Mit insgesamt neun Tiefladern wird der KMC1600S nach Lünen transportiert. Wann der Abbruchbagger eintrifft, ist aufgrund des Wetters noch unklar. © Kiesel / Hagedorn
Steag-Kraftwerk

Deutschlands größter Abbruchbagger auf dem Weg nach Lünen

Immer wieder wurde die Premiere von Deutschlands größtem Abbruchbagger auf dem Gelände des ehemaligen Steag-Kraftwerks verschoben. Doch jetzt ist der KMC1600 auf dem Weg nach Lünen.

Die Hagedorn-Gruppe spricht von einem „Mega-Schwertransport“ – bei 230 Tonnen Gewicht und neun Tiefladern ist das wohl angemessen: Am späten Sonntagabend (7. Februar) machte sich der KMC1600S, den das Gütersloher Unternehmen als „Deutschlands größten Abbruchbagger“ vorstellt, auf den Weg nach Lünen. Wann er genau am ehemaligen Steag-Kraftwerk eintrifft, ist aufgrund der schwierigen Wetterbedingungen noch unklar.

Insgesamt 730 Kilometer muss der Koloss zurücklegen. Startpunkt war das Firmengelände der Kiesel GmbH in Geisingen, Baden-Württemberg. Die Firma hatte den Bagger eigens für die Hagedorn-Gruppe entwickelt, wie es in einer Mitteilung heißt. Von Geisingen geht es über Stuttgart, Darmstadt, Frankfurt und Koblenz weiter nach Nordrhein-Westfalen. In Lünen wird der Bagger dann seine Premiere feiern.

Der KMC1600S wurde in Baden-Württemberg gebaut und legt nun mehr als 700 Kilometer nach Lünen zurück.
Der KMC1600S wurde in Baden-Württemberg gebaut und legt nun mehr als 700 Kilometer nach Lünen zurück. © Kiesel / Hagedorn © Kiesel / Hagedorn

„Seit 28 Jahren arbeite ich jetzt schon in der Logistikbranche, aber einen Transport in dieser Größenordnung habe ich noch nicht organsiert“, wird Hagedorn-Verkehrsleiter Manfred Hüsten in der Mitteilung zitiert. „Nachdem ich die Transportgenehmigung beim Kreis beantragt hatte, musste dieser noch 17 weitere Unterbehörden für die Strecke anfragen, bis die Genehmigung durch war.“

Um die Rheinbrücke bei Düsseldorf passieren zu dürfen, führt die Polizei laut Hagedorn zum Beispiel zeitweise eine Komplettsperrung durch. Weil nicht alle Wege passierbar sind, muss die insgesamt neunköpfige Truppe einen Umweg von 200 Kilometern mit einrechnen. „Die Auflage legt außerdem fest, dass der Transport nur zwischen 22 und 6 Uhr durchzuführen ist“, heißt es weiter.

771 PS für Abrissarbeiten in 60 Metern Höhe

Das Grundgerät, Fahrwerke, Ausleger und die Anbauteile verteilen sich auf die insgesamt neun eingesetzten Tieflader. Der schwerste davon kommt auf ein Gesamttransportgewicht von 130 Tonnen.

Vor Ort in Lünen wird der 771 PS starke KMC1600S dann in bis zu 60 Metern höhe Abrissarbeiten vornehmen können – laut Hagedorn steigt das Gesamtgewicht des Baggers dann auf mehr als 300 Tonnen, weil unter anderem allein die Anbauwerkzeuge zusätzliche 25 Tonnen wiegen können. Die Reißkraft des Baggers beziffert das Unternehmen auf 324 Kilonewton. Ein Kilonewton entspricht etwa rund 100 Kilogramm Gewicht.

Das neunköpfige Transportteam muss 200 Kilometer Umweg in Kauf nehmen, da die Tieflader nicht alle Straßen passieren können.
Das neunköpfige Transportteam muss 200 Kilometer Umweg in Kauf nehmen, da die Tieflader nicht alle Straßen passieren können. © Kiesel / Hagedorn © Kiesel / Hagedorn

Ende 2019 hatte die Hagedorn-Gruppe das alte Kohlekraftwerk von der Steag erworben. Mittlerweile ist der Rückbau in vollem Gange, aktuell sind rund 40 Maschinen und 100 Arbeiter an der Moltkestraße im Einsatz.

Am Ende soll die Fläche als neues Gewerbe- und Industriegebiet entwickelt werden. Zuvor ist die Sprengung des Schornsteins, des Kesselhauses und des Kühlturms notwendig. Die vorbereitenden Arbeiten dazu soll auch der KMC1600S ausführen.

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Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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