Am Wochenende sind die Leckereien aus Ronny Bergers „Café Kleinschmidt“ gefragt. Er hofft, dass er und seine Mitarbeiter die Corona-Krise überstehen. © Magdalene Quiring-Lategahn (Archiv)
Lockdown-Verlängerung

Gastronomen aus Lünen: „Hoffentlich schaffen wir es bis zum Frühjahr“

Neue finanzielle Hilfen stellte jetzt der Bundesfinanzminister in Aussicht. Lüner Gastronomen wären schon froh, wenn endlich die beantragten Hilfen für November und Dezember fließen würden.

Der Lockdown dauert nun noch länger. Für November und Dezember sollten Gastronomen und Unternehmen finanzielle Hilfen erhalten, die während des Lockdowns ihre Geschäfte und Lokale schließen müssen. Beantragt haben die Hilfen auch Gastronomen und Hoteliers aus Lünen. Doch noch fließen die Mittel wohl nicht in vollem Umfang, obwohl die Kosten weiterlaufen und die Einnahmen aus Liefer- und Abholservice nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind.

Aldo Rizzo wartet noch immer auf die beantragten Hilfen. „Mein Steuerberater hat mir gesagt, sie würden jetzt diese Woche kommen“, so der Wirt der Pizzeria „La Piccola“. Im Moment sei sein Konto das erste Mal seit 16 Jahren im Minus.

Aldo Rizzo, seit 19 Jahren Chef im
Aldo Rizzo, seit 19 Jahren Chef im „La Piccola“ an der Münsterstraße, hat momentan leider nicht viel zu lachen. Er wartet auf die Zahlungen der versprochenen Bundes-Hilfsmittel für November. © Foto: Björn Althoff (Archiv) © Foto: Björn Althoff (Archiv)

Rizzo führt „La Piccola“ in der Fußgängerzone seit fast 24 Jahren. Er bietet einen Abholservice an, der allerdings nur am Freitag und Samstag richtig gut läuft: „Zwischen 17.30 und 19 Uhr wollen dann alle am liebsten sofort ihre Bestellung abholen.“ Die Kunden fahren in den Hof hinter der Pizzeria und können dort ihre bestellten Gerichte in Empfang nehmen. In der Woche kommen allerdings kaum Bestellungen herein.

Torten und Kuchen werden vor allem am Wochenende abgeholt

Das geht Ronny Berger ähnlich. Seit 19 Jahren führt er das beliebte „Café Kleinschmidt“ in der Innenstadt. Abholservice gibt es, der allerdings vor allem am Wochenende genutzt wird. Weil in der Innenstadt kaum ein Geschäft geöffnet hat, kommen während der Woche nur ganz wenige Kunden in sein Café, um Kuchen und Torte zu kaufen. „Auf Wunsch liefern wir auch“, so Berger. Er hat finanzielle Hilfen beantragt, aber ebenfalls noch keine bekommen: „Die Kosten laufen aber weiter.“ Der Konditor rechnet damit, dass es „für die Gastronomie wohl erst um Ostern wieder losgehen wird.“

Berger hofft, dass es im Frühjahr besser wird und „dass wir es bis dahin schaffen.“ Die Mitarbeiter arbeiten derzeit nur ein paar Stunden, sind ansonsten in Kurzarbeit.

Aldo Rizzo hatte sich im ersten Lockdown gegen einen Kredit entschieden. „Dann konnten wir wieder aufmachen aber dann kamen November und Dezember, wir mussten wieder schließen und nun sind wir mitten in den kalten Monaten“. Wo auch in normalen Zeiten weniger Gäste kämen als vor Weihnachten. „Wenn die finanzielle Hilfe endlich kommt, können wir überleben.“ Seine Frau jobbt von zu Hause aus. Ein fester Mitarbeiter ist in Kurzarbeit, Aushilfen unterstützen Rizzo beim Abholservice am Wochenende.

„Man muss sich irgendwie selbst helfen“

Immerhin – der Abschlag der Novemberhilfe ist im „Haus Westermann“ inzwischen eingetroffen. „Aber, wir sind mittlerweile im Januar, man muss sich irgendwie selbst helfen“, sagt Manuel Kraas, zusammen mit Anke Westermann geschäftsführender Gesellschafter des Hotels und Restaurants an der Dortmunder Straße.

Vor der Corona-Krise hatten Anke Westermann und Manuel Kraas (r.) Grund zum Strahlen, als Marcus Besler das Restaurant auszeichnete. Momentan überwiegen Sorgen.
Vor der Corona-Krise hatten Anke Westermann und Manuel Kraas (r.) Grund zum Strahlen, als Marcus Besler das Restaurant auszeichnete. Momentan überwiegen Sorgen. © Günther Goldstein (Archiv) © Günther Goldstein (Archiv)

Kraas befürchtet, dass manche beantragte Hilfe erst kommen wird, wenn es „für einige zu spät ist“. Dazu kommt – sollte vor einer Auszahlung die Zahlungsunfähigkeit der Betroffenen eintreten, bekommen sie gar nichts, auch nicht rückwirkend. Kraas, der auch ein Hotel in Dortmund am Wall führt, rechnet nicht damit, dass die Restaurants vor Mitte März öffnen dürfen. „Dabei verhalten sich die Menschen sehr diszipliniert, das haben wir auch gesehen, als wir in Dortmund Glühwein-to-go verkaufen durften, da gab es keine Grüppchenbildung.“

Solche Disziplin mahnt Carola Deinhart-Auferoth, Betreiberin des Hotels an der Persiluhr, jedoch bei einigen Menschen im Lande an. „Es sollten sich viel mehr Leute an die Regeln halten. Auch wenn es die meisten tun, die kleine Gruppe, die es nicht tut, macht uns das Leben schwer“, sagt die Hotelbesitzerin.

Carola Deinhart-Auferoth appelliert an alle Bürger, sich an die Corona-Regeln zu halten. Nur dann, so die Hotelbetreiberin, käme man schnell aus der Krise heraus.
Carola Deinhart-Auferoth appelliert an alle Bürger, sich an die Corona-Regeln zu halten. Nur dann, so die Hotelbetreiberin, käme man schnell aus der Krise heraus. © Beuckelmann (Archiv) © Beuckelmann (Archiv)

Seit über 35 Jahren leitet sie das Hotel in der Lüner Fußgängerzone, musste ihre Mitarbeiter zu 90 Prozent in Kurzarbeit schicken. Denn auch wenn Hotels Geschäftsreisende beherbergen dürfen, „es reisen ja ganz viele Geschäftsleute derzeit gar nicht, die meisten schalten auf Videokonferenzen um.“

Manuel Kraas hat im Hotelbetrieb von „Haus Westermann“ das Problem, dass Geschäftsleute zwar buchen, aber auf kostenlosen Stornierungsmöglichkeiten bestehen. „Lassen wir uns darauf nicht ein, wird nicht gebucht.“ In letzter Zeit gab es auch Absagen für bereits fest vereinbarte Feiern wie Hochzeiten im Sommer, die von 2020 verlegt worden waren. „Das macht es nicht einfacher.“ Auch die Gutschein-Verkäufe werden immer weniger: „Mit jeder Verlängerung des Lockdowns gehen die Zahlen zurück.“

Das Haus Westermann bietet einen Liefer- und Abholservice für Speisen an. Hotelzimmer können derzeit nur an Geschäftsreisende vermietet werden.
Das Haus Westermann bietet einen Liefer- und Abholservice für Speisen an. Hotelzimmer können derzeit nur an Geschäftsreisende vermietet werden. © Quiring-Lategahn (A) © Quiring-Lategahn (A)

Wenn die Gastronomie nicht Mitte März öffnen dürfe, werde es wohl erst nach den Osterferien soweit sein, befürchtet Kraas. Da sinke allmählich auch die eigene Motivation. Auch wenn er daran denkt, dass es in beiden Häusern in Dortmund und Lünen von Mai bis Oktober 2020 eine kleine fünfstellige Zahl an Gästen gab – aber keinen einzigen Coronafall, „weder bei den Gästen noch beim Personal. Da sieht man doch dass die Hygiene-Konzepte greifen.“

Problem, Verpackungen für Lieferservice zu bekommen

Momentan bieten auch die beiden Restaurants Liefer- und Abholservice an. „Im Dezember hatten wir große Probleme, die vorgeschriebenen Einweg-Verpackungen zu bekommen, da hab ich deshalb stundenlang telefoniert.“ Er setzt auf den Service von Lieferando: „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, die Gebühren sind nicht in der Krise erhöht worden.“ Wie bei den Kollegen ist es auch beim „Haus Westermann“: „In der Woche ist Grundrauschen, am Wochenende ist die Nachfrage größer.“

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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