Hauptbahnhof in Lünen bekommt Anschluss Richtung Osten zum Wüstenknapp

dzTunnelpläne

Der Lüner Hauptbahnhof ist ein Ort voller Hindernisse. Aufzüge? Zu wenig. Direkter Weg zum Stadtgartenquartier Richtung Wüstenknapp und Victoriasiedlung? Fehlanzeige. Es tut sich aber etwas.

Lünen

, 13.12.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Irgendwie steht das Bahnhofsgebäude zwar zentral, aber doch ziemlich isoliert: Genau zwischen den beiden Hauptstrecken, quasi zwischen allen Gleisen. Der Zugang zu den Bahnsteigen ist mitunter eine Herausforderung.

Der Haupteingang des Bahnhofsgebäudes liegt Richtung Norden und nicht - wie man annehmen könnte - Richtung Westen, also Richtung Innenstadt. Abhilfe geschaffen hat man Mitte der 1990er-Jahre mit dem Bau des zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB), der endlich einen direkten Zugang zur Innenstadt ermöglichte.

Richtung Osten, also Richtung Stadtgartenquartier mit der Straße Wüstenknapp und der Victoriasiedlung, geht nach wie vor nichts. Fußgänger und Radfahrer müssen durch das dunkle und unattraktive Nadelöhr der Eisenbahnbrücke Münsterstraße. Oder sie entscheiden sich für verbotene und gefährliche Wege und marschieren einfach über die Gleise. Wer länger am Bahnhof steht, kann das regelmäßig beobachten.

Problem auch: Es gibt nur einen einzigen Aufzug zu den Gleisen 1 und 2 und eine Art Lift, der allerdings Bedienungspersonal erforderlich macht, zu den Gleisen 3 und 4. Ansonsten muss man reichlich Treppen laufen.

Hauptbahnhof in Lünen bekommt Anschluss Richtung Osten zum Wüstenknapp

Am Hauptbahnhof geht es zu den Gleisen 3 und 4 über diese Treppen. © Beuckelmann (A)

Die Beleuchtung am Hauptbahnhof insgesamt ist - vorsichtig formuliert - ausbaufähig.

Das sind die schlechten Nachrichten, und jetzt die Gute: Das alles soll sich ändern.

Die jetzt abgeschlossen Planungen sehen für den Lüner Haupbahnhof Folgendes vor:

  • vollständiger, barrierefreier Ausbau des Bahnhofs, unter anderem mit zwei Aufzügen, die den barrierefreien Zugang zu den Gleisen drei und vier möglich machen sollen.
  • neue Beleuchtung
  • sogenannte taktile Elemente, also Markierungen auf dem Boden, die es zum Beispiel Sehbehinderten leichter möglich machen, sich zurecht zu finden.

Hauptbahnhof in Lünen bekommt Anschluss Richtung Osten zum Wüstenknapp

Der Tunnel unter den Gleisen. Er soll so verlängert werden, dass er auf der anderen Seite des Bahnhofs wieder ans Tageslicht kommt. © Goldstein

Tunneldurchstich bis zur Hedwigstraße auf der anderen Bahnhofseite

Das größte Projekt aber ist die Verlängerung des Tunnels um etwa zehn Meter unter den Gleisen durch Richtung Osten. Der Durchstich soll etwa gegenüber der Einmündung Hedwigstraße auf die Straße Wüstenknapp treffen. Damit soll endlich eine schnelle und annehmbare Verbindung Richtung Osten für Fußgänger und Radfahrer geschaffen werden; und damit hoffentlich auch die Leute von den Gleisen verschwinden. Kosten: rund 1,5 Millionen Euro.

Hauptbahnhof in Lünen bekommt Anschluss Richtung Osten zum Wüstenknapp

Der Tunnel unter den Gleisen soll in Höhe der Hedwigstraße auf die Straße "Am Wüstenknapp" treffen. © Klose

„Wichtige verkehrspolitische Maßnahme“

Die Stadtverwaltung hält die Öffnung des Bahnhofs Richtung Osten für eine „wichtige, nahverkehrspolitisch und städtebaulich folgerichtige Maßnahme“. Als einzelne Maßnahme würde sich die Realisierung aber „über Jahre“ erstrecken, sagt die Stadt. Nun aber gebe es die Chance, sich noch „sehr kurzfristig“ in Runde drei der Modernsierungsoffensive der Bahn einzuklinken. Der Rat hat am Donnerstag (13.12.) dem Vorhaben zugestimmt. Das bedeutet Stand jetzt folgenden Zeitplan: Noch in diesem Jahr, oder Anfang 2020, sollen die Pläne zur Genehmigung beim Eisenbahn-Bundesamt vorgelegt werden. Baubeginn könnte im Herbst 2021 sein.

Geld kommt aus unterschiedlichen Fördertöpfen

Neben der Stadt Lünen und der Bahn sind die Bezirksregierung Arnsberg, der Zweckverband Nahverkehr und das Heimatministerium involviert. Das bedeutet unterschiedliche Zuständigkeiten und Fördertöpfe. Die Stadt muss dabei „jonglieren“. Denn: Eine umfassende Förderung im Rahmen des Bahn-Modernisierungsprogramms wäre nur möglich gewesen, wenn man am Wüstenknapp 150 Parkplätze gebaut hätte. Das aber kam für die Stadt nicht in Frage. Nun gibt es Pläne für eine Fahrradabstellanlage. Eine ausgleichende Förderung könnte aus den Töpfen des Stadterneuerungsprogramms des Landes kommen.

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