Gedenktag

„Die Dinge beim Namen nennen“ – Multikulturelles Forum zu Hanau

Vor einem Jahr tötete ein Mann in Hanau aus rassistischen Gründen zehn Menschen. Nun gilt es, zu erinnern und strukturellen Rassismus zu bekämpfen, fordert das Multikulturelle Forum Lünen.
„Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen“, das fordert auch das Multikulturelle Forum Lünen ein Jahr nach den Morden von Hanau. © picture alliance/dpa

Am 19. Februar 2020, also vor einem Jahr, ermordete der 43-jährige Tobias R. zehn Menschen in der hessischen Stadt Hanau und danach sich selbst. Die Menschen, die er tötete hatten einen Migrationshintergrund. Die Tat gilt als rechtsextremer Terror-Akt.

Das Multikulturelle Forum in Lünen hat zum Jahrestag der Morde von Hanau eine Stellungnahme veröffentlicht und möchte dabei besonders die Opfer der Tat in den Vordergrund rücken: Alle Opfer der Tat werden noch einmal genannt: Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin.

Den Opfern ein Gesicht zu geben, ihre Namen präsent zu machen und Betroffene und Hinterbliebene zu Wort kommen zu lassen, das sei genauso wichtig, wie endlich „die Dinge beim Namen zu nennen“ und über Rassismus zu sprechen, so das Multikulturelle Forum in der Mitteilung. Letzteres passiere ja bereits seit einiger Zeit in Medien und Politik und sei ein wichtiger Schritt.

Grenzen des Sagbaren werden überschritten

Allerdings müsse das strukturelle Problem noch stärker in den Blick genommen werden. „Doch noch immer ist ein weiter Weg zu gehen: Noch immer ist viel zu oft die Rede von ‚Einzeltaten‘, die Kontinuität und das Ausmaß des Problems wird noch zu häufig verkannt. Noch immer werden rassistische Äußerungen als hinnehmbar und Rassismuserfahrungen als Befindlichkeiten deklariert“, heißt es in dem Schreiben und weiter: „Rechte und rechtspopulistische Stimmen sind noch immer laut und überschreiten wiederholt die einst geltenden Grenzen des Sagbaren. Der gesellschaftliche Kontext, in dem rassistische Haltungen zu Handlungen werden, ist noch immer aktuell.“

Gerade mit Blick auf den Umgang mit den Überlebenden und Hinterbliebenen des Anschlags in Hanau würden Erinnerungen an den NSU-Komplex wach, heißt es weiter.

„Auch die Versäumnisse und Unklarheiten in der Aufarbeitung des Anschlags wecken Befürchtungen, das eine umfassende Aufklärung erneut ausbleiben könnte. Deshalb schließen wir uns den Angehörigen, Überlebenden und Betroffenen des Anschlags, die sich zur Initiative 19. Februar Hanau zusammengeschlossen haben, an und teilen ihre Forderungen: Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen.“

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