Großbäckerei in Lünen: Gewerkschaft ruft zu Arbeitsniederlegungen auf

dzLieken an der Wethmarheide

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ruft die Beschäftigen in der Lüner Großbäckerei Lieken zum Streik auf. Die Arbeitsgeberseite reagiert mit Verwunderung und Unverständnis.

Lünen

, 10.08.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Dienstag (11.8.) sollten die Beschäftigen im Lüner Werk der Lieken Brot- und Backwaren GmbH die Arbeit niederlegen. Dazu hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufgerufen, die damit den Druck in den Tarifverhandlungen erhöhen will.

„Aufgrund der Corona-Pandemie haben die Verhandlungen sehr spät begonnen, jetzt warten die Beschäftigten aber lange genug auf eine Tariferhöhung“, erklärt Torsten Gebehart, Geschäftsführer der NGG Region Dortmund. Durch die Systemrelevanz der nahrungsmittelproduzierenden Betriebe und den gestiegenen Bedarf hätten die Beschäftigten in den vergangenen Wochen und Monaten Überstunden leisten und Sonderschichten fahren müssen. „Die Belegschaften haben geschuftet und alles gegeben, damit die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung sichergestellt werden konnte.“

Das soll sich nach dem Willen der NGG auch im neuen Tarifvertrag widerspiegeln. Im Juni hatten sich Vertreter der NGG und des Verbandes Deutscher Großbäckereien zuletzt getroffen, um über einen neuen Tarifvertrag zu verhandeln. Die Forderung der Arbeitnehmerseite: 6,2 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die kommenden 12 Monate.

Arbeitgeber wollen Vertrag verlängern

Ein Gegenangebot hat es bisher nicht gegeben, und auch Gespräche haben seitdem keine mehr stattgefunden. Die Arbeitsgeberseite erklärt das mit der Corona-Pandemie: „Das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich verändert, zahlreiche Verkehrsknotenpunkte wie Flughäfen, Bahnhöfe und Tourismusgebiete laufen noch mit stark verminderter Frequenz und – nicht zuletzt - sind die allgemeinen wirtschaftlichen Auswirkungen nicht abzusehen“, erklärt Verbandsgeschäftsführer Armin Juncker auf Anfrage. Politik und Wissenschaft könnten nicht vorhersagen, wie die Entwicklung sich gestalten wird. „Es ist daher ausgesprochen schwierig, die Unternehmen in dieser Situation per Tarifvertrag für die Zukunft verpflichten zu wollen.“

Das Angebot des Verbands sei gewesen, den Abschluss eines Tarifvertrages zu verschieben, um weitere Klarheit über die Rahmenbedingungen zu bekommen: „Bis dahin würden die derzeitigen Tarifverträge schlicht verlängert.“ Die Gewerkschaft hatte hingegen erklärt, dass die alten Verträge bereits zum 31. März 2020 gekündigt worden seien.

Für Juncker unverständlich: „Die darin festgeschriebenen Werte sind die höchsten in der gesamten Backbranche des Landes und liegen auch deutlich über denen des Bäckerhandwerks.“ Eine „Benachteiligung“ der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie von der Gewerkschaft herausgestellt, sei daher nicht zu erkennen.

Noch ist unklar, wie viele Angestellte sich an dem Streik in Lünen beteiligen - und welchen Effekt das auf den Betrieb an der Wethmarheide hat.

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