Geldautomaten-Prozess: Zeuge belastet den Angeklagten

dzStraftat an der Bebelstraße

Im Prozess um die versuchte Sprengung eines Geldautomaten der Sparda-Bank musste der Angeklagte am Dienstag im Dortmunder Landgericht einen Rückschlag hinnehmen.

Lünen

, 16.09.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 33-jährige Pole gibt zwar zu, zusammen mit einem bislang unbekannten Komplizen versucht zu haben, einen Geldautomaten der Sparda-Bank an der Bebelstraße zu sprengen. Eine Verurteilung durch die Dortmunder Richter will er jedoch unter keinen Umständen akzeptieren. Denn er behauptet, er habe damals aus freien Stücken aufgehört und nicht etwa deshalb, weil ein Alarm der Sicherheitsfirma ihn in die Flucht geschlagen hätte.

Alarm oder nicht?

Schon an einem der früheren Verhandlungstage hatte das Gericht deshalb einen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma als Zeugen vernommen. Und der wusste zu berichten, dass während der Nachtschicht plötzlich zwei schwarz gekleidete Männer auf dem Überwachungsmonitor aufgetaucht seien. Sein Kollege habe dann die Polizei alarmiert und sicherlich auch die Möglichkeit genutzt, über einen Lautsprecher in den Vorraum der Bank hineinzusprechen, um die Kriminellen zu vertreiben.

Weil diese verbale Ansprache jedoch in keinem Einsatzprotokoll verzeichnet ist, zeigten sich die beiden Verteidiger am letzten Verhandlungstag „sehr optimistisch“, dass die Richter in einem Urteil nicht davon ausgehen können, dass ihr Mandant die warnende Ansprache überhaupt gehört hat. Vielleicht sei der Lautsprecher ja an diesem Tag defekt gewesen, mutmaßten die Anwälte. Einen Ton-Mitschnitt gibt es nämlich auch nicht.

Sicherheits-Chef klärt auf

Einen kaputten Lautsprecher kann der Chef des Sicherheitsunternehmens jedoch komplett ausschließen. Der 44-jährige Manager wurde am Dienstag von der 34. Strafkammer des Landgerichts als Zeuge vernommen. Und er konnte dabei auch erklären, warum es keinen Tonmitschnitt jeder Nacht im Mai 2016 gibt. „Das ist uns aus rechtlichen Gründen nicht erlaubt“, sagte der Zeuge.

Auf die Frage, ob er sich denn sicher sein könne, dass alle Geräte einwandfrei funktioniert hätten, antwortete der Firmenchef mit einem eindeutigen „Ja.“ Denn: „Die Komponenten überwachen sich in jeder Sekunde selbst. Sobald es einen Defekt in einem Stromkreis oder an einer technischen Anlage gibt, wird dieser Fehler umgehend an das System gemeldet.“

System überwacht sich selbst

Danach, so der Zeuge weiter, hätten seine Mitarbeiter maximal eine Stunde Zeit, um den Fehler zu beheben. Man dürfe eine Überwachungsanlage in einer Bank nicht mit einem handelsüblichen Videorekorder vergleichen. „Ohne diese dauernde Fehlerüberwachung würden wir für diese Anlage überhaupt keine Zulassung bekommen“, so der Zeuge.

Danach steht wohl fest, dass es die verbale Ansprache gegeben hat. Fraglich ist nur, ob sie der Angeklagte auch hören konnte.

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