Das Ehepaar Hasso wohnt mit seinen vier Kindern in dem Mehrfamilienhaus an der Düppelstraße in Lünen-Süd. © Julian Preuß
Wohnen

Großfamilien in Lünen auf Wohnungssuche: Passende Unterkünfte sind selten

In Lünen eine Wohnung für fünf oder gar sechs Personen zu finden ist schwierig, berichtet Familie Hasso. Der Bauverein zu Lünen und die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Lünen erklären, warum.

Das Wohnzimmer der rund 45 Quadratmeter großen Dachgeschosswohnung an der Düppelstraße in Lünen-Süd ist nur spärlich eingerichtet. Viel Platz für Schränke oder andere Einrichtungsstücke gibt es nicht. Trotzdem ist die Drei-Zimmer-Wohnung seit 2018 das Zuhause von Neserin (41) und Ahmad Hasso (47) sowie den gemeinsamen Kindern Ana (12), Mohammed (12), Ella (5) und Pella (1). Die Suche nach einer passenderen, größeren Bleibe läuft seit dem ersten Tag, als Neserin Hasso und die Kinder Ahmad Hasso 2018 aus Syrien nach Deutschland folgten.

Brüder unterstützen Familien bei der Wohnungssuche

Erfolgreich war sie bisher nicht, wie Aziz und Hussein Hisso berichten. Beide unterstützen die Familie ihrer Schwester aufgrund ihrer besseren Deutsch-Kenntnisse bei der Wohnungssuche. „Wir schicken sehr viele Anfragen an Wohnungsbaugesellschaften und melden uns auf Anzeigen in Zeitungen oder suchen auf verschiedenen Immobilienportalen“, erklärt Aziz Hisso. Immer habe man die Brüder mit der Begründung abgewiesen, dass die angefragten Wohnungen nicht für zwei Erwachsene und vier Kinder passend seien. Zu einem Besichtigungstermin sei es noch nie bekommen. Ablehnung aufgrund ihrer syrischen Herkunft habe die Familie jedoch bislang nicht erfahren.

Beim Bauverein zu Lünen gibt es drei Wohnungen mit sechs Zimmern.
Beim Bauverein zu Lünen gibt es drei Wohnungen mit sechs Zimmern. © Peter Fiedler © Peter Fiedler

Dabei verfüge die Familie durch den Job von Ehemann Ahmad Hasso über finanzielle Sicherheit. „Er hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei der Bäckerei Lieken. Dort reinigt er die Maschinen“, sagt Aziz Hisso. Bis auf Kinder- und Wohngeld beziehe die sechsköpfige Familie keine Leistungen vom Amt. Für Hisso spreche daher nichts dagegen, seiner Schwester mit ihrem Ehemann und den Kindern eine Wohnung zu vermieten.

Geteilte Schlafzimmer: Privatsphäre gibt es kaum

Helfen würde dies vor allem den Kindern, die bis auf das jüngste in die Schule oder die Kindertagesstätte gehen. „Die beiden Schulkinder schlafen in einem Zimmer. Der Rest schläft im Zimmer der Eltern“, erklärt Hisso. Privatsphäre gebe es kaum – genau wie Platz zum Kochen oder zum Empfangen von Besuch.

Bereits im April kam eine fünffache Mutter aus Lünen auf unsere Redaktion zu. Sie berichtete ebenfalls von dem Problem, eine ausreichend große Immobilie für sich und ihren Nachwuchs zu finden. Es liegt die Vermutung nahe, dass der Bedarf an Vier- oder Fünf-Zimmer-Wohnungen in der Stadt steigt.

Die Erfahrung von Andreas Zaremba, Vorstandsvorsitzender vom Bauverein zu Lünen, sieht anders aus. „Die ganz großen Wohnungen werden bei uns seltener nachgefragt, als beispielsweise die Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnungen für Singles sowie Seniorinnen und Senioren“, sagt er. Den Grund dafür liefert er gleich mit: „Die meisten Familien dieser Größe schauen sich direkt nach einem Haus um.“ Daher bekomme der Bauverein nicht genau mit, wie hoch der tatsächliche Bedarf an Unterkünften für große Familien ist.

Bauverein zu Lünen möchte jedes Wohnungssegment abdecken

Dennoch wolle der Bauverein zu Lünen jedes Wohnungssegment abdecken. Bei der Verteilung der Wohnungen auf die einzelnen Segmente gibt es jedoch ein starkes Gefälle. So gibt es in den Bezirken 1 bis 14 – dazu zählen neben Lünen auch beispielsweise Dortmund-Bövinghausen, Selm, Kamen und Unna – insgesamt 5353 Wohnungen. Der Löwenanteil fällt mit 2249 (42,01%) Objekten auf das Segment der Zwei-Zimmer-Wohnungen und mit 2385 (44,55%) Objekten auf das Drei-Zimmer-Segment.

Zudem gibt es 297 Ein-Zimmer-Wohnungen (5,55%) und 387 Vier-Zimmer-Wohnungen (7,23%). Von Wohnungen mit fünf Zimmern gibt es hingegen nur 32 (0,6%). Sechs-Zimmer-Wohnungen sind lediglich drei vorhanden (0,06%).

Auf Anfrage dieser Redaktion präsentiert die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Lünen ähnliche Zahlen. Laut Geschäftsführer Rainer Heubrock gebe es im Bestand der WBG sechs Wohnungen mit sechs Zimmern (0,13%) und 36 Objekte mit fünf Zimmern (0,83%).

Langfristig soll sich der Bestand bei den größeren Wohnungen aber langsam erweitern. „Wenn wir neue Gebäude errichten lassen, werden wir auch immer große Wohnungen entstehen lassen – wie beispielsweise in Horstmar-Mitte“, so Heubrock.

Ein ähnliches Konzept verfolgt ebenfalls der Bauverein zu Lünen. „In Objekten, die von uns neu entwickelt werden, lassen wir große Wohnungen einfließen“, versichert Andreas Zaremba. So gebe es zukünftige Bauprojekte, die in Summe 84 Wohnungen umfassen sollen. Davon werde es acht Wohnungen mit vier Zimmern geben. Der Rest teile sich auf in Zwei-, bzw. Drei-Zimmer-Wohnungen.

Kurzfristig wird dies Familie Hasso nicht helfen. Denn diejenigen, die bereits in einer entsprechend großen Wohnung leben, werden diese so schnell nicht verlassen. „Ab einer Größe von vier Zimmern herrscht nur wenig Fluktuation“, weiß Rainer Heubrock. Aziz und Hussein Hisso werden also weiterhin für die Familie ihrer Schwester suchen, um eine Wohnung in Lünen zu finden. Denn wie die Zahlen zeigen, ist der Wohnungsmarkt für eine sechsköpfige Familie nicht ausgelegt.

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