Menschen über 80 sollen auch von Lünen aus nach Unna ins zuständige Impfzentrum fahren. Die Idee eines Fahrdienstes aus Lünen wird jedoch von vielen kritisch gesehen. Aus unterschiedlichen Gründen. © Udo Hennes
Corona-Impfung

Fahrdienst zum Impfzentrum Unna: In Lünen gibt es viele Bedenken

Nicht alle Senioren, die sich gegen Corona impfen lassen wollen, sind mobil. Deshalb werden jetzt Fahrdienste zum Impfzentrum Unna diskutiert. Doch da gibt es allerlei Bedenken in Lünen.

Wer noch so mobil ist, dass er mit dem eigenen Auto ins Impfzentrum nach Unna fahren kann, hat es gut. Doch das ist längst nicht bei allen Lüner Senioren der Fall, die sich gegen Corona impfen lassen wollen. Eine Taxifahrt ist manchem einfach zu teuer, der nur eine kleine Rente bezieht.

Deshalb kommt jetzt die Idee auf, doch ehrenamtliche Fahrdienste anzubieten. Die Evangelische Kirchengemeinde Horstmar-Preußen tut das bereits – für ihre Gemeindeglieder hat sie solch einen Service eingerichtet.

Wohlfahrtsverbände und die Stadt sehen diese Idee jedoch eher kritisch, auch im Hinblick auf Bemühungen, direkt in Lünen Impfangebote zu machen. Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns sagt dazu: „Wir haben als Stadt unseren Unmut über das Fehlen von Impfangeboten in Lünen bereits deutlich ausgedrückt. Dabei haben wir gemeinsam mit dem Ärzteverein Lünen auch deutlich gemacht, dass ein Kollektivtransport unter anderem aus Sicht des Infektionsschutzes nicht optimal ist: Besser, effizienter und sicherer wäre es, wenn vor Ort geimpft werden könnte.“

Zu den Äußerungen von NRW-Gesundheitsminister Laumann, der auf Städte verweist, die Fahrten in die wenigen Orte mit Impfzentren organisieren, sagt der Lüner Bürgermeister: „Dabei übersieht er unter anderem, dass sich aus den langen Fahrten für Passagiere und Begleitungen zusätzliche Infektionsrisiken ergeben.“

FFP2-Masken für Begleiter kann man abholen

Darüber hinaus begrüßen die Stadt und Bürgermeister Kleine-Frauns ausdrücklich das Engagement von gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen, die den Mitbürgern über 80 helfen, nach Unna zu gelangen. Natürlich freue sich die Verwaltung, wenn das Schule macht. Der Bürgermeister habe die Lüner erst vor einigen Tagen in einer Videobotschaft aufgerufen, sich solidarisch zu zeigen und im Kreis der Angehörigen oder der Nachbarschaft entsprechend zu helfen.

Pressesprecher Benedikt Spangardt: „Wir bitten aber darum, bei allen Hilfestellungen für ältere Menschen unbedingt auf die Sicherheit und Hygiene zu achten. Dazu leisten wir auch einen kleinen Beitrag: Wer Hilfe leistet und eine Person über 80 nach Unna begleiten möchte, kann sich für die Fahrt FFP2-Masken im Rathaus abholen.“

Hilfsangebote vermittelt

Wer Hilfe brauche, könne sich selbstverständlich immer auch an die Stadt Lünen wenden. Die Verwaltung selbst könne, so Spangardt auf Anfrage, keinen Fahrdienst anbieten – wegen der Sicherheitsbedenken und weil ihr dafür die Kapazitäten fehlten. Die Stadt werde sich aber weiterhin auch darum bemühen, zwischen Hilfesuchenden und Hilfeanbietenden zu vermitteln. Bisher habe es einzelne Hilfsangebote von Bürgern gegeben, die man mit Hilfesuchenden zusammengebracht habe, so Spangardt.

Das Problem der fehlenden Kapazitäten sieht auch Matthias Stiller, Vorstand des Lüner Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „Derzeit können wir einen Fahrdienst nicht organisieren. Wir können hauptamtlich derzeit niemanden entbehren. Dies liegt insbesondere daran, dass unsere Pflegekräfte mit den zusätzlichen Corona-Testungen ausgelastet sind“, so Stiller.

Auch aus dem Rettungsdienst könne das Lüner DRK derzeit niemanden abziehen für diesen Service. Stiller: „Ehrenamtlich sind wir in den vergangenen Wochen bereits im Einsatz gewesen, um Pflegeheime in Lünen bei den Corona-Testungen zu unterstützen.“ Zudem seien die ehrenamtlichen Kräfte meist selbst berufstätig und stünden daher zu den Impfterminen nicht zur Verfügung. „Es ist ein Dilemma, welches wir derzeit nicht lösen können“, so der Lüner DRK-Vorstand.

Ehrenamtliche gehören zur Risikogruppe

Viele Ehrenamtliche des Caritasverbandes Lünen-Selm-Werne sind zwar nicht mehr berufstätig – doch hier gibt es ein anderes Problem. Sie gehören der Risikogruppe der Senioren an, die besonders vorsichtig sein muss und deshalb für Fahrten zum Impfzentrum nach Unna eher nicht in Frage kommt.

„Natürlich ist das Ganze auch bei uns ein Thema, aber es wird von der Koordination und der Infrastruktur her schwierig“, so Thomas Middendorf, Sprecher des Caritas-Verbandes. Die größten Bedenken habe man aber in Sachen Infektionsgeschehen. Hier sieht der Caritasverband die Lage ähnlich wie die Stadt Lünen, die eben auch Infektionsrisiken bei der Fahrt sieht.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum der Caritasverband keinen Fahrdienst anbieten wird. „Wir sehen auch, dass den Taxiunternehmen, denen es derzeit sowieso nicht gut geht, noch weiter das Wasser abgegraben wird“, sagt Middendorf.

Caritas wünscht sich mehr Termine vor Ort

Stattdessen setzt Caritas-Vorstand Hans-Peter Benstein darauf, dass die Impfungen dezentralisiert werden und man mehr Impfungen in Lünen möglich mache. Alleine die Zahl der Kunden, Gäste und Patienten der Einrichtungen des Caritasverbandes liegt bei 1000 Menschen. „Da wäre es sicher besser, wenn in unseren Einrichtungen oder auch im Verwaltungsgebäude geimpft werden könnte“, so Middendorf. Doch da komme auch der Mangel am Impfstoff in die Quere. So bekam man für den vorgesehenen Impftermin am 9.2. in der Tagespflege am Christinentor jetzt eine Absage.

Die Verkehrsgesellschaft des Kreises Unna (VKU) transportiert Menschen aus dem Kreis Unna übrigens kostenlos zum Impfzentrum. Statt Fahrschein muss man dann nur die schriftliche Bestätigung des Impftermins vorlegen. Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) bietet einen Fahrdienst an, 20 Fahrzeuge inklusive geschulter Fahrer stünden zur Verfügung. Infos unter Tel. (02307) 7 19 91 26.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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