Getötete Kinder: Mutter wollte sich wohl umbringen

Lüner Kindermord-Prozess

Im Prozess um den zweifachen Kindermord von Lünen-Gahmen sind Details zu den Verletzungen der beschuldigten Mutter bekannt geworden. Die 28-Jährige hatte nach der Tat Anfang November wohl versucht, sich mit einem Messer selbst zu töten.

LÜNEN/DORTMUND

23.05.2017, 15:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.

Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.

Vier Einstiche im Bauch, ein langer, tiefer Schnitt über das linke Handgelenk: Als die Frau, die laut Anklage im November 2016 zwei ihrer drei Kinder in Gahmen ermordet hat, festgenommen werden sollte, musste die Polizei sie selbst als Notfall ins Marienhospital einliefern lassen. Anfangs konnten die Ärzte Lebensgefahr nicht ausschließen.

Das geht aus mehreren Berichten hervor, die sich in den Gerichtsakten befinden und vor dem Dortmunder Schwurgericht verlesen wurden. Bei ihrer Einlieferung habe die Frau stark geblutet, heißt es darin. Mehrere Stunden lang hatten die Ärzte die 28-Jährige anschließend operieren müssen. Vor allem die Hand machte ihnen offenbar große Sorgen, weil die Klinge eine Sehne komplett durchtrennt hatte. „Offenbar in Suizidabsicht“, heißt es in den Vermerken.

Körperlich präsentiert sich die Beschuldigte bisher an allen drei Verhandlungstagen absolut erholt. Von Verletzungsfolgen ist nichts mehr zu sehen. Dass sie psychisch weiterhin schwer krank ist, wird allerdings ebenso in jeder Minute deutlich. Wenn ihr Verteidiger Michael Liedtke mit ihr redet, blickt die 28-Jährige ihn mit großen Augen an. Ob seine Worte zu ihr durchdringen, kann der Rechtsanwalt selbst nicht sicher sagen.

Zeugen-Vernehmungen

Am Dienstag, 23. Mai, musste die Beschuldigte darauf vorbereitet werden, dass es am nächsten Verhandlungstag aller Voraussicht nach zum Wiedersehen mit ihrem Mann und anderen Verwandten kommen wird. Am 13. Juni sollen nämlich endlich die ersten Zeugen vernommen werden. Bislang hatten die Richter allenfalls ein Rumpfprogramm absolvieren können, weil der psychiatrische Sachverständige an den ersten drei Verhandlungstagen nicht zur Verfügung stand. Dr. Bernd Roggenwallner soll jedoch nach Möglichkeit die komplette Verhandlung mitverfolgen, weil von seiner Einschätzung der psychischen Fähigkeiten der 28-Jährigen eine Menge abhängt.

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