Elterntaxi im Halteverbot: Wie Autofahrer Grundschüler gefährden

dzOverbergschule

Ein ganz normaler Morgen an der Overbergschule: Von der Baustelle kommen Laster, vor der Schule drubbeln sich Autos von Eltern, die ihre Kinder bringen. Doch diesmal ist die Polizei da.

Lünen-Süd, Lünen

, 04.09.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Vater hält direkt unter dem Halteverbotsschild auf dem Fußweg. Und richtig einsehen will er auch nicht, dass er da was grundlegend falsch gemacht hat. „Beim nächsten Mal kostet das 30 Euro,“ macht ihm Andreas Schlüter klar.

Der Verkehrssicherheitsberater der Polizei steht mit mehreren Viertklässlern am Auto und versucht, dem Vater klar zu machen, dass er mit seinem Verhalten andere Kinder gefährdet.

Rollenspiele in den Klassen mit der Polizei

Die Aktion mit vier Polizeibeamten, mehreren Viertklässlern und Schulleiterin Silke Schnelle ist seit langem geplant. Schon an den ersten Tagen nach den Sommerferien waren Schlüter und sein Kollege Rainer Strehl in der Lünen-Süder Grundschule und haben mit den Kindern mit Hilfe kleiner Rollenspiele geübt, wie die Schüler die Autofahrer ansprechen sollen.

Elterntaxi im Halteverbot: Wie Autofahrer Grundschüler gefährden

Einige der Schüler mit den Bezirksbeamten Rainer Strehl (l.) und Andreas Schlüter (2.v.r.), Bezirksbeamter Jens Graczyk (2.v.l.) und Schulleiterin Silke Schnelle (r.). © Beate Rottgardt

Die zahlreichen Elterntaxis, die jeden Morgen rund um den Schulbeginn vor der Schule halten, gefährden andere Kinder. „Wir hatten schon zwei Fälle, bei denen Autos, die zurücksetzten, fast Kinder angefahren haben“, so Silke Schnelle.

Eigentlich gibt es an der Schule eine „Kiss-and-go“-Zone, eine Zone fürs Verabschieden, doch die ist wegen der Bauarbeiten an der Ogata gerade nicht nutzbar.

Dazu kommt Schwerlastverkehr von der Baustelle, der die Lage morgens an der Weißenburger Straße weiter verschärft.

Elterntaxi im Halteverbot: Wie Autofahrer Grundschüler gefährden

Verkehrssicherheitsberater Rainer Strehl und Bezirksbemter Jens Graczyk standen mit den Kindern in dem „Kiss- und Go-"Bereich, der momentan nicht genutzt werden kann. Wegen der Baustelle ist dort Schwerlastverkehr. © Beate Rottgardt

„Wir könnten uns vorstellen, dass man die Poller in der Mitte der Straße morgens umlegt und die Straße dann zur Einbahnstraße macht“, so der Vorschlag der Schulleiterin.

Derzeit müssen die Eltern bis zu den Pollern fahren, dort wenden und dann wieder zurück. Wenn dann noch auf den Bürgersteigen Autos halten und weitere Fahrzeuge ankommen, wird es mehr als eng. Und dadurch für die Kinder gefährlich.

Rote und grüne Karten für die Autofahrer

Das wollen die Polizisten vor Ort verdeutlichen. Neben Schlüter und Strehl sind auch Kradfahrer Matthias Dempe und Bezirksbeamter Jens Graczyk vor Ort und sprechen jeweils, zusammen mit Viertklässlern, die Autofahrer an.

Neben bunten Plakaten haben die Kinder auch Karten vorbereitet. Grüne mit einem Daumen hoch für vorbildliches Verhalten, rote mit Daumen runter für Autofahrer, die sich falsch verhalten.

Elterntaxi im Halteverbot: Wie Autofahrer Grundschüler gefährden

Die beiden Viertklässler zeigten die Karten, die sie an Eltern verteilten. Grün mit Daumen hoch für die vorbildlichen, rot mit Daumen runter für die, die im Halteverbot standen. © Beate Rottgardt

„Damit die Eltern noch ein bisschen länger über ihr Fehlverhalten nachdenken“, so Schlüter. Silke Schnelle würde sich freuen, wenn mehr Ein- und Rücksicht da wären. „Man könnte ja auch etwas weiter weg von der Schule parken und sein Kind dann zu Fuß zur Schule bringen“, schlägt sie vor.

Oder es so machen wie Sylvana Martens-Hohendorf.

Mutter läuft mit Tochter zur Schule

Die Schulpflegschaftsvorsitzende der Grundschule geht im wahrsten Sinne des Wortes mit gutem Beispiel voran. Sie läuft mit ihrer Tochter, die in die 2. Klasse geht, täglich den Weg von zuhause (Nähe Kanalbrücke) zur Schule.

„Dieses Problem war auch schon Thema bei einem Treffen der Schulpflegschaften. Es liegt oft daran, dass das Zeitmanagement nicht stimmt, die Eltern kommen in Eile und meinen dann, sie müssten direkt vor die Schule fahren“, so Sylvana Martens-Hohendorf.

Elterntaxi im Halteverbot: Wie Autofahrer Grundschüler gefährden

Die Viertklässler hatten Plakate vorbereitet. © Beate Rottgardt

Sie ärgert sich, dass viele Eltern „kreuz und quer vor dem Eingang in der absoluten Haltezone“ parken. Das geht auch Andreas Schlüter so: „Viele Autofahrer waren sich sicher, dass sie in der Halteverbotszone halten dürfen.“

Begeistert von seinen kleinen Begleitern war der Bezirksbeamte. „Die Kinder waren richtig pfiffig“, so Jens Graczyk. Die Polizisten werden in nächster Zeit immer wieder stichprobenartig vor der Schule stehen.

Lesen Sie jetzt