Heike Tatsch: Wie Judo zur Bewerbung als Gleichstellungsbeauftragte in Lünen führte

dzVorstellung im Rat

Sportlich ist die neue Lüner Gleichstellungsbeauftragte. Und ihr Engagement im Sport hat auch entscheidend dazu beigetragen, dass sich Heike Tatsch (46) auf ihre neue Stelle beworben hat.

Lünen

, 16.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Blumen und eine Urkunde gab es am Donnerstagabend (12.3.) für die neue Lüner Gleichstellungsbeauftragte Heike Tatsch in der Ratssitzung. Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns begrüßte die 46-Jährige offiziell in ihrem neuen Amt, das sie am 1. April antreten wird.

Dass sich die Mutter eines 16-jährigen Sohnes überhaupt auf die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten beworben hat, liegt an ihrem sportlichen Hobby. Sie ist aktive Judoka und 1. Vorsitzende sowie Pressewartin des 1. JJJC Lünen.

Als sie 2018 eine Fortbildung zur Übungsleiterin für Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Frauen und Mädchen absolvierte, standen auch frauenpolitische Themen auf dem Kursplan. „Das hat mich interessiert.“ Und weil sie sich vorstellen konnte, mehr mit Menschen als mit Daten zu arbeiten, bewarb sie sich.

Berufsbegleitendes Studium

Zuvor war sie zwölf Jahre lang in der Rechnungsprüfung der Stadtverwaltung tätig, davon seit vier Jahren als stellvertretende Leiterin. Nach dem Abitur hatte Heike Tatsch, die in Lünen lebt, seit sie sechs Jahre alt ist, eine Ausbildung zur Stadtinspektoranwärterin bei der Stadt Lünen absolviert. Danach arbeitete sie in der Ausländerbehörde, studierte berufsbegleitend Betriebswirtschaftslehre und wechselte dann in die Organisationsabteilung.

Ihre Vorgängerin Gabriele Schiek war auf der Zuschauertribüne dabei, als Heike Tatsch sich und ihre Ideen den Ratsmitgliedern vorstellte. Im Januar war Schiek in Rente gegangen. Ihr dankte Heike Tatsch für ein „gut bestelltes Feld“ und erklärte, die bewährten Veranstaltungen weiter zu führen.

Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns (r.) und Michael Kuzniarek, Fachdezernent für Personal bei der Stadtverwaltung, verabschiedeten im Januar die langjährige Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Schiek in den Ruhestand.

Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns (r.) und Michael Kuzniarek, Fachdezernent für Personal bei der Stadtverwaltung, verabschiedeten im Januar die langjährige Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Schiek in den Ruhestand. © Stadt Lünen

So wie den Equal Pay Day, bei dem es um die gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit für Männer und Frauen geht, den Jugendaktionstag, sobald das Lükaz wieder öffnet, das Frauencafé international im Treffpunkt Neuland und das Nähcafé in Gahmen. Aber auch den Frauensalon Lünen-Süd, den sie sich künftig auch in anderen Stadtteilen vorstellen kann.

Natürlich hat Heike Tatsch auch eigene Ideen. „Ich möchte gerne verstärkt jüngere Frauen ansprechen. Außerdem will ich mehr Frauen fürs kommunalpolitische Ehrenamt aktivieren“, sagte sie mit Blick auf die deutlich höhere Anzahl von männlichen Ratsmitgliedern. Bis zu den Kommunalwahlen im September sei es etwas knapp, aber danach habe sie eine Legislaturperiode Zeit. Am internationalen Frauentag 2021 plant sie einen Aktionstag zur Stärkung von Frauen im politischen Ehrenamt.

Kampf gegen Gewalt an Frauen

Ein Thema, das ihr besonders am Herzen liegt, ist der Kampf gegen Gewalt gegen Frauen. Als sichtbares Zeichen kann sie sich am 25. November, dem Tag gegen Gewalt an Frauen eine Beleuchtungsaktion vorstellen. Dann könnten beispielsweise Rathaus und Colani-Ufo in Orange erstrahlen.

Auch Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse - intern für Mitabeiterinnen der Stadtverwaltung, extern beispielsweise auch für Migrantinnen und Seniorinnen - sind geplant.

Heike Tatsch ist die neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lünen. Am 1. April wird sie ihr neues Amt antreten.

Heike Tatsch ist die neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lünen. Am 1. April wird sie ihr neues Amt antreten. © Beate Rottgardt

„Ich möchte auch einen Mädchenkalender für Achtklässlerinnen erstellen und am 14. Februar einen gemeinsamen Tanz auf dem Marktplatz als Zeichen gegen Gewalt an Frauen.“

Gendergerechte Sprache in der Verwaltung ist ein weiteres Thema. Zudem möchte sie den Antrag der Frauen im Lüner Rat unterstützen, ein Frauenhaus im Nordkreis einzurichten. Ratsfrau Erika Roß (Bündnis 90/Die Grünen) freut sich über diese Ankündigung.

Judo und Italien als Hobbys

In ihrer Freizeit dreht sich bei Heike Tatsch nicht alles um Judo und Familie. Sie interessiert sich auch für Italien, lernt die Sprache an der Volkshochschule und erkundet das Land bei Reisen. Ab April hat Heike Tatsch ihr Büro in der 13. Etage des Rathauses. Mit einer Mitarbeiterin kümmert sie sich in Vollzeit um das Thema Gleichstellung.

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