Halloween und der Reformationstag - eine kleine Feiertagskunde

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Am 31. Oktober ist Halloween. Kinder denken vermutlich vor allem an Süßes und Verkleidungen. Der Tag ist aber auch für die evangelische Kirche von Bedeutung - und hat eine lange Geschichte.

Lünen

, 28.10.2020, 11:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende Oktober ist es wieder so weit. Dann ziehen Kinder gruselig verkleidet von Haus zu Haus und fragen nach Süßigkeiten. Wer keine hat, der sollte sich vor Streichen hüten. Der Tag ist aus den USA nach Deutschland gekommen und wird immer beliebter.

Für die evangelischen Christen hat der 31. Oktober jedoch eine ganz andere Bedeutung - und das schon weitaus länger als es Halloween bei uns gibt. Die evangelische Kirche feiert an diesem Tag den Reformationstag, den Tag, an dem Martin Luther 1517 seine Thesen in Wittenberg öffentlich machte. „Gedacht wird des Ereignisses, das zur Entstehen der Evangelischen Kirche geführt hat“, erklärt Bianca Monzel, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeine Lünen.

Grundstein zur Entstehung der Evangelischen Kirche

Dr. Martin Luther, Theologe und Geistlicher, soll am Abend vor Allerheiligen den Grundstein zur Entstehung der Evangelischen Kirche gelegt haben. Er schrieb 95 Thesen, die gegen den damaligen Ablasshandel argumentierten. Damit sind die so genannten Ablassbriefe gemeint. Wer damals gegen eine Glaubensregel verstieß, brauchte nur einen zu kaufen und war angeblich frei vom Fegefeuer.

Bianca Monzel, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Lünen, erklärt die Bedeutung des Reformationstages.

Bianca Monzel, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Lünen, erklärt die Bedeutung des Reformationstages. © Foto: Lea Wulfert

Luther nagelte seine Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. „Ein Schriftstück an die Kirchentür zu heften, war kein Akt des Vandalismus, sondern ein übliches Vorgehen an der Universität Wittenberg“, so Monzel. So wurden Themen für wissenschaftliche Streitgespräche in Gang gebracht.

Luther wollte die Kirche nicht spalten, sondern erneuern

Luthers Ziel war dabei nicht, die Kirche zu spalten. Er wollte sie lediglich erneuern. Beim Lesen des Römerbriefs in der Bibel wurde ihm klar, dass Gott jedem Mensch automatisch vergibt. Für diese Vergebung braucht es keinen Ablass.

„Wenn wir heute den Reformationstag begehen, dann ist eben dies auch der Aspekt, der im Mittelpunkt steht“, sagt Monzel. Die Frage stellt sich dann erneut: Wie kann man die heutige Kirche erneuern? Der diesjährige Gottesdienst in der Lüner Kirchengemeinde etwa soll aufgrund der Corona-Situation digital stattfinden. Infos dazu gibt es auf der Homepage des Evangelischen Kirchenkreises.

Geschichte des Feiertags geht noch weiter zurück

Doch die Geschichte des 31. Oktobers ist noch älter als das. „Möglicherweise geht Halloween auf das keltische Samhain zurück, den Tag, an dem die Tore zur Toten- und Geisterwelt durchlässig sind“, erklärt Monzel. Damit ist der beliebte US-Amerikanische Feiertag ursprünglich europäisch.

Der Begriff „Halloween“ selbst leitet sich ab von „All Hallow‘s Eve“ - der Abend vor Allerheiligen. Mit den gruseligen Masken und Kostümen wollte man die Geister und Toten davon abhalten, zu unserer Welt zu wechseln und die Lebenden heimzusuchen.

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