Friseurmeisterin Christiane Belz in ihrem Salon an der Borker Straße - hier vor der Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown. Sie hält sich mit einem Kredit über Wasser. © Goldstein (A)
Aktion „Licht an“

Friseurin im Lockdown: „Kann nur dank eines Kredites ruhig schlafen“

Christiane Belz hat sich an der Aktion „Licht an“ beteiligt: Wie in vielen anderen Friseursalons auch brannte an der Borker Straße 24 Stunden lang das Licht. Doch das wird nicht reichen.

Licht an, damit es nicht irgendwann komplett aus ist: Mit dieser Aktion haben Friseurinnen und Friseure auch in Lünen auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Der Lockdown und das faktische Arbeitsverbot machen ihnen zu schaffen. Da bildet auch Christiane Belz keine Ausnahme.

„Ich habe mir einen Kfw-Kredit besorgt, damit ich wenigstens wieder etwas ruhiger schlafen kann“, sagt die 55-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Wie lange diese ruhige Schlafphase dauert, wisse sie nicht. Der aktuelle Plan sieht eine Wiedereröffnung am 16. Februar vor. „Ich rechne aber eher damit, dass wir noch ein paar Wochen länger im Lockdown sein werden.“

Auch für diesen Fall würde der Kredit noch ausreichen, um die laufenden Kosten zu decken. Die Bezahlung der Auszubildenden, die Miete, die Versicherung – all das läuft schließlich weiter, auch wenn das Geschäft geschlossen ist. „Aber es ist eben ein Kredit, und der ist auch nicht zinslos. Irgendwann werde ich den zurückzahlen müssen.“

Soforthilfe musste versteuert werden

Die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown, beziehungsweise aus der Zeit danach, machen ein wenig Hoffnung: „Im Mai hatte ich 60-Stunden-Wochen“, erinnert sie sich an viele anstrengende Tage und müde Abende. „Aber die Kunden haben es mir gedankt und sich gefreut, als sie in den Spiegel gesehen haben.“

Allerdings hatte der gute Verdienst in dieser Zeit auch eine Kehrseite. „Ich habe im ersten Lockdown 9000 Euro Soforthilfe bekommen und musste 7000 Euro zurückzahlen, weil es sich sonst nicht für mich gelohnt hätte.“ Denn die 9000 Euro wären als Einnahmen im Geschäftsjahr verbucht worden – und mit dem Einkommen aus der „Mehrarbeit“ aus der Zeit zwischen den Lockdowns hätte Christiane Belz unterm Strich weniger im Portemonnaie gehabt. „Und bei aller Liebe zu meinem Beruf geht es ja nunmal auch darum, dass man leben kann.“

Warum hat sie dann überhaupt die 9000 Euro beantragt? „Ich habe meine Kosten während des ersten Lockdowns überschlagen und bin bei 12.000 Euro gelandet. Da war die Soforthilfe natürlich ein willkommenes Mittel, damit es überhaupt weitergehen konnte.“

Und es wird auch nach dem zweiten Lockdown weitergehen – allerdings ohne Soforthilfe, denn die gibt es aktuell nicht. „Ich kann mir schon vorstellen, dass einigen Kolleginnen und Kollegen das Wasser bis zum Hals steht.“ Eine dieser Kolleginnen ist durch ein Internet-Video am Wochenende bundesweit bekannt geworden. „Ich kenne Bianka Bergler sehr gut, und sie hat die Situation auf den Punkt gebracht“, so Christiane Belz, die seit 25 Jahren Lehrlingswartin der Friseur-Innung Dortmund und Lünen ist.

Verzweiflung kein Grund für fehlende Solidarität

Allerdings kann auch maximale Verzweiflung in ihren Augen kein Anlass für fehlende Solidarität sein. Dass Kolleginnen und Kollegen beispielsweise schwarz Haare schneiden, gefällt der Friseurmeisterin überhaupt nicht: „Am Ende sind es die Ehrlichen, die bestraft werden.“ Sie habe eine klare Meinung dazu, und deshalb ruft auch niemand bei ihr an und fragt, ob sie nicht mal in der Küche die Schere ansetzen könne: „Meine Kunden wissen ganz genau, dass das mit mir nicht zu machen ist.“

Die Situation ist auch für sie hart, sagt Christiane Belz. „Aber es gibt in jeder Situation Mittel und Wege in Deutschland, um nicht zu verhungern.“ Wobei auch sie der Meinung ist, dass es bei einem Arbeitsverbot, wie es die Friseurinnen und Friseure derzeit trifft, schneller und vor allem unbürokratische Hilfen geben sollte. „Wenn jemand mit dem Rücken zur Wand steht, muss er die Chance auf schnelle Grundsicherung und Beihilfen haben.“

Vorerst bleibt den Friseur-Betrieben jedoch nur der Appell an die Politik: Das Licht anlassen, damit es nicht irgendwann ausgeht.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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