Gast im Hospiz am Wallgang: Krebskranke will sich kurz vor dem Tod das Leben gönnen

dzSterben im Hospiz

Sich das Leben gönnen, trotz Krebs. Christel Besoke möchte unbeschwerte Zeit ohne Therapie genießen. Jetzt ist sie im Hospiz am Wallgang. Die 66-Jährige weiß, es ist ihre letzte Station.

Lünen

, 08.10.2019, 15:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

30 Jahre hat Christel Besoke (66) in der Chefetage eines Rathauses geputzt. Sie ist drei Jahre in Rente, da erkrankt sie an Lungenkrebs. Christel Besoke kämpft. Erst Chemotherapie, dann Bestrahlung. Das zieht sich über zwei Jahre. Trotz allem kümmert sie sich um ihren schwer erkrankten Lebensgefährten. Vor vier Monaten ist er gestorben.

Christel Besoke hat inzwischen weitere Therapien abgelehnt und „einen schönen Sommer gehabt“. Heute lebt sie im Hospiz am Wallgang. In einem der beiden zusätzlich eingerichteten Zimmer. Die Nachfrage von unheilbar Erkrankten, die auf ihrem letzten Lebensweg bestmöglich betreut werden möchten, steigt. Einrichtungsleiter Sebastian Roth sagt: „Wir können den Bedarf gar nicht bedienen und müssen oft absagen.“ Manche Betroffene gingen zur Überbrückung in die Kurzzeitpflege.

Auf die Entwicklung hat das Hospiz am Wallgang reagiert und drei Jahre nach der Eröffnung zu den zwölf Plätzen zwei weitere eingerichtet. Dazu wurde umgebaut. Zwei Zimmer für Angehörige sind jetzt Zimmer für Gäste geworden. So heißen im Hospiz die sterbenskranken Menschen, die hier ihre letzte Lebenszeit möglichst schmerzfrei und in Geborgenheit verbringen möchten.

Erst daran gewöhnen, Hilfe anzunehmen

Christel Besoke ist eine von ihnen. Zuhause hatte sie zum Schluss nur noch gelegen. Je nach Tagesform nimmt sie jetzt im Rollstuhl am gemeinsamen Mittagessen teil. „Ich musste mich erst daran gewöhnen, Hilfe anzunehmen“, schildert sie. Nach sechs Tagen fühlt sich die 66-Jährige wohl. „Alle sind hier warmherzig.“

Gast im Hospiz am Wallgang: Krebskranke will sich kurz vor dem Tod das Leben gönnen

Angehörige haben für einen Gast in dem neuen Zimmer im Hospiz einen Willkommensgruß mit Luftballons organisiert. © Schlaak

Einrichtungsleiter Sebastian Roth sagt, das Hospiz an der Holtgrevenstraße sei im Bewusstsein der Lüner angekommen. Es geben viel Unterstützung von Gemeinden und Frauengruppen. In den drei Jahren wurden an die 400 Gäste betreut. Der jüngste war 30, der älteste 102. Manchen blieben nur wenige Minuten, andere waren elf Monate dort. Die durchschnittliche Verweildauer liegt bei 19 Tagen.

Um zwei weitere Plätze anbieten zu können, wurde aus einem Lagerraum ein kleines Schwesternzimmer und aus dem Büro des Einrichtungsleiters ein Raum für Angehörige. Roth selbst hat sein Büro jetzt in der Verwaltung. „Die beiden neuen Zimmer waren sofort belegt“, berichtet er.

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Bilder aus dem Hospiz am Wallgang

14 Plätze, zwei mehr als bisher, hat das Hospiz am Wallgang. Es ist stilvoll und freundlich eingerichtet.
08.10.2019
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So sieht das Hospiz am Wallgang aus, das 2016 eröffnet hat.© Britta Linnhoff
So sieht das Hospiz am Wallgang aus, das 2016 eröffnet hat.© Britta Linnhoff
So sieht das Hospiz am Wallgang aus, das 2016 eröffnet hat.© Britta Linnhoff
Balkon© Britta Linnhoff
So sieht das Hospiz am Wallgang aus, das 2016 eröffnet hat.© Britta Linnhoff
So sieht das Hospiz am Wallgang aus, das 2016 eröffnet hat.© Britta Linnhoff
So sieht das Hospiz am Wallgang aus, das 2016 eröffnet hat.© Brita Linnhoff
So sieht das Hospiz am Wallgang aus, das 2016 eröffnet hat.© Britta Linnhoff
Durch große Fenster haben die Gäste des Hospiz am Wallgang guten Ausblick.© Quiring-Lategahn
So sieht das Hospiz am Wallgang aus, das 2016 eröffnet hat.© Britta Linnhoff
So sieht das Hospiz am Wallgang aus, das 2016 eröffnet hat.© Britta Linnhoff
So sieht das Hospiz am Wallgang aus, das 2016 eröffnet hat.© Britta Linnhoff
So sieht das Hospiz am Wallgang aus, das 2016 eröffnet hat.© Britta Linnhoff

Das Hospiz hat in dem Zusammenhang das Pflegepersonal um drei Mitarbeiter aufgestockt. 21 Beschäftigte, darunter 17 Pflegekräfte, zwei Hauswirtschafterinnen, ein Hausmeister und der Einrichtungsleiter, sind am Wallgang tätig. Personal zu finden, war laut Roth kein Problem. „Viele interessieren sich für die Arbeit im Hospiz.“

Prüfung der Kreisbehörde

Das brauchte für die Aufstockung keine Genehmigung, der Gesetzgeber sieht aber eine Anzeigepflicht bei der WTG-Behörde (früher Heimaufsicht) des Kreises Unna vor. WTG steht für Wohnen- und Teilhabegesetz. „Wir prüfen, ob die Anforderungen erfüllt sind“, erklärt Mitarbeiterin Birgit Menne.

Mit 14 Plätzen zählt das Hospiz am Wallgang zu den größeren Einrichtungen. 16 sind per Gesetz die Höchstgrenze. Im Kreis Unna gibt es neben Lünen zwei weitere Hospize in Unna und Schwerte. Für den Nordkreis sei ein weiteres im Gespräch, weiß Birgit Menne.

Bad mit Musik und Aromadüften

Christel Besoke genießt, dass sie je nach Gesundheitszustand frei entscheiden kann, ob sie mit dem Rollstuhl nach draußen möchte oder nicht. „Um acht Uhr brauche ich meine erste Tasse Kaffee. Das wissen sie hier schon“, sagt sie. Über die Aktion „Wünschewagen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ABS) konnte sie kürzlich ihre Brieffreundin besuchen, die sie noch nie gesehen hatte. Die will jetzt auch mal für einen Tag ins Hospiz nach Lünen kommen.

Momente, auf die sich Christel Besoke freut. Wie auf ein Bad in der besonderen Wanne in der oberen Etage mit Ausblick ins Grüne, Musik und Aromadüften.

Information

So finanziert sich ein Hospiz

Den Aufenthalt im Hospiz zahlen die Krankenkassen zu 95 Prozent, fünf Prozent werden über Spenden finanziert. Es unterstützen Gruppen und Institutionen, aber auch Lünen Bürger. „Neulich gab es einen vierstelligen Betrag als Überraschung im Umschlag“, schildert Einrichtungsleiter Sebastian Roth.
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