Große Enttäuschung: Premiere des Freien Theaters Lünen gestrichen

dzKultur zu Coronazeiten

Mit dem Lockdown müssen auch die Aufführungen des Freien Theaters Lünen abgesagt werden. Die Premiere von „Schattenkuss“ war vorher schon zweimal verschoben worden. Doch es gibt Hoffnung.

Lünen

, 08.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Besonders stark hat der „Lockdown light“ erneut den Kunstbereich getroffen. Auch in Lünen. „Die Enttäuschung ist groß und wir alle sind sehr traurig“, so fasst die Autorin und Spielleiterin Marie Hirschberg vom Freien Theater Team Lünen die Gefühle innerhalb ihres Ensembles zusammen.

Nach zweimaligem coronabedingtem Verschieben waren die Premiere und die Folgeaufführung des neuen Stücks „Schattenkuss“ für den 14. und 15. November fest eingeplant. Diesmal sah zunächst alles günstig aus.

Das Problem, dass sich eine Aufführung mit reduzierter Zuschauerzahl für die Gruppe nicht rechnete, konnte gelöst werden. Das Kulturbüro Lünen hatte eine Förderung zugesagt, die zwei Aufführungen im Hansesaal ermöglichte.

Die Proben liefen gut, ein Plakat war gedruckt und das Interesse der Zuschauer war trotz klein gehaltener Werbung riesig.

Große Enttäuschung aber auch Hoffnung

Als feststand, dass Theatervorstellungen für November untersagt sind, machten sich Enttäuschung und Traurigkeit breit. Sollten die vielen Stunden für Stückentwicklung, Kostümentwürfe sowie anderthalb Jahre Probenarbeit umsonst gewesen sein?

„Wer die Hoffnung aufgibt, hat dann ja gar nichts mehr“, stellt Marie Hirschberg fest. Sie setzte sich mit dem Uwe Wortmann, dem Leiter des Kulturbüros, in Verbindung. „Wir Kulturleute müssen doch zusammenhalten“, meinte dieser. Schnell war ein Ersatztermin am 9. Januar gefunden und die zugesagten Fördermittel konnten unbürokratisch übertragen werden.

Das bedeutet für die Gruppe zunächst einmal Aufatmen, obwohl niemand weiß, wie die Situation dann aussehen wird. Marie Hirschberg hat ihr Kostüm, das in ihrem Zimmer hängt, täglich im Blick: „Wenn ich daran vorbei gehe, bin ich immer noch traurig. Doch es wächst auch die Zuversicht, dass ich es schon bald auf der Bühne tragen kann.“

Stück über Tod, aber nicht pessimistisch

Auch wenn sie nicht zu viel verraten will, ein paar Details über das neue Stück gibt sie jetzt schon preis. Das Stück beschäftigt sich mit dem Thema Tod, wie man mit dem Tod des anderen umgeht und welchen Einfluss das Erleben des Todes auf den Charakter des Menschen hat.

Also ein düsteres Stück? Marie Hirschberg widerspricht: „Nein, ohne Lachen geht es auch hier nicht. Wir können doch nicht in diesen tristen Zeiten unser Publikum auch noch in eine pessimistische Stimmung versetzen.“

Trotz der augenblicklichen Enttäuschung über die erneute Verschiebung zeigt sie Verständnis für die getroffenen Maßnahmen und fühlt sich nicht bestraft. „Corona ist kein Spaß“, sagt sie. Sie weiß, wovon sie redet. Ihre Mutter hatte sich im Frühjahr infiziert und die Krankheit nahm einen schweren Verlauf. Sie selbst musste vier Wochen in Quarantäne bleiben.

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