Ernte 2020: Viele Getreidebauern atmen auf - Mais ist noch gefährdet

dzErntebilanz

Brütende Hitze: In den beiden vergangenen Jahren vertrocknete so manche Feldfrucht, bevor sie reif werden konnte. In diesem Jahr sieht es etwas rosiger aus, berichten die Landwirte.

Lünen

, 13.08.2020, 09:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viel Sonne, wenig Regen: Ein Problem, das die Landwirte zunehmend beschäftigt. In den vergangenen Wochen mähten die Bauern ihre Getreidefelder - mit gemischten Gefühlen, teilt der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband in einer Pressemitteilung mit. Während in manchen Teilen der Region reiche Ernten eingefahren wurden, war die Trockenheit andernorts ein großes Thema.

Betrachte man die Erträge in der Region sei die Spannbreite so groß, wie sie kaum dagewesen sei, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hans-Heinrich Wortmann. „Es gibt Flächen, auf denen haben wir Bauern richtig gut geerntet, aber auch Flächen, da fiel die Ernte sehr mager aus.“

Pflanzen in sandigem Boden haben das Nachsehen

Was hat zu diesen extrem großen Unterschieden geführt? Das Frühjahr sei sehr sonnig und viel zu trocken gewesen, sagt Wortmann. Besonders auf den Böden, die Wasser nicht lange speichern könnten, beispielweise Böden mit einem hohen Sandanteil, hätten die Pflanzen stark unter dem Wassermangel gelitten und die Seitentriebe reduziert. „Auf diesen Flächen blieb maximal der Haupttrieb über, sodass die Bestände sehr dünn waren“, erklärt der Vorsitzende.

Auch die lokale Witterung habe einen wichtigen Einfluss gehabt. „Die wenigen Regenschauer gingen lokal sehr unterschiedlich nieder“, sagt er. „Da die Erntearbeiten aufgrund des sommerlichen Wetters sehr zügig durchgeführt werden konnten, sind wir früh mit der Ernte fertig“, sagt Wortmann und führt weiter aus: „Wir sind zwar nicht so zeitig, wie im Supersommer 2018 - damals haben wir die Getreideernte schon im Juli beendet - sind aber schon recht früh.“ In den meisten Jahren würde sich die sommerliche Ernte bis Mitte/Ende August hinziehen.

Neue Sorten als Strategie gegen trockene Sommer

Und wie ist es den Lüner Landwirten ergangen? „Wir sind erleichtert. Man kann die Ernte nicht mit einem regenreichen Jahr vergleichen - aber sie sieht deutlich besser aus als in den vergangenen Jahren“, sagt Carl Schulz-Gahmen, Vorsitzender des Lüner Ortsvereines des Westfälischen Landwirtschaftsverbandes. Das Getreide sei in diesem Jahr nicht notreif geworden. Aber: Nach der Ernte sei vor der Ernte. Denn auch, wenn es in diesem Jahr nicht allzu schlecht lief, müsse man mit dem Klimawandel rechnen und entsprechende Pflanzen anbauen.

„Wir gehen über zu Sorten, die früher geerntet werden können, damit sie während des feuchten Frühjahrs wachsen. Diese Sorten sind nicht so ertragreich wie Sorten, die länger stehen können - aber was bringen mir viele Körner, wenn die trocken und schrumplig sind?“, erläutert Schulz-Gahmen.

Mais und Kartoffeln brauchen noch Regen

Seine Felder zusätzlich zu bewässern kommt für den Getreidebauern nicht in Frage: „Wenn jeder das macht, muss man sich die Frage stellen, wo wir das Wasser hernehmen sollen. Wenn jeder Landwirt das Grundwasser abzapft, fehlt es an anderer Stelle - mal abgesehen vom finanziellen Aspekt.“ Die noch nicht geernteten Kulturen wie Kartoffeln, Mais, Rüben, Gemüse und besonders das Grünland bräuchten jetzt jedoch Wasser, sagt Wortmann.

Wie die Ernte ausfiele, sei noch ungewiss. „Ein Wechsel zwischen Regen und trockenen Abschnitten bei nicht zu heißen Temperaturen wäre optimal“, so der Landwirt. Er führt weiter aus: „Wir hoffen jedoch, dass die Gewitter nicht zu heftig mit Starkregen und Hagel runterkommen, denn dann können die Böden die Wassermassen nicht aufnehmen, Boden schwemmt ab und zudem können die Pflanzen geschädigt werden.“

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