Eltern zur Digitalisierung an Lüner Schulen: „Vieles wurde verschlafen“

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Mit Tabletts oder Laptops sollen Lüner Schüler ausgestattet werden. Das plant die Stadt. Der Stadtschulpflegschaft ist das zu langsam und zu spät. Sie sagt auch: „Das allein reicht nicht“.

Lünen

, 29.08.2020, 09:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Lünen hat Fahrt aufgenommen“, erklärt Schuldezernent Horst Müller-Baß im Anschluss an eine Sonder-Sitzung des Ausschusses für Bildung und Sport. Am 12. August hatte man sich mit dem Thema Digitalisierung an Schulen befasst. „Die Corona-Pandemie hat die Notwendigkeit der Digitalisierung bestätigt“, heißt es von Seiten der Stadt. Müller-Baß erklärte, dass Bund, Land, Schulen und auch die Kommune als Schulträger gemeinsam die Digitalisierung voranbringen möchten. Erste Mittel von der Landesregierung, wurden schon eingesetzt. Anderes steht noch aus.

Grundlage dafür ist das Landesprogramm „Gute Schule 2020“ aus dem die Stadt rund 1,5 Millionen Euro in die Internetanbindung der Schulen per Richtfunk sowie den W-LAN-Ausbau steckte. Das Ergebnis sind 600 W-LAN-Access-Points und 200 Netzwerk-Verteiler für die Infrastruktur. Außerdem wurden bereits 530 Notebooks und 44 Touchboards angeschafft.

Zwei Landes-Sofortprogramme, verabschiedet Ende Juli, ermöglichen die Anschaffung weiterer Geräte für Lehrer und Schüler. Anträge dafür müssen bis Ende des Jahres gestellt werden. Sie sollen unter anderem für mobilen Unterricht eingesetzt werden - beispielsweise, wenn die Corona-Pandemie ganze Klassen in den Unterricht zu Hause zwingt.

Förderprogramm kam „sehr überraschend“

Das sei durchaus eine Herausforderung für die Stadtverwaltung, weil die Programme recht überraschend kamen, heißt es von Seiten der Stadt: „Die Schulverwaltung arbeitet jetzt mit Hochdruck an diesem Thema“, so Jürgen Grundmann, Leiter der Schulverwaltung. „Wir haben uns schnell mit den Schulleitungen ins Benehmen gesetzt, um die Rahmenbedingungen und Regularien festzulegen.“

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Sehr skeptisch äußert sich Robert Goelzner. Er ist der Sprecher der Stadtschulpflegschaft, in der die Elternpflegschaften aller Lüner Schulen vertreten sind. „Es ist gut, dass das Geld für die Endgeräte jetzt da ist, aber das Problem liegt doch darin, wer die Geräte jetzt ausstattet, sie wartet und den Lehrern das Know-How beibringt.“ Schon vor drei Jahren habe es eine Konferenz mit dem Titel „Digitalisierung 2020“ gegeben. „Und jetzt haben wir Corona und es ist noch immer nichts passiert. Und das ist ein Unding. Vieles wurde von der Schulverwaltung in den letzten Jahren verschlafen.“ Für diese Aufgabe brauche es mehr Personal in der IT-Abteilung der Stadt. Mehr als die aktuell zweieinhalb Stellen, von denen eine dauerhaft erkrankt sei. Der vergleichbar große Kreis Coesfeld habe fünf IT-Stellen.

„Schnellstmögliche Lösung“

Seiner Kenntnis nach könnten diese Stellen wegen des Haushaltssicherungsplans erst im kommenden April beantragt werden können. „Wir fordern also eine schnellst-mögliche Lösung für die IT-Betreuung in der Stadt Lünen und dass der Antrag dafür nicht erst durch den Ausschuss muss“, sagt Goelzner.

Elternvertretung

Stadtschulpflegschaft Lünen will sich neu ausrichten

Als engagierte Elterngemeinschaft, die mit der Stadtverwaltung und den Schulen eng zusammen arbeitet, möchte die Stadtschulpflegschaft Lünen (SSPL) in Zukunft einen besonderen Augenmerk auf die Grundschulen lege und darüber hinaus auch in Kooperation mit den Elternvertretern der Kindergärten treten. „Gerade die Corona-Situation hat uns wieder gezeigt, dass wir als Bindeglied fungieren möchten“ sagt SSPL-Sprecher Robert Goelzner. „Wir wollen einfach nichts verschlafen und schon frühzeitig anfangen.“

Am Ende werden in Lünen etwa 8.700 Geräte angeschafft sein. „Es mangelt nicht an Fördergeldern. Das Geld muss aber beantragt und verwaltet und die Geräte müssen gekauft und gewartet werden. Das weiß auch die Stadt“, heißt es von deren Seite. „Wir brauchen neben guten Konzepten natürlich auch Personal, um dieser Herausforderung zu begegnen“, sagt auch Michael Kuzniarek, der als Fachbereichsleiter bei der Stadtverwaltung für Personal, Organisation und IT zuständig ist. Er will als Sofortmaßnahme noch in diesem Jahr IT-Experten einstellen. Gegebenenfalls würden auch Supportleistungen eingekauft, so Kuzniarek. Ab dem Haushaltsjahr 2021 müssen die notwendigen Stellen und Finanzmittel dann fest eingeplant werden, damit die Schulen optimal ausgestattet und nachhaltig betreut werden können.

Robert Goelzner (42), Sprecher der Stadtschulpflegschaft Lünen, hat neben der Teilnahme an Auschüssen, Konferenzen oder persönlichen Gesprächen mit den Politikern als (Stief-)Vater von vier Kindern auch einen Einblick ins praktische Schulleben.

Robert Goelzner (42), Sprecher der Stadtschulpflegschaft Lünen, hat neben der Teilnahme an Auschüssen, Konferenzen oder persönlichen Gesprächen mit den Politikern als (Stief-)Vater von vier Kindern auch einen Einblick ins praktische Schulleben. © Kristina Gerstenmaier

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