Bob Michaels, Chef der Szene-Kneipe „Das Greif“, fürchtet, dass der Gastronomie der nächste Lockdown droht. © Fröhling
Angst vor Schließung

Greif-Wirt fürchtet Lockdown light: „Uns geht langsam die Puste aus“

Diese Zeit zerrt an den Nerven von Greif-Wirt Bob Michaels. Jetzt schwebt ein Lockdown light wie ein Damoklesschwert über ihm. Michaels fürchtet um seine Existenz und die seiner Mitarbeiter.

Bob Michaels ist pessimistisch gestimmt, wenn er an die Beratungen der Kanzlerin mit den Länder-Chefs am Mittwoch (28.10.) denkt. „Ich befürchte, dass sie die Gaststätten und Restaurants zusperren werden und denke, eigentlich ist das sogar schon beschlossene Sache“, sagt der Wirt der Szene-Kneipe „Das Greif“ zum bereits viel zitierten „Lockdown light“.

Das vergangene halbe Jahr brachte vieles, leider nichts Gutes. „Wir sind ständig am rechnen. Haben natürlich alles gemacht, was vorgeschrieben wurde. Aber es kam wieder was Neues. Erst durfte man Veranstaltungen mit 25 Gästen durchführen, dann mit 50, jetzt wieder mit nur zehn.“

Mehr als fünf Leute dürfen nicht an einem Tisch sitzen, um 23 Uhr ist Sperrstunde. Und nun der Lockdown light, der vielen Meldungen nach wahrscheinlich die Gastronomie treffen wird.

„Uns geht die Puste aus“, sagt Michaels. Und meint das sowohl finanziell wie auch vom Kopf her. „Man hat Schlafstörungen, wacht dann auf und hat eigentlich schon gar keine Lust mehr“, schildert er die Situation.

Im Februar hatte „Das Greif“ noch 14 Mitarbeiter inklusive Aushilfen. Mittlerweile sind es nur noch sechs. „Wenn ich mit meinen Aushilfen über die Lage jetzt spreche, brechen sie in Tränen aus“, so Michael. Er beschäftigt Studenten, die von dem Geld ihre Bude bezahlen und die nun vor der Überlegung stehen, ob sie überhaupt weiterstudieren können, wenn die Einnahmen wegbrechen.

Die zwei Monate Schließung ab März hat Michaels noch weggesteckt. Da zog er geplante Renovierungsarbeiten vor. Wenn nun aber der Zapfhahn wieder abgedreht werden sollte, weil die Infektionszahlen weiter so stark steigen, weiß er nicht, „ob ich dann überhaupt noch mal aufmachen werde.“

Das Greif an der Münsterstraße ist ein Lokal, in dem vor Corona zahlreiche Konzerte und Partys stattgefunden haben.
Das Greif an der Münsterstraße ist ein Lokal, in dem vor Corona zahlreiche Konzerte und Partys stattgefunden haben. © Marc Fröhling (Archiv) © Marc Fröhling (Archiv)

Die Corona-Krise habe ihn doppelt getroffen – als Gastronom und als Veranstalter von Konzerten und Partys. „Der angebliche Neustart Kultur ist eine Luftnummer“, kritisiert er.

Von den angekündigten finanziellen Hilfen kam bei ihm nichts an. „Im Sommer, in der Biergarten-Saison, hatte ich dummerweise nur 39,8 Prozent weniger Einnahmen als in normalen Jahren. Wegen 0,2 Prozent zu wenig Verlust gab es keine Unterstützung.“ Festgelegt wurde, dass die Gastwirte mindestens 40 Prozent Verlust haben müssten, um finanziell unterstützt zu werden.

Michaels sieht den Ernst der Lage aufgrund der Infektionszahlen. Aber dann gibt es noch Anfragen, bei denen Michaels den Kopf schüttelt: „Da rufen Leute an und wollen einen Tisch für zwölf Personen bestellen, das geht natürlich nicht. Oder jemand will seinen Geburtstag im Januar bei uns feiern und versteht nicht, warum ich das nur unter Vorbehalt zusagen kann. Keiner weiß ja, wie es dann aussieht.“

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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