Besonders viel zu tun hat Eventmanager Dennis Häseler zurzeit nicht. Immerhin hat er endlich einen Schlafrhythmus und Zeit für Freunde und um Sport zu treiben. "Ich war schon am Limit", sagt er. © Kristina Gerstenmaier
Eventbranche

Eventmanager in Not: „Mein Regelgeschäft ist komplett weggebrochen“

Sie stehen vor dem Nichts: Die Menschen, die Partys in Diskotheken, große Konzerte oder Open-Air-Events mit vielen Besuchern organisieren. Wir haben mit zwei Lüner Eventmanagern gesprochen.

Bevor Corona sich in Deutschland ausbreitete, arbeite Dennis Häseler etwa 60 Stunden pro Woche. „Ich war immer unterwegs, sprang auch mal als Ersatz irgendwo ein, fuhr zu großen Events mit oder tauchte irgendwo auf, um zu überprüfen, dass alles in Ordnung ist“, erzählt der 27-jährige Gesellschafter und Geschäftsführer von Shark Entertainment aus Lünen. Jetzt kommt der Lüner noch auf fünf bis zehn Stunden Arbeit in der Woche.

Sein Kerngeschäft bestand darin, für Diskotheken Veranstaltungen zu organisieren. Er vermittelte Servicepersonal, DJs, Lichttechniker, Tänzer, Cocktail-Mixer, Bühnenbauer oder Kleinkünstler und Musiker. In Dortmund arbeitete er, so sagt er, mit fast allen großen Diskotheken zusammen. Auch für die Bochumer Großraumdisko Matrix organisierte er schon Events, und für andere in ganz NRW.

Als Jugendlicher war er aus einem Kellnerjob im Bergkamener Musikpark in die Lichttechnik reingerutscht und hatte mit 18 ein Kleingewerbe angemeldet. Mit viel Engagement hatte er sich in die verschiedenen Bereiche der Veranstaltungsorganisation eingearbeitet und 2017 die Unternehmergesellschaft (UG) Shark Entertainment gegründet. Der Name? Ihm hatte einmal jemand gesagt, die Branche sei ein Haifischbecken. Doch Dennis Häseler konnte sich durchsetzen.

Seit aber mit den Corona-Beschränkungen Mitte März Diskotheken und Veranstaltungszentren geschlossen sind, große Konzerte und Open-Air-Veranstaltungen nicht stattfinden, gibt es das „Regelgeschäft“ des 27-Jährigen schlicht nicht mehr. „Ich habe einen Umsatzverlust von 90 Prozent“, sagt er. Nur mit der Organisation von Geburtstagen und Hochzeiten hält er sich zurzeit über Wasser – das machte er vorher auch schon, es machte etwa zehn Prozent der Arbeit aus.

„Corona hat Freundschaften zerstört“

Als besonders bitter empfindet er, dass er mit 20 seiner Minijobber fast allen kündigen musste. „Ich fange dann wieder bei Null an“, sagt er. „Es ist einfach nicht schön, wenn man eine jahrelange Vertrauensbasis aufgebaut hat und dann passiert so was. Diese Situation hat mich sowohl Geschäftspartner gekostet. Hier hörten auch viele Freundschaften leider auf.“ Weil er von den Diskotheken und Veranstaltungszentren kein Geld mehr bekam, konnte er sein Personal nicht mehr bezahlen. Bestehende Verträge mussten aufgelöst werden, ausstehende Gehälter ausbleiben. „Das macht mir wirklich meine jahrelange Arbeit zunichte. Ich werde mir ein komplettes Netzwerk aufbauen müssen. Auch deswegen, weil ich ein großes Club-Ausdünnen befürchte.“

Lieber legal und mit Hygiene-Konzept

Die 9000 Euro Soforthilfe, die er bekam, waren „hilfreich, aber Peanuts im Vergleich zu den Kosten, die ich hätte tragen müssen“, so der gelernte Veranstaltungskaufmann. Dadurch dass er kein festangestelltes Personal hatte, konnte er keine Kurzarbeit beantragen und das Geld lediglich für Fixkosten, also zum Beispiel die Büromiete, nicht aber seinen Lebensunterhalt oder die Minijobber, ausgeben. Rücklagen sei Dank stehe er aber nicht vor dem finanziellen Ruin.

Neben positiven Seiten, die seine heute maximal Zehn-Stunden-Woche hat – ausreichend Schlaf, viel Sport, Zeit für Freunde – ärgert ihn eines ganz besonders: „Junge Leute lassen sich nicht einsperren“, sagt er. „Wenn legale Veranstaltungen mit gutem Hygienekonzept nicht genehmigt werden, dann entstehen eben illegale Veranstaltungen. Da sollte die Politik wirklich Kompromisse entwickeln.“

Ohne Clubs keine Arbeit

Christian Ernsting, hauptberuflich als Konzertveranstalter tätig, ist wegen Corona zurzeit komplett arbeitslos. Zuvor organisiert er unter anderem die Konzerte im Lükaz. „Mir geht es soweit finanziell ok“, sagt der Lüner. Aber ich wünsche mir finanzielle Unterstützung für die unabhängigen Clubs, von denen ich letztendlich ja auch abhängig bin. Sonst werden die alle sterben. Die Situation frustriert mich schon sehr.“

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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