Falsche Verdächtigung: Frau unterstellt eifersüchtigem Freund das Schlimmste

dzAmtsgericht in Lünen

Als sie die Behauptungen zurücknahm, hatte die Polizei den Mann schon festgenommen und seine Wohnung durchsucht. Wegen der Beschuldigungen stand sie jetzt vor Gericht.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 19.09.2020, 09:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der nur erfundene Vorwurf, ihr Freund habe sie zum Suizidversuch genötigt, hatte fatale Folgen. Die Polizei ermittelte wegen versuchten Totschlags und verhaftete ihn. Nachdem die Wahrheit ans Licht kam, saß die Lünerin (32) nun auf der Anklagebank. Vorwurf: falsche Verdächtigung und Freiheitsberaubung.

Seine Eifersucht setzte der Frau aus Lünen schön länger zu. Unterstellungen und Verbote standen offenbar auf der Tagesordnung. Als er dann auch noch ihren neuen Job verhinderte, weil sie dort mit anderen Männern in Kontakt kommen könnte, war das Maß voll. Die 32-Jährige, die ohnehin mit Depressionen kämpft, sah keinen Ausweg mehr und versuchte, sich das Leben zu nehmen.

„Es war alles zu viel für mich“

Sie überlebte, wurde in das Evangelische Krankenhaus in Unna eingeliefert und äußerte dort zwei Polizisten gegenüber, ihr Partner habe sie in einem Videochat aufgefordert, sich zu töten. Ansonsten werde er sie umbringen. Daraufhin habe sie die Überdosis genommen. Bereits am nächsten Tag nahm sie diese Behauptung zurück. Doch da war es bereits zur Festnahme und zu Durchsuchungen gekommen.

„Es tut mir leid“, betonte die Lünerin nun in ihrem Prozess vor dem Amtsgericht Unna und fügte hinzu: „Es war alles zu viel für mich. Die Eifersucht meines Freundes hat mich krank gemacht.“ An dem Tag, an dem sie den Suizidversuch unternommen habe, sei sie so verzweifelt gewesen, weil sie einen tollen neuen Job hätte haben können und er dem Chef einfach verboten habe, sie einzustellen. „Da konnte ich nicht mehr.“

Tatsächlich habe er sie nicht dazu aufgefordert, sich zu töten. Mittlerweile würden sie gemeinsam therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Auch habe sie ein neues Antidepressivum. „Ich kann nur sagen, dass es mir wirklich leid tut“, beteuerte sie, die bereits in der Vergangenheit unter anderem wegen einer Falschaussage und versuchter Strafvereitelung auf der Anklagebank gesessen hatte.

Verzweifelte Lage berührt das Gericht

Die verzweifelte Lage im aktuellen Fall ließ weder die Vertreterin der Anklage noch den Richter kalt. Letzterer musste dennoch Klartext reden: „Das ist schon krass. Das hat so einen Rattenschwanz hinter sich hergezogen.“ Und er ließ auch keine Zweifel daran aufkommen, dass die Strafe deutlich höher ausgefallen wäre, hätte die Lünerin ihre Tat nicht offen eingeräumt und hätte sie sich nicht in dieser besonderen Situation befunden. Letztendlich wurde die Frau, die während der gesamten Verhandlung mit den Tränen kämpfte und zum Schluss mehr oder weniger zusammengesunken auf ihrem Stuhl saß, zu 800 Euro Geldstrafe verurteilt.

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