Frühstück im Heimatgeschmack: Fisch aus Schweden, Wurst aus Tirol oder nur ein Croissant?

dzFrühstücks-Check

Wie schmeckt das Morgenmahl im Schatten des Rathauses? Wir wollten es für unseren Frühstücks-Check herausfinden und haben das Restaurant „Heimatgeschmack“ am Willy-Brand-Platz besucht.

Lünen

, 17.10.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das „Heimatgeschmack“ ist vor allem mittags beliebt - doch es bietet neben einer Abendkarte auch ein Frühstück an. Deshalb war das Restaurant, das von der Firma Stolzenhoff betrieben wird, nun auch Ziel für die Herzallerliebste und mich.

Die Atmosphäre

Die Aufteilung des Raumes sorgt immer für ein wenig Konfusion: Neben dem Eingang der Fensterverkauf zum Marktplatz, dann führt ein verhältnismäßig schmaler Gang vorbei an einer Imbisstheke hin zu den Mittagsspezialitäten, und am Ende wartet noch ein Verkaufsraum der Stolzenhoff-Metzgerei auf Kunden. Nicht jeder ist auf Anhieb sicher, ob er hier wirklich richtig ist.

Da wir uns auskennen, setzen wir uns gleich in den hellen Bereich für Restaurant-Gäste. Rundum bodentiefe Fenster sorgen für ausreichend Tageslicht. Der Clou: Oberhalb der Sitzbänke wächst tatsächlich Moos und sorgt mit Hilfe der Sonne, die heute wolkenfrei strahlen kann, fast schon für Frühlingsgefühle, obwohl wir schon längst Herbst haben. Die Einrichtung ist modern gehalten.

Bisher war ich nur für den Mittagstisch hier. Den holt man sich an der Theke. Doch wie sieht das mit Frühstück aus? Die Antwort kommt in Person des Kellners, der sich unmittelbar nachdem wir Platz genommen haben nach unseren Wünschen erkundigt. Ganz so schnell sind wir dann doch nicht: „Wir schauen erstmal.“ Auch auf den üblichen „Kaffee sofort“ verzichten wir - wir wollen schließlich sehen, was hier angeboten wird.

Frühstück im Heimatgeschmack: Fisch aus Schweden, Wurst aus Tirol oder nur ein Croissant?

Gelungener Design-Kniff: Über der Sitzbank wächst Moos © Claeßen

Die Karte

Eine Seite Frühstück hat Heimatgeschmack im Programm. Das Angebot reicht von süß über herzhaft und deftig bis hin zum „Traumfrühstück für 2 Personen“, letzteres inklusive zwei Gläsern Sekt. Ganz so weit wollen wir heute aber nicht gehen - meine Frau pendelt zunächst noch zwischen dem Käsefrühstück mit vier Sorten Käse und dem französisches Frühstück mit zwei Croissants. Letztlich entscheidet sie sich für die süße Variante, aber statt der Konfitüre bestellt sie eine weitere Portion Nuss-Nougat-Creme.

Ich überlege, ob mir heute mehr nach Tirol (Fenchelsalami, roher Schinken, Jagdwurst) oder nach Schweden (Räucherlachs, Forellenfilet mit Dillsenf, Kräuterquark) ist. Ich wähle die nordische Variante - auch hier ist wie bei fast alllen Angeboten Rührei mit dabei, außerdem jeweils ein Heißgetränk. Für uns beide gibt es heute Kaffee, ganz ohne Schnickschnack (oder Milchschaum).

Weitere Möglichkeiten wären unter anderem das Bauernfrühstück mit Zwiebelmett und Wurstaufschnitt sowie das Vital-Frühstück mit Tomate, Kresse und Knäckebrot gewesen.

Das Frühstück

Es ist nicht wirklich voll, wobei wir wahrscheinlich auch nicht lange gewartet hätten, wenn jeder Tisch besetzt gewesen wäre. Normalerweise fällt man ja das Urteil beim Frühstücks-Check erst am Ende des Besuchs. Die Herzallerliebste ist jedoch bei der Anlieferung ihres französischen Mahls bereits hin und weg: „Drei Portionen Nutella! Die setzen hier genau die richtigen Prioritäten.“

Fairerweise sei erwähnt, dass ihr auch der Rest des Angebots gut geschmeckt hat. Aber mal ehrlich: Bei Croissants und Nutella kann man ja auch nicht viel falsch machen. Wenn dann auch noch das Rührei passt, braucht es offenbar nicht viel mehr, um (m)eine Frau glücklich zu machen.

Frühstück im Heimatgeschmack: Fisch aus Schweden, Wurst aus Tirol oder nur ein Croissant?

"Die setzen hier genau die richtigen Prioritäten": Das französische Frühstück mit dreimal Nuss-Nougat-Creme. © Daniel Claeßen

Aber kann Stolzenhoff auch schwedisch? Mein letztes Frühstück in Småland ist knapp 20 Jahre her, aber es war definitiv nicht so üppig wie das, was der Kellner mir an diesem Morgen am Willy-Brandt-Platz serviert: Neben Brötchen und Salatgarnitur gibt es Wasa-Knäckebrotscheiben. Gut, das mag irgendwie klischeebehaftet sein. Angesichts der Menge an Auftrich und Belag sind diese Extra-Scheiben aber äußerst hilfreich, wie sich noch herausstellen sollte.

Geschmacklich schließe ich mich der Herzallerliebsten an: Der Fisch ist in Ordnung, die Dips sind großartig, das Rührei passt. Am Ende bin ich dermaßen satt, dass ich wohl erst am Abend wieder eine Mahlzeit zu mir nehmen kann.

Die Preise

Das „Shopping-Frühstück“, quasi die Standard-Variante mit Brot, Wurst und Käse, startet mit 6,50 Euro. Meine Schweden-Version bildet mit 9,90 Euro das obere Ende der Preisspanne, ausgenommen natürlich das Traumfrühstück für zwei, das 20 Euro kostet. Für uns stehen mit Frankreich, Schweden sowie zwei Extra-Kaffees 20,60 Euro zu Buche. Sicher kein Frühstück für jeden Tag, gemessen an Menge und Qualität aber absolut angemessen. Sonntags gibt es von 10 bis 14 Uhr den „Premium Brunch“ mit Buffet für 16,90 Euro.

Frühstück im Heimatgeschmack: Fisch aus Schweden, Wurst aus Tirol oder nur ein Croissant?

Das "Heimatgeschmack" am Willy-Brandt-Platz. © Daniel Claeßen

Kinderfreundlichkeit

Es gibt Hochstühle, so dass auch kleinere Gäste mitessen könnten. Den Nachwuchs mit etwas anderem als Essen zu beschäftigen, wird aber schwierig - hier kann bei gutem Wetter der angrenzende Spielplatz hinter dem Europaplatz Abhilfe schaffen. Oder die Kleinen drücken sich an der Wursttheke die Nasen platt.

Fazit

Gutes Essen in angemehmer Atmosphäre zu akzeptablen Preisen. Im Heimatgeschmack kann man es durchaus morgens aushalten. An Markttagen ist der Laden deutlich voller, wer es also lieber gemütlich mag, wählt einen anderen Tag.

Auf einen Blick

Heimatgeschmack, Willy-Brandt-Platz 2c, 44532 Lünen, Tel. (0231) 42786470 (Stolzenhoff), Öffnungszeiten montags bis freitags 8 bis 18 Uhr, samstags 8 bis 14 Uhr, sonntags Premium Brunch 10 bis 14 Uhr.

Das ist der Frühstücks-Check

Unser Frühstücks-Check funktioniert ähnlich wie der Restaurant-Check: Wir gehen in verschiedenen Lüner Cafés und Restaurants frühstücken - genauso wie viele andere Menschen auch. Am Ende schreiben wir auf, was wir erleben und schmecken. Das tun wir nicht als Experten, sondern als ganz normale Gäste.
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