Am ersten Tag im Distanzlernen sind an vielen Orten Server zusammengebrochen. © Nora Varga
Verlängerter Lockdown

Erster Schultag im Corona-Distanzlernen: „Die Systeme stürzen alle ab“

Die Schulen bleiben geschlossen und das Lernen muss wieder online stattfinden. Am ersten Schultag gab es auch in Lünen viele Probleme und wenig Verständnis für die Politik des Schulministeriums.

Server offline, Fehler 404 und Verbindung unterbrochen. Viele Lüner Schülerinnen und Schüler werden diese Meldungen in ihren Online-Lernprogrammen am ersten Schultag im Distanzlernen gefunden haben. Landesweit gab es auf den viel genutzten Plattformen Iserv, Logineo, Padlet oder jitsi Ausfälle. In den Sozialen Medien hagelt es Spott für die Vorbereitung der Landesregierung. Durch die Schließungen der Schulen bis 31.1. muss der Unterricht digital stattfinden. Auch Reiner Hohl, Schulleiter am Gymnasium Altlünen, hat am ersten Tag mit Problemen zu kämpfen: „Wir sind super vorbereitet und die Systeme stürzen alle ab.“ Trotzdem können die Schüler weiter arbeiten: „Die Kolleginnen und Kollegen haben ihre Sachen zum Teil schon am Wochenende hochgeladen.“

Ab der zweiten Stunde seien die Verbindungen mit manchen Programmen besser geworden. Auch wenn die Programme wieder funktionieren, werde es weiterhin Probleme mit der technischen Ausrüstung geben: „Zur Not nehmen Kinder im Moment am Handy teil, auch wenn das nicht optimal ist. Im Prinzip erreichen wir aber alle Kinder.“ Langfristig sei das Distanzlernen keine Lösung, findet Hohl: „Es fehlt das kurzfristige Feedback. In einer Videoschalte registriert man nicht gut, ob jemand etwas verstanden hat.“ Auch die Schule als Sozialraum sei für die Kinder wichtig. Für das Jahr 2021 wünscht sich Schulleiter Reiner Hohl vor allem eines: Normalität.

Christine Petzhold hat fünf Kinder und kennt als stellvertretende Pflegschaftsvorsitzende der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule die Probleme und Nöte der Eltern im Homeschooling. Besonders die Woche vor den Winterferien hat sie in schlechter Erinnerung: „Wir vergessen die Woche und haken sie unter „scheiße“ ab.“ Seit Beginn der Krise im März hätten Schüler und Lehrer aber dazugelernt.

Den Kindern fehlt die Schule

Christine Petzhold: „Das Distanzlernen ist im Moment vor allem für Eltern schwierig, die keinen Drucker zu Hause haben, oder die arbeiten müssen.“ Obwohl ihre fünf Kinder durch die große Familie nicht allein sind, vermissen sie ihre Freunde, egal wie alt sie sind. „Wir haben zum Glück einen Garten und können rausgehen. Man muss sich vorstellen, wie das für Einzelkinder ist, die in einer Wohnung leben.“ Auch die Freizeitgestaltung ihrer Kinder hätte sich zum Teil stark verändert, seit die sozialen Kontakte durch die Schule wegfallen.

„Die Kinder verbringen viel mehr Zeit im Internet“, erzählt die Mutter. Der soziale Rahmen einer Klassengemeinschaft falle momentan einfach weg und andere Medien würden diesen Platz einnehmen. Christine Petzhold: „Die Kinder schauen dann Youtubern zu, deren Meinung dann omnipräsent ist. Nicht alle Ideen, die YouTuber haben, sind gute Ideen.“ Die Mutter wirkt dem mit Verboten und Aufklärung entgegen. Christine Petzhold wünscht sich in diesem Jahr vor allem Weitsicht und konkrete Planungen der Politik für die Schulen.

Über die Autorin
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Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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