Die Familie ist fassungslos, wie die 88-jährige Mutter aus der Klinik am Park entlassen worden ist. © Foto Klinik am Park
Krankenhaus

Familie entsetzt: 88-Jährige im Engelhemd aus Brambauer Klinik entlassen

Im Engelhemd und auf Socken soll eine 88-Jährige aus der Klinik entlassen worden sein. Sie erlebte eine Irrfahrt im Taxi. Die Familie ist fassungslos. Das Krankenhaus widerspricht.

Die ganze Nacht habe er nicht schlafen können, sagt der Sohn. Was seiner Mutter (88) passiert sei, habe auch seine fünf Geschwister in Aufregung versetzt. Die Seniorin, die nach einem Sturz am Dienstag (25.5.) mit einer Platzwunde am Kopf im Schlafanzug und mit Pantoffeln von einem Krankentransport in die Klinik am Park in Brambauer gebracht worden war, sei ohne Benachrichtigung der Angehörigen am Donnerstag entlassen worden: im Engelhemd und auf Socken. Die Familie aus Brambauer möchte ihren Namen nicht veröffentlicht sehen. Sie will den Fall aber schildern, damit sich so etwas nicht wiederholt.

Die Klinik am Park, die zum Klinikum Westfalen gehört, reagierte auf Anfrage der Redaktion: „Wir können die Darstellung nicht bestätigen“, teilt Pressesprecher Klaus-Peter Wolter mit.

Die Angehörigen schildern den Vorfall folgendermaßen: Noch am Donnerstag (27.5.) habe eine der Töchter in der Klinik nachgefragt, ob sie Sachen vorbeibringen und die Mutter mitnehmen solle. Da habe es geheißen, sie brauche sich um nichts zu kümmern. Die Mutter würde zurück transportiert. Doch wie das dann geschah, hat bei der Familie Tränen ausgelöst.

Irrfahrt im Taxi bis Waltrop

Nach Schilderung des Sohnes habe man die 88-Jährige im Engelhemd in den Klinikflur gesetzt und ein Taxi gerufen. Auf Socken habe die Seniorin über den Parkplatz zum Auto gemusst. Dem Taxifahrer sei die alte Wohnanschrift mitgeteilt worden, doch die Mutter ist seit Anfang Mai in einer Kurzzeitpflege. Die leicht demente Dame habe seit einem Bruch ihres Handgelenks nicht mehr alleine in ihrer Wohnung leben können. Genau dorthin brachte sie das Taxi.

Dass das nicht richtig war, merkte die Seniorin. Sie wollte zu ihrer Tochter nach Waltrop, wusste dann aber die Straße nicht mehr. Das Taxi fuhr wieder zurück zur alten Wohnung.

Der Fahrer klingelte bei der Nachbarin, die dann die Tochter informierte. Von der Nachbarin erfuhr der Taxifahrer auch die Heimadresse. Papiere, die das Heim seinerzeit mitgegeben habe, wären im Krankenhaus geblieben. „Meine Mutter hatte keinen Schlüssel und kein Geld“, berichtet der Sohn. Die 27,80 Euro für die Fahrt nach Waltrop habe seine Schwester begleichen müssen. „Ich war fix und foxi. Die setzen sie einfach dahin und schicken sie dann auch noch an die falsche Adresse“, so der Sohn. Die Familie habe im Krankenhaus angerufen, aber niemanden mehr erreicht. Jetzt möchte er eine Entschuldigung von der Klinik und die Erstattung des Taxigeldes.

Verordnung für einen Transportdienst

Der Sprecher der Klinik am Park erklärt hingegen, die Patientin sei nicht einem Taxi, sondern einem Transportdienst mit einer Beförderungsverordnung übergeben worden. Auf der Verordnung sei das Heim namentlich und mit Zieladresse angegeben. „Dazu umfasst das Verordnungsformular eigens ein Feld zur Angabe eines von der privaten Wohnadresse abweichenden Ziels“, erklärt Wolter. Die Verordnung setze außerdem den Transport in einem Tragestuhl fest. Dies sei in Kopie in der Klinik dokumentiert. Zudem teilt Wolter mit, dass das Heim über die Entlassung und den Transport informiert worden sei. Auch diese Information sei dokumentiert. Für den Sohn ist das nicht zu verstehen. „Ich habe den Taxifahrer als Zeugen“, sagt er.

Sweatshirt und Socken

Zur Kleiderfrage heißt es seitens der Klinik, die Patientin sei notfallmäßig ohne komplette Straßenkleidung aufgenommen worden. Für den Heimtransport sei die vorhandene Kleidung, zu der ein Sweatshirt gehört, mit Krankenhausausstattung ergänzt worden, inklusive rutschfester Socken. „In den Fahrzeugen der Transportdienste ist es üblich, den Patienten zusätzlich eine Decke über die Beine zu legen“, so Wolter. Der Sohn kann das nicht bestätigen. Das Sweatshirt sei um die Schultern gelegt gewesen, Hose und Pantoffeln hätten gefehlt. Die Decke auch.

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Redaktion Lünen
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Magdalene Quiring-Lategahn

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