Herbstferien in Deutschland? Lüner Reisebüros kämpfen mit Stornierungen

dzReisen zu Corona-Zeiten

Von Reisen ins Ausland möglichst abzusehen, war die Weisung der Virologen seit Pandemie-Ausbruch. Urlaubspläne innerhalb Deutschlands werden vielen Reisenden jetzt aber zum Verhängnis.

Lünen

, 14.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der momentan vielleicht interessanteste Corona-Wert liegt am Dienstag (13. Oktober) für den Kreis Unna bei 61,5. Es ist der Wert, der die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage beziffert und Ausschlag gibt, ob eine Stadt oder ein Kreis als Risikogebiet bezeichnet wird. Seit Montag, 12. Oktober, hat der Wert die 50er-Marke überschritten: Der Kreis Unna ist nun also ein Gebiet, in dem die Ansteckungsgefahr besonders hoch ist.

Ohne Test oft kein Reisen

Das hat Folgen: „Im Moment ist es ja fast unmöglich, für einen Kunden aus dem Kreis Unna nach zum Beispiel Bayern, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein zu reisen, es sei denn er weist einen negativen Corona-Test vor“, fasst Thomas Milcarek, Geschäftsführer des Tui-Reisecenters an der Bäckerstraße, die Situation zusammen.

Einen solchen Test, der bei Ankunft am Urlaubsort nicht älter ist als 48 Stunden, machen zu lassen, sei aber derzeit nur schwer möglich, weiß Milcarek. Das Gesundheitsamt des Kreises führt für diejenigen Menschen keine durch, die den Test aufgrund einer Reise benötigen. So sind Hausärzte für Reisewillige die Adresse der Wahl und auch dort muss man nicht nur Wartezeiten in Kauf nehmen, viele testen nur, wenn Symptome aufgetreten sind.

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„Es gibt also innerdeutsch eigentlich im Moment kaum eine Chance zu verreisen“, sagt Thomas Milcarek, „und das, wo doch stark davon abgeraten wurde, ins Ausland zu reisen und viele deswegen innerhalb Deutschlands verreisen wollten.“ Bei den Buchungen in seinem Reisebüro hat sich das Verhältnis von Herbstreisen ins Aus- und ins Inland komplett verschoben.

Hälfte der Reisen storniert

Am Montag und Dienstag wurden bereits 50 Prozent der innerdeutschen Reisen von seinen Kunden storniert. Wer die Kosten dafür trägt, sei im Moment noch ungeklärt. Das Argument der Reiseveranstalter: Mit negativem Test hätten Touristen ja reisen können.

Reisen ins Ausland seien hingegen kein Problem, sagt Reisebüro-Geschäftsführer Milcarek. Ziele in Griechenland, Portugal oder Italien stehen auf den Tickets seiner Kunden, denn diese Länder betrachteten Deutschland als Gesamtland und nicht als Flickenteppich aus Risikoregionen. Es habe viele Nachfragen, aber keine Stornierungen gegeben.

Die Lüner Hotels hingegen stehen auf der Kehrseite der Medaille. „Es gibt ja kein Beherbergungsverbot in NRW“, sagt Carola Deinhart-Auferoth, Inhaberin des Hotels an der Persiluhr. „Trotzdem hat gestern eine Gruppe von Geschäftsreisenden aus Rheinland-Pfalz ihre Zimmer storniert, weil sie bei ihrer Rückkehr aus dem Risikogebiet einen negativen Coronatest hätten vorweisen müssen.

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