Feuerwehr Lünen setzt auf faire Dienstkleidung - nur bei T-Shirts wird das schwierig

dzFair-Trade-Stadt

Faire Waren, Nachhaltigkeit bei der Stadtverwaltung - das wünscht sich die Lüner Initiative gegen globale Armut seit langem. Die Feuerwehr geht bei ihrer Kleidung mit gutem Beispiel voran.

Lünen

, 11.02.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich sollten es T-Shirts sein, die die Feuerwehrleute im Dienst tragen, und die künftig aus fairem Handel stammen sollten. Doch da wird es schwierig. „Die T-Shirts werden auch im Rettungsdienst getragen und müssen bei 90 Grad für längere Zeit gewaschen werden. Das funktioniert bei fair gehandelten T-Shirts noch nicht,“, so Christopher Rehnert, bei der Feuerwehr für die Technik zuständig.

Deshalb überlegten die zuständigen Stellen bei Feuerwehr und Stadt zusammen mit der Lüner Initiative gegen globale Armut (Liga) und der Verbraucherberatung, wie man doch noch faire Bekleidung für die Retter bekommen könnte.

Bei zwei Teilen der Dienstkleidung wurden die Ziele mittlerweile erreicht. Die goldene Schutzkleidung stammt von einer Firma aus Ostwestfalen, die auch dort produziert und wenn Kleidung beispielsweise Risse aufweist, diese auch an ihrem Standort repariert.

Schutzkleidung wird in Tunesien hergestellt

Andere Feuerwehren beziehen diese Kleidung von Firmen, die in Tunesien produzieren. Feuerwehrchef Rainer Ashoff: „Wenn da dann was kaputt geht, müssen die Teile erst gesammelt werden. Ist eine bestimmte Menge erreicht, werden die Kleidungsstücke nach Tunesien verschifft, dort repariert und dann wieder per Schiff nach Deutschland gebracht.“ Alles andere als nachhaltig und klimaschonend.

Feuerwehr Lünen setzt auf faire Dienstkleidung - nur bei T-Shirts wird das schwierig

Freuen sich, dass die Feuerwehr Lünen beim Thema faire Dienstkleidung voran geht: (v.l.) Feuerwehrchef Rainer Ashoff, Dr. Ulrich Weber (Liga), Jutta Gülzow, Leiterin der Lüner Verbraucherberatung, Thomas Berger (Stadt Lünen), Christopher Rehnert, Gabriele Schiek (fr. bei der Stadt für Nachhaltigkeit zuständig), Florian Schwarze und die neue Nachhaltigkeits-Verantwortliche der Stadt Lünen (ab 1.4.) Anja Paechnatz. © Beate Rottgardt

Wichtig bei der Beschaffung von fairer Dienstkleidung sind Gütesiegel, die das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im „Kompass Nachhaltigkeit“ zusammengefasst hat. Richtlinie nun auch für die Lüner Feuerwehr in Sachen Dienstkleidung. „Wobei die Kombination verschiedener Gütesiegel das Optimum für den normalen Verbraucher ist, aber bei der Feuerwehrkleidung aufgrund vieler Vorschriften und Sicherheitsregeln nicht umsetzbar“, so Jutta Gülzow von der Lüner Verbraucherberatung. Sie unterstützt die Liga bei ihrem Ziel, das Siegel „Fair Trade-Stadt“ in Lünen mit Leben zu füllen.

Dass die Liga und Gabriele Schiek, bis zu ihrem Ruhestand Ende Januar, bei der Stadt für Nachhaltigkeit zuständig, bei Feuerwehrchef Rainer Ashoff offene Türen einrannten, zeigt ein Beispiel.

Hersteller trägt Gütesiegel

Als neue Fleecejacken für die Berufsfeuerwehr und einen Teil der freiwilligen Feuerwehr angeschafft wurden, geschah dies schon bei einem Hersteller, der Mitglied der Fair Wear Foundation ist. Firmen, die dieses Siegel haben, kümmern sich um sichere und gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen und um existenzsichere Löhne für die Arbeiter, die die Kleidung herstellen. Etwa 50 solcher Jacken werden jährlich angeschafft.

Die Erfahrungen mit Gütesiegeln und dem Entschluss, faire Dienstkleidung zu beschaffen, gibt die Feuerwehr Lünen auch an Kollegen anderer Berufsfeuerwehren weiter. Ashoff: „In NRW gibt es 30 Berufsfeuerwehren. Es ist wichtig, dass das Thema bei Treffen von uns angesprochen wird.“

Dr. Ulrich Weber (Liga) sagt: Kommunen bekommen auch Unterstützung bei der „Servicestelle für faire Kommunen“.

Zwei neue Stellen bei der Stadt

Dass die Stadt Lünen den Ratsbeschluss von 2017, in dem mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz gefordert wurde, weiter umsetzt, erklärte Thomas Berger, Abteilungsleiter bei der Stadtplanung. Am 1. März wird die neue Stelle besetzt, die den Klimaschutz voranbringen soll. „Das Ganze wird durch Bundesmittel gefördert. Für die ersten beiden Jahre bekommen wir 90 Prozent der Personalkosten und Fördermittel für erste Maßnahmen bezahlt.“

Die neue Kollegin war bisher nicht bei der Stadt Lünen tätig. Genauso wie Anja Paechnatz, die am 1. April eine halbe Stelle antritt, bei der sie sich um das Thema Nachhaltigkeit kümmert. Knapp fünf Jahre war die Raumplanerin bislang als Klimaschutzmanagerin bei der Stadt Schwerte tätig: „Ich hab dann einen kürzeren Weg zur Arbeit, weil ich in Bork wohne.“

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