Der Abbruchbagger hat am Montag mit seiner Arbeit begonnen an der Laakstraße. © Günther Goldstein
Traditionskneipe

Haus Bössing wird Schuttberg: Erinnerungen bleiben – auch an Tote Hosen

Da, wo die Toten Hosen rockten, dreht sich jetzt der Abrissbagger. Haus Bössing wird dem Erdboden gleichgemacht. Kornelia Bössing reagiert wie damals, als Campino sie auf die Bühne holte.

Ob Klassentreffen, Kinderkarneval, Vatertagschießen, Kegelrunde oder auch nur ein gemütliches Abendessen mit gutbürgerlichen Gerichten: Das Haus Bössing an der Laakstraße war eine Adresse, die jeder in Altlünen kannte. Ein Treffpunkt für Generationen. Jetzt treffen sie sich wieder – aber nicht am Tisch in fröhlicher Runde, sondern draußen am Bauzaun, wo gerade mancher kurz stehen bleibt. Denn seit Montag (22. 3.) dreht sich der Abbruchbagger auf dem Gelände an der Laakstraße.

Kornelia Bössing bleibt äußerlich ganz ruhig. „Das läuft jetzt so, wie wir es geplant haben“, sagt die ehemalige Wirtin am Telefon. Sie hoffe, dass die Arbeiten gut vorangehen. Wenn das der Fall ist, wird bald nur noch ein Schuttberg und wenig später ein leeres Grundstück übrig sein: eine Zäsur für die Lüner Kneipengeschichte, aber noch mehr für die Familie Bössing.

Schwiegervater hatte Gaststätte ein den 50er-Jahren gegründet

„Mein Schwiegervater hatte die Gastwirtschaft gegründet Anfang der 1950er-Jahre, sie und ihr Mann haben sie dann fortgeführt. Dass damit bald Schluss sein würde, hatten sie Anfang 2019 angekündigt. Das letzte Bier floss im Sommer 2019 durch den Zapfhahn.

Wie es weitergeht, will Kornelia Bössing noch nicht öffentlich machen. „Wenn es so weit ist, werden wir das tun, aber jetzt noch nicht“, sagt sie wieder ganz ruhig. Genauso unaufgeregt reagierte die als Schnitzelkönigin gerühmte Wirtin, als der berühmte Tote-Hosen-Sänger Campino sie 2011 auf die Bühne holte und ihre Kochkünste vor 600 Gästen lobte: „Die kann was“, sagte er. Die so Gelobte blieb indes ganz cool. Alles andere sei nach 30 Jahren Erfahrung auch verwunderlich, hatte sie damals dem Bandleader entgegnet.

Warum die Toten Hosen Im Haus Bössing waren

Eine Tippgemeinschaft aus der Kneipe hatte damals bei 1Live gewonnen. Der Preis war für die gekonnten Bundesliga-Tipps war ein Privat-Konzert der Toten Hosen vor geladenen Gästen: Nur eine von vielen Erinnerungen, die mit Gaststätte, Kegelbahn und Saal verknüpft sind. Die Gebäudeteile des ursprünglichen Fachwerk-Bauernhofs, werden jetzt nach und nach verschwinden: gut sortiert nach den einzelnen Wertstoffen.

Campino von den Toten Hosen auf der Bühne von Haus Bössing. Das war 2011.
Campino von den Toten Hosen auf der Bühne von Haus Bössing. Das war 2011. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Für das Ehepaar Bössing war das Anwesen nicht nur Arbeitsstätte, sondern auch Zuhause. Inzwischen seien sie aber umgezogen, sagt die Wirtin von einst. Altlünen halten sie aber weiter die Treue. Das Viertel, in dem wohl jeder eine eigene Geschichte erzählen kann zu der Traditionsgaststätte: ob Kinderkarneval oder Tote-Hosen-Konzert.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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