Freibad Cappenberger See öffnet mit Security am Beckenrand: „Wer überholt, muss gehen“

dzCorona-Krise

Jetzt doch: Nach Werne und Selm zieht auch Lünen nach und öffnet Ende Juni/Anfang Juli das Freibad Cappenberger See. Das wird aber kein Badespaß werden, wie man ihn aus den Vorjahren kennt.

Lünen

, 04.06.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

All zu große Vorfreude aufs Schwimmvergnügen in den Sommerferien will der Geschäftsführer der Stadtwerke, Dr. Achim Grunenberg, gar nicht erst aufkommen lassen. Wenn er über die Sicherheits- und Hygieneauflagen spricht, klingt das nicht nach sorglosen Stunden zwischen Wasser und Liegewiese, ganz im Gegenteil.

Die vergebliche Suche nach Normalität

„Mit einer Freibadsaison wie in den Vorjahren wird das nichts zu tun haben“, sagt er am Mittwochabend (3.6.) während der Ausschusssitzung für Bildung und Sport im Hansesaal. Der Prokurist der Stadtwerke, Dr. Gerd Koch, hatte es im Vorfeld so ausgedrückt: „Die Öffnung der Freibäder soll ein Schritt in Richtung Normalität sein. Die gegenwärtigen Rahmenbedingungen zur Nutzung lassen allerdings die Wahrnehmung von Normalität noch nicht zu.“ Trotzdem geht Lünen jetzt diesen Schritt.

Die Stadtverwaltung hatte sich dafür ausgesprochen - weil das Freibad in der Sommerzeit ein „wichtiger Faktor für den sozialen Zusammenhalt“ sei, „ein wichtiger Anlaufpunkt“ für Heimaturlauber und weil es durch die Schwimmmeister „Sicherheit der Gäste im und außerhalb des Beckens garantiert“: ein Plus-Punkt, den es am Horstmarer See nicht gibt. Und erst recht nicht am Kanal.

12 zu 8 Stimmen für die Öffnung

Trotz der Argumente: Die Zustimmung fällt dem Ausschuss nicht leicht,12 Ja-Stimmen stehen am Ende vier Gegenstimmen und vier Enthaltungen gegenüber. Das hat etwas mit der 16 Punkte umfassenden „Verordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten (Hygiene-Verordnung) des Landes

Nordrhein-Westfalen“ zu tun. Und auch mit den Mehrkosten, die die Einhaltung all dieser Forderungen mit sich bringt.

150.000 Euro zusätzlich werden fällig, mindestens. Schnell könnte der Betrag auch deutlich höher ausfallen, meint Hugo Becker (SPD) vom Bäderbeirat. Schließlich sei das Zugangs- und Hygienekonzept nur durch hohen Personaleinsatz umzusetzen.

Security soll Badpersonal unterstützen

„Wir brauchen auf jeden Fall einen Sicherheitsdienst“: Ordnungskräfte, die sowohl dafür sorgen, dass sich die Menschen nicht im Eingangsbereich drängeln, als auch darauf achten, dass sich die Schwimmer im Becken nicht zu nahe kommen.

„Die werden dann rund ums Becken stehen“, ergänzt Achim Grunenberg. Im 50-Meter-Becken dürfe voraussichtlich in drei Gruppen geschwommen werden: alle im Kreis in dieselbe Richtung, aufgeteilt nach Tempo. „Und wer unerlaubter Weise überholt, muss gehen“, so Grunenberg. Ebenso würden Sicherheitsleute das Nichtschwimmerbecken im Blick halten, damit Kinder dort nicht balgten und tobten und sich in gefährlicher Weise zu nahe kämen. Das Planschbecken oder gar die Rutsche zu öffnen, sei erst gar nicht vorgesehen.

Einheitspreise von 3,50 und 1,50 Euro

Der Cappenberger See wird ein neues Kassensystem anschaffen müssen. Nur wer online bucht, kann eine Eintrittskarte bekommen: entweder eine für 3,50 Euro für Erwachsene oder die Kinderkarte für 1,50 Euro. Ein Einheitstarif: Zehnerkarten, Familienkarten oder ähnliches seien nicht zu buchen - auch um Schlangen zu vermeiden. Die neuen Preise sind günstiger als sonst (4,70 und 2,60 Euro). Das hat einen Grund, wie Grunenberg erklärt. Die Nutzungszeiten würden auch deutlich verändert: verkürzt.

Nur noch drei Stunden am Stück im Freibad

Konnte man sonst morgens kommen und abends wieder gehen, wird künftig schon immer nach drei Stunden Schluss sein. Denn dann ist eine Reinigung vorgeschrieben von einer Stunde.

Reinigen müssten sich selbstverständlich auch alle Bad-Besucher, bevor sie ins Becken gehen, sagt Grunenberg: „Aber nur unter den Kalt-Wasser-Duschen draußen.“ Drinnen blieben die Duschen gesperrt. Denn das Land NRW habe vorgeschrieben, dass in geschlossenen Räumen Maskenpflicht bestehe, „und die Duschen sind ein geschlossener Raum“.

Christoph Tölle (CDU) gehört zu denen im Sportausschuss, die hin- und hergerissen sind. „Eigentlich müsste man sagen ,Wir öffnen das Bad nicht unter diesen Bedingungen‘“, sagt er. Er könne es aber gleichzeitig nicht verantworten, „dass Kinder im Kanal ertrinken“, nur weil die Stadt ihr Freibad nicht geöffnet habe.

Bis zu 300 Menschen gleichzeitig im Bad

Bei schönem Sommerwetter wurde das Freibad in der Vergangenheit von bis zu 10.000 Besuchern am Tag frequentiert: eine Zahl, von der man künftig nur noch träumen kann. Grunenberg geht davon aus, dass unter den neuen Bedingungen etwa 300 Menschen gleichzeitig auf dem Gelände sein könnten. Deutlich weniger Gäste, deutlich mehr Ärger also. Dennoch würden sie sich der Herausforderung stellen, wenn die Politik das wünsche: „Wir sind Dienstleister.“

Kunibert Kampmann (GFL) relativiert die Sorgen der Bad-Verantwortlichen. Den Schulen habe man zugemutet, Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen zu organisieren und durchzuführen. Und das klappe gut. „Warum soll das nicht am Cappenberger See funktionieren?“

Optimismus zeigt der Blick in die Nachbarstadt Werne. Das dortige Solebad hat das 50-Meter-Freibad-Becken (keine Sole) freigegeben. „Die Menschen sind sehr diszipliniert“, sagt Badleiter Jürgen Thöne.

Dort dürfen auch Kinder im Planschbecken spielen, „das ist so wie auf den Spielplätzen, die wieder geöffnet sind.“ Eltern seien in der Verantwortung, nach ihren Kindern zu sehen. Immerhin: „Pfingstmontag hatten wir hier 400 Gäste: der bisherige Spitzentag. Wir stellen fest, dass sich die Menschen an den Badbesuch unter neuen Bedingungen zunehmend gewöhnen.“ Inzwischen werde über eine vorsichtige Ausweitung des Programms nachgedacht.

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