Gut gemeinte Kampagne - mit einer Optik aus dem vergangenen Jahrhundert

dz„Auf deinen Nacken“

In der Debattier-Kolumne „Jetzt mal unter uns“ vertreten Mitglieder der Redaktion Lünen ihre Meinung. In dieser Woche geht‘s um eine neue Kampagne der Stadt mit fragwürdiger Optik.

Lünen

, 27.04.2019 / Lesedauer: 2 min

Ich weiß nicht warum, aber irgendwie scheint die Marketing-Abteilung der Stadt Lünen ein Problem mit Optiken zu haben. Ich erinnere mich an die Kampagne mit dem Lünen-L, die im Stadtbild weiterhin präsent ist. Menschen lassen sich fotografieren und formen dabei aus Zeigefinger und Daumen ein L. Das steht, fragt man die jüngere Generation, aber so dargestellt vor allem für eines: „Loser“, also Verlierer. Sieht sich so die Stadt Lünen? Hoffentlich nicht.

Um die jüngere Generation geht es jetzt wieder. Die will die Stadt Lünen nämlich ansprechen mit einer neuen Kampagne. Der Name „rausch geht immer auf deinen Nacken“, das ist laut Stadt Jugendsprache und bedeutet soviel wie „Das geht auf deine Kosten“. Es geht um Drogen-Prävention und das ist – da gibt es ausnahmsweise mal keine zwei Meinungen – ja eine gute Sache. Ob die Kampagne tatsächlich funktioniert, da gibt es wahrscheinlich schon zwei Meinungen. Ich zumindest habe meine Zweifel. Denn während die Formulierung dem jugendlichen Sprachgebrauch zumindest nahekommt (wir haben die junge Praktikantin gefragt), ist dies bei der Optik der die Kampagnen begleitenden Postkarte ganz sicher nicht der Fall.

Vielleicht muss man erst genug „abschädeln“

Da steht der Kampagnenslogan, ganz zeitgemäß nur in Kleinbuchstaben, vor vermeintlich noch genutzten Begriffen wie „breiern“, „quarzen“, oder „abschädeln“. Das Ganze in den verschiedenen Schriftarten, die Word halt so zu bieten hat, und auf einfarbig, dunkelgrünem Untergrund. Für den Slogan noch einen Schatten, und fertig ist die Zeitreise ins 20. Jahrhundert. Mich spricht das nicht an, mich hätte das auch vor 20 Jahren wohl nicht angesprochen. Aber ich bin ja auch vollkommen nüchtern und damit eher nicht die Zielgruppe?

Vielleicht sieht das Plakat ja richtig gut aus, wenn man nur genügend „gebreiert“, „abgeschädelt“ und „gequarzt“ hat? Dann nehme ich natürlich alles zurück, ziehe meinen Hut und sage: Chapeau, Stadt Lünen, Ziel erreicht!

Subjektiv, wertend oder politisch unkorrekt – RN-Redakteure sprechen freitags einmal „ganz unter uns“ über Themen, die sie und Lünen bewegen. Dabei möchten sie nicht so ganz ernst genommen werden. Zumindest nicht immer. Schreiben Sie unserem Autor: marc.froehling@ruhrnachrichten.de
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