssen uns immer wieder darauf einstellen, wie „die Jugend“ gerade ist und dafür sorgen, dass Kinder so gefördert werden, dass sie ihr gegenwärtiges und zukünftiges Leben gemeistert bekommen.

Hermann-Josef Wittmann: Die Realschule ist kein Auslaufmodell

2010, kurz vor dem Ruhestand von Konrektor Peter Feldmüller (l.), der mit Rektor Hermann-Josef Wittmann und Schulsekretärin Seval Agca ein gutes Team bildete. © Beate Rottgardt

Was haben Sie sich für die Zeit nach der Schule vorgenommen?

Ich bin bei uns in der Kirchengemeinde in Werl Organist und freue mich darauf, dafür mehr Zeit zu haben. Außerdem haben meine Frau und ich drei Enkelkinder. von denen eins auch vor Ort ist. Wir freuen uns darauf, mehr Zeit mit den Enkeln zu verbringen. Meine Frau ist das dritte Jahr Pensionärin.

Wie sieht es mit Reisen aus?

Wir verreisen gern, es zieht uns aber nicht ans andere Ende der Welt. Am liebsten fahren wir dorthin, wo man weder Flugzeug noch Schiff braucht, um ans Ziel zu kommen.

Realschulen scheinen ein Auslaufmodell zu sein. Was spricht Ihrer Meinung nach für diese Schulform?

Dass sich Realschulen sehr am Berufsalltag orientieren und versuchen, Kinder und Jugendliche auf das Berufsleben vorzubereiten. Und auch auf das reale Leben - das steckt ja schon im Wort Realschule und wird hier auch wörtlich genommen.

Verschiedene Stationen

WITTMANNS WERDEGANG

  • Hermann-Josef Wittmann studierte in Bielefeld. Kurz vor seinem Examen hat seine Frau eine Lehrerstelle an einer Schule in Gladbeck bekommen, das Paar zog dorthin.
  • Wittmann hatte bis 1990 eine Lehrerstelle an einer Hauptschule in kirchlicher Trägerschaft in Essen. Mittlerweile war das Paar nach Werl gezogen.
  • Als es eine Realschule in Werl einen Lehrer für Biologie und Chemie suchte, wechselte Wittmann in den öffentlichen Dienst, unterrichtete an dieser Schule bis 2005. Von 2005 bis 2009 war er 2. Konkrektor an der Friedrich-Ebert-Realschule in Hamm.
  • Von 2002 bis 2005 war er außerdem Fachleiter für Chemie im Seminar Arnsberg und Siegen. 2009 übernahm er die Leitung der Realschule Altlünen.
  • Zwischenzeitlich unterrichtete Wittmann zehn Jahre lang Krankenschwestern der Kinderklinik in Hamm in Physik und Chemie.

Macht es heute noch Spaß, Lehrer und Schulleiter zu sein?

Auf jeden Fall. Und zwar jeden Tag, ich fahre wirklich jeden Tag gerne zur Schule. Auch wenn ich nicht mehr so viel unterrichte, weil ja die Verwaltung viel Zeit in Anspruch nimmt. Meine Fächer sind Biologie und Chemie. Man findet auch bei ganz jungen Kollegen welche, die mit Leib und Seele für die Schule brennen. Meine Erfahrung ist übrigens, dass Kinder es gerne haben, wenn man ihnen etwas erklärt und sie sich nicht alles selbst erarbeiten müssen. Deshalb finde ich es wichtig, beim Unterrichten auch die gesunde Mitte zwischen den verschiedenen Methoden zu finden.

Sie sind noch mitten drin in den Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der Realschule Altlünen. Was wünschen Sie Ihrer Schule zum Jubiläum?

Dass diese Begeisterung für Schule bei Kollegen und Kindern möglichst lange erhalten bleibt und auch, wenn es mal einen kleinen Knick gibt, man das Beste aus der Schule herausholt. Natürlich fände ich es schön, wenn es die Realschule Altlünen auch noch in den nächsten 50 Jahren geben würde.

Warum haben Sie sich als junger Lehrer für die Hauptschule als Schulform entschieden?

Weil ich die Art von Menschen, die die Hauptschule besuchen, mag. Ich wollte mit Herz und Hand unterrichten, nicht nur Theorie. Ich bin dann über Umwege zur Realschule gekommen.

Hermann-Josef Wittmann: Die Realschule ist kein Auslaufmodell

Vor drei Jahren verabschiedete Rektor Hermann Josef Wittmann die langjährige Lehrerin Gabriele Steinert in den Ruhestand. Jetzt steht der eigene Ruhestand bevor. © Beate Rottgardt

Was würden Sie jungen Lehrern heute aus Ihrer Erfahrung heraus raten?

Dass sie sich ihre Begeisterung erhalten sollen. Jeder muss seine Fähigkeiten mit einbringen, damit das Ganze gut gelingt.

Am 27. Juni ist Ihre offizielle Verabschiedung, zu der die Einladungen verschickt worden sind. Wie ist Ihre Stimmungslage im Vorfeld?

Ich freue mich darauf. Es wird bestimmt eine schöne Feier.

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