Die Sparkasse schließt drei Filialen in Lünen

Pläne vorgestellt

Kurz nach der Fusion der Sparkassen Lünen und Werne zur Sparkasse an der Lippe hieß es noch: Wir werden uns nicht aus der Fläche zurückziehen! Am Dienstag, anderthalb Jahre danach, meldete die Sparkasse, dass bis 2020 in Lünen zwei Geschäftsstellen geschlossen werden und eine zu einer Selbstbedienungs-Filiale wird.

LÜNEN

, 05.09.2017, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Sparkasse schließt drei Filialen in Lünen

Die Sparkassen-Filiale Bebelstraße wird bis 2020 geschlossen.

„Wir werden uns nicht aus der Fläche zurückziehen“, hatte Vorstandsvorsitzender Thomas Lohmann nach der Fusion angekündigt. Nun kommt alles ganz anders. Einen Widerspruch sieht Lohmann darin nicht.

Zu den konkreten Plänen: Die Geschäftsstellen an der Mühlenbachstraße in Brambauer und an der Bebelstraße schließen. In Brambauer soll im Bereich Waltroper Straße dafür ein neuer Geldautomat entstehen. Die Geschäftsstelle in Beckinghausen an der Kamener Straße wird künftig nicht mehr personell besetzt sein – dort entsteht ein sogenannter Service-Point mit Geldautomaten.

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„Diese Standorte haben Entfernungen zu anderen Geschäftsstellen, die unter anderthalb Kilometern liegen“, erklärte Thomas Lohmann am Dienstag, „deshalb ziehen wir uns auch jetzt nicht aus der Fläche zurück.“ Man habe außerdem festgestellt, dass 45 bis 50 Prozent der Kunden dieser Geschäftsstellen schon regelmäßig andere Standorte nutzen.

Die Schließungen und Umbauten sind bereits mit Personalrat und Verwaltungsrat abgestimmt, beide haben zugestimmt. Am Dienstagabend wurden dann Politik und Verwaltungsvorstand der Träger-Kommunen informiert.

Auf einer Pressekonferenz am Dienstagvormittag erläuterten die Verantwortlichen auch die Gründe für die Umstrukturierung: Die Finanzwirtschaft stehe vor großen Herausforderungen, erklärte Vorstandsmitglied Heiko Rautert. Die niedrigen Zinsen, die Regulatorik, der Wettbewerb und – vor allem – die Digitalisierung. „Das ist auch Triebfeder für unsere Maßnahmen.“

Online-Banking immer populärer

Der durchschnittliche Privatkunde, erklärte Rautert, nutze 16 Mal im Monat die App, besuche die Sparkasse an der Lippe weitere zehn Mal per Internet, rufe aber nur zwei Mal im Jahr an und komme nur noch ein Mal im Jahr persönlich in die Filiale.

Diesem veränderten Kundenverhalten wird jetzt mit einem ausgedünnten Filialnetz Rechnung getragen. Aber, sagte Rautert: „Kundennähe wird künftig nicht mehr in Metern gemessen.“ Von den 85.000 Kunden der Sparkasse an der Lippe kommunizieren laut Rautert momentan 45 Prozent online mit der Bank.

Andere Filialen werden aufgerüstet

Bevor die Filialen geschlossen und umgebaut werden, werden andere Standorte aufgerüstet und modernisiert. Das gilt für die Paul-Bonnermann-Straße in Brambauer und die Jägerstraße in Lünen-Süd. Wie teuer das wird, ist noch nicht klar. Für alle Maßnahmen in Lünen, Selm und Werne rechnet Lohmann aber mit einem einstelligen Millionenbetrag.

Die übrigen Maßnahmen
In Selm zieht die Hauptstelle der Sparkasse von der Kreisstraße auf den Campus Süd. An der Kreisstraße bleibt nur ein Automatenstandort. Von der Filiale im Dorf soll ebenfalls nur ein „Servicepoint“ mit Geldautomaten bleiben.
In Werne wird die Hauptstelle modernisiert, zwei Standorte an Horster- und Stockumer Straße schließen.
Auch in anderen Städten der Region hat die Sparkasse zuletzt bekannt gegeben, Filialen zu schließen - zum Beispiel  lauten die Argumente ganz ähnlich.

Fixe Daten gibt es laut Vorstandsmitglied Martin Abdinghoff noch nicht. Zuerst starten die Umbauten in den Geschäftsstellen. „In Brambauer werden wir sehr kurzfristig beginnen“, sagte Abdinghoff, der Umzug könne schon in 2018 stattfinden. Bis 2020 soll alles fertig sein.

Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben, auch wenn sich der Stellenumfang bis 2020 wohl verringern wird, etwa wenn Mitarbeiter in Altersteilzeit gehen. Um wieviel sich die Anzahl bis 2020 verringern wird, konnte Lohmann am Dienstag noch nicht sagen. Momentan sind es 389. Mitarbeiter aus geschlossenen Geschäftsstellen werden auf die modernisierten und vergrößerten verteilt.

So sehen die Reaktionen aus:

„Das ist ein sehr großer Verlust“, sagte Ulrike Eul, Bereichsleiterin im Seniorenladen und damit direkte Nachbarin der Filiale an der Bebelstraße, auf Anfrage. „Hier leben sehr viele Senioren, die kommen zu den anderen Geschäftsstellen dann nur noch in Begleitung.

„Ein herber Rückschlag“, meint auch Sven Weber, Sprecher der Interessensgemeinschaft Beckinghauser Vereine. „Damit geht ein guter Ansprechpartner und Koordinator verloren.“ Die Vereine hätten die Räume der Sparkasse auch für Treffen genutzt. Ob das nach dem Umbau noch möglich sein wird, ist laut Abdinghoff noch nicht klar.

Martin Püschel ist Vorsitzender des Verwaltungsrates, also des kommunalen Kontrollgremiums. Der Prozess habe fast ein Jahr gedauert, sagte Püschel auf Anfrage. Die Entscheidung, Geschäftsstellen zu schließen, sei nicht einfach gewesen – aber das Gesamtkonzept habe überzeugt: „Der Verwaltungsrat habe ohne Gegenstimme zugestimmt.“ 

 

Unser Redakteur Marc Fröhling kommentiert das Thema wie folgt:

Viele werden es als Rückzug empfinden

Wenn ich ehrlich bin: Auf eine Bankfiliale in meinem Stadtteil kann ich persönlich verzichten. Wie oft ich in den vergangenen Jahren tatsächlich für ein Gespräch vor Ort war, das kann ich an einer Hand abzählen. Für die wenigen Male kann ich gerne auch ein paar Meter mehr zurücklegen. Das spricht vielleicht nicht für einen besonders klugen Umgang mit meinen Finanzen, es zeigt aber die Tendenz, auf die die Sparkasse reagiert: Die Zukunft ist digital, das kann auch ein Kreditinstitut nicht ignorieren.

Wahr ist aber auch: Nicht alle Kunden können so einfach ein paar Extra-Meter auf sich nehmen wie ich. Und: Nicht allen fällt der Umgang mit Apps und Internet so leicht wie meiner Generation.

Und auch wenn Thomas Lohmann betont, dass die Sparkasse sich weiter nicht aus der Fläche zurückzieht: Viele, vor allem ältere Menschen, werden es dennoch so empfinden. Zum Beispiel die im Umfeld der Geschäftsstelle Bebelstraße. Von dort zur nächsten an der Jägerstraße sind es zu Fuß 1,3 Kilometer. Das ist nicht viel, für gesunde junge Menschen. Aber eine Riesen-Strecke für viele, die nicht mehr so gut zu Fuß sind.

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