Vor dem Amtsgericht bekam ein 33-jähriger Lüner noch eine letzte Chance. © Goldstein (A)
Gerichtsprozess

Den Halt verloren: 33-jähriger Lüner wollte sich mit Drogen „wegballern“

Sein Leben geriet aus den Fugen, ein Lüner (33) betäubte sich mit Drogen. Bei einem Einsatz stieß die Polizei auf seinen Vorrat an verbotenen Substanzen. Das brachte ihn auf die Anklagebank.

Den Betäubungsmitteln hatte der Mann aus Lünen an sich schon seit längerer Zeit entsagt. Doch dann gab es Probleme und er verlor immer mehr den Boden unter den Füßen. In der Situation, trotz laufender Bewährung, ließ er sich von „Freunden“ überreden, das neue Jahr 2020 mit Ecstasy und Amphetamin zu begrüßen.

Offenbar erwarb er größere Mengen, konsumierte fleißig und übertrieb schließlich. Am frühen Morgen des 5. Januar 2020 versetzte er seine Nachbarn in Panik. Die verständigten die Polizei, weil er durchgehend schrie und Schmerzenslaute von sich gab, er sich also augenscheinlich in einer hilflosen Lage befand. Die Beamten fanden ihn letztlich auf dem Boden seiner Küche – verwirrt, nackt und mit einer Blutspur neben sich. Und das war nicht die einzige Entdeckung der Polizisten: Sie stießen auf fast 13 Gramm Amphetamin und nahezu 20 Gramm Ecstasy.

Unerlaubter Drogenbesitz wurde dem Lüner nun in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht vorgeworfen. Er überließ das Reden zunächst seinem Verteidiger. Der räumte das Ganze in seinem Namen ein und berichtete, wie sein Mandant, eigentlich, was Drogen betreffe, alles im Griff gehabt habe. Massive Schwierigkeiten und die Überredungskünste der Freunde hätten das zunichte gemacht. „Das hat ihn in ein Loch gezogen. Da hat er sich breitschlagen lassen. Er hat sich einfach wegballern wollen an dem Abend. Im Nachhinein völlig bekloppt.“

Aus altem Umfeld gelöst

Mittlerweile sei der 33-Jährige ganz bewusst aus Lünen weggezogen, habe sich aus seinem alten Umfeld gelöst, habe eine Arbeit und eine Partnerin gefunden, sei clean. Der Angeklagte selbst zeigte sich überzeugt, dass er hinsichtlich der Drogen auch keine Hilfe benötige. Die Richterin verbarg ihre Zweifel nicht und konterte bei allem Verständnis für die damalige Lage des Lüners: „Das ist alles kein Grund, wieder Drogen zu nehmen.“ Sie riet dem 33-Jährigen, doch noch einmal über Hilfestellungen nachzudenken.

Eine letzte Chance

Die desaströse Situation des Angeklagten zur Tatzeit, sein offenes Geständnis und die Bemühungen, sein Leben wieder in den Griff zu kriegen, standen letztlich seiner einschlägigen Vergangenheit und laufender Bewährung gegenüber. „Sie wussten auch, was auf dem Spiel stand“, kommentierte die Richterin. Dennoch erhielt der Lüner eine letzte Chance: sechs Monate Haft auf Bewährung. Auch wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

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