Der Einzelhandel hat auch in Lünen mir der Verlängerung des Lockdowns zu kämpfen. © Goldstein
Corona Lockdown

Gastronomie und Einzelhandel im Lockdown: „Irgendwann ist es vorbei“

Der Lockdown wird verschärft, und damit auch die Situation für die Lüner Gastronomie und den Einzelhandel. Selbst die stärksten Kämpfer müssen mittlerweile eingestehen, dass die Luft dünn wird.

Ein Satz, den uns viele Gastronomen und Geschäftsleute sagen, wenn es um die Verlängerung des Lockdowns geht, lautet: „Wir haben das alles erwartet.“ Sandra Fasse, Inhaberin des Kunst-Cafes an der Münsterstraße, ist nicht deshalb überrascht, dass der Lockdown länger dauert als wir ursprünglich geplant bis zum 10. Januar. Denn: „Wir haben uns das schon gedacht.“ Ans Aufgeben denkt sie nicht: „Wir machen auf jeden Fall weiter.“ Aktuell bietet das Café einen Lieferservice an, der gut angenommen werde.

Der Inhaber des Greif an der Münsterstraße, Bob Michaels, kann seine Frustration im Gespräch mit der Redaktion kaum noch in Worte fassen: „Es ist unfassbar, was die mit uns machen.“ Auch wenn sich der kultige Veranstaltungsort noch über Wasser halten kann, wird es langsam eng: „Ich will den Laden wieder aufmachen. Aber irgendwann ist es vorbei. Wenn es bis April geht, dann sehe ich schwarz.“ Mit Blick auf die Impfungen kann er sich nicht vorstellen, irgendwann nur Geimpfte wieder in das Greif zu lassen: „Ich halte nichts von solchen Sonderrechten oder einer Zweiklassengesellschaft. Du darfst rein, aber der Ungeimpfte muss draußen bleiben – das wird es nicht geben.“

Zwischen Verzweiflung und Verständnis

Nicht nur die Gastronomie, auch der Einzelhandel ist mit der Verlängerung unzufrieden. In einer Pressemitteilung schreibt der Handelsverbandes Westfalen-Münsterland: „Die gestern beschlossene Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar 2021 war zwar erwartet worden, stellt aber für die von Schließung betroffenen Händler schlicht ein Desaster dar. Wenn dann jetzt die bislang wortgewaltig zugesagten wirtschaftlichen Hilfen nicht tatsächlich leicht zugänglich gemacht und [die Hilfen] endlich ausgezahlt werden, dann droht eine Insolvenzwelle ungeahnten Ausmaßes.“

Auch den Händlern in Lünen wird es langsam zu viel, Karin Faust vom Spielwarengeschäft Blomenkemper sagt: „Es ist unmöglich. Läden wie Müller dürfen weiterhin auf haben, aber wir müssen schließen.“ Die Viruslast könne in einem großen Laden mit einigen Kunden gar nicht so hoch sein, dass es eine Schließung rechtfertigen würde. Trotzdem freut sich das traditionsreiche Spielwarengeschäft über große Unterstützung: „Der Rückhalt ist stark. Es gibt einige Leute, die dann lieber bei uns kaufen, um uns zu unterstützen, dafür sind wir sehr dankbar.“

Das Babyhaus Mönninghoff darf als Fachgeschäft auch in der Pandemie geöffnet bleiben. Sigrid Wiese befürwortet die Verlängerung der Maßnahmen, auch wenn sie weiß, dass es für ihre Kollegen in der Innenstadt zum Teil nicht leicht ist: „Es geht im Moment einfach nicht anders.“ Sie schätzt, dass auch Lüner Geschäfte den Lockdown nicht überleben: „Das wird wohl so sein.“

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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