Elefanten-Apotheke schließt: Zweiter Abschied ohne Nachfolge in Lünen

dzRuhestand

32 Jahre führte Dorothee Rugevics die Elefanten-Apotheke. Ende Mai verabschiedet sie sich in den Ruhestand. Es ist die zweite Lüner Apotheke innerhalb eines Jahres, die keine Nachfolge fand.

Lünen

, 11.05.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Apothekerin Dorothee Rugevics am 31. Mai in den Ruhestand geht und die Türen der Elefanten-Apotheke an der Bäckerstraße 3 in der Lüner Innenstadt für immer schließt, müssen sich die Stammkunden neu orientieren. „Ich bedaure das sehr“, formuliert die Apothekerin in einer Abschieds-Anzeige.

Im Oktober 1988 habe sie die Apotheke eröffnet und fast 32 Jahre mit Freude ihren Beruf als Apothekerin ausgeübt. Obwohl die Bedingungen im Laufe der Jahre durch „viele unsinnige gesundheitspolitische Entscheidungen“ nicht günstiger geworden seien, sei die Elefanten-Apotheke eine feste Größe in der Innenstadt geworden, heißt es weiter. Das sei nicht zuletzt dem engagierten und herausragenden Einsatz ihres Teams zu verdanken.

„Zehn Kerzen angezündet“

„Ich habe das Rentenalter erreicht und keinen Nachfolger gefunden“, erklärt sie auf Anfrage unserer Redaktion. Auch die Apotheke am Hauptbahnhof an der Münsterstraße 55 stand im letzten Jahr ohne Nachfolger da. Der Apotheker eröffnete neu in Bork und fand niemanden, der in Lünen weitermacht.

Eine große Schwierigkeit sei es, Personal zu finden, weiß Dagobert Ullrich, Sprecher der Lüner Apotheker. Er führt die Bären-Apotheke an der Münsterstraße 30. Als am 1. April seine Tochter Antonia Ullrich (27) als Apothekerin bei ihm anfing, habe er „zehn Kerzen angezündet“. Öffnungszeiten auch am Samstag, dazu Notdienste, da müsse man schon jemanden haben, der einen unterstütze. „Und der kommt nicht zum Tariflohn.“

Strikte Vorgaben erfüllen

Ein weiteres Problem sei die Apothekenbetriebsordnung. Darin gebe es strikte Vorgaben, wie die Räumlichkeiten zu sein hätten - mit unterschiedlichen Anforderungen an Klimaanlage und Kühlketten, Barrierefreiheit oder Diskretionsabstände. Ältere Apotheken hätten Bestandsschutz. Aber wenn jemand neu einsteige und die Apotheke abgenommen werden müsse, gelten die dann gültigen Vorgaben. Die Apothekenaufsicht käme mit dem Zollstock, „die gucken auf jeden Zentimeter“, weiß Ullrich. Da gebe es eine heftige Liste, die der Revision standhalten müsse. Auch das sorge dafür, dass Nachfolger Mangelware sind.

Kleinster Verkaufsraum

Um die 20 Apotheken gibt es in Lünen. Die Elefanten-Apotheke sei eine mit dem kleinsten Verkaufsraum, sagt Ullrich. Apothekerin Dorothee Rugevics spricht von vielen menschlichen Beziehungen, die sie vermissen werde. Sie freue sich aber auch auf einen neuen Lebensabschnitt mit mehr Zeit für ihr Enkelkind, Hobbies und Reisen.

Lesen Sie jetzt