Willi Baecker (r.) und das Team im Tiffany. © Baecker
Geschichte

Das „Tiffany“: Erinnerungen an Lünens legendäre Disco

Ein Pferd auf der Tanzfläche, Wodka für eine Mark und eine aus Eifersucht erschossene Kellnerin. Wir haben mit dem Inhaber über die legendäre Diskothek und ihre Geschichte gesprochen.

Hunderte Bilder und sein Gedächtnis bringt Willi Baecker mit zu einem Treffen, um über das Tiffany zu sprechen. 20 Jahre lang hat er die Disco begleitet, Trends kommen und gehen sehen und fast jeden Lüner mal an seinem Tresen gehabt.

Willi Baecker hat das „Tiffany“ von 1972 bis 1992 betrieben. Besonders heiß ging es immer an Karneval zu. „Wir haben um 11 Uhr angefangen, Ende offen“, erzählt der heute 77-Jährige. Auf den alten Bildern sieht man verkleidete, lachende Menschen in abenteuerlichen Kostümen und klassischen Frisuren der 70er- und 80er-Jahre.

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Karneval in Lünens Diskothek Tiffany

Zu Karneval gehört in der Region auch die Bacchus Beerdigung, diese durfte natürlich auch im Tiffany nicht fehlen. Die symbolische Beerdigung der Strohpuppe am Aschermittwoch war immer ein besonderer Tag für Willi Baecker und sein Team. Michael Gresch mimte damals den Pfarrer. Willi Baecker hat viele Fotos aus der Zeit um Karneval. Neben den rauschenden Partys der Erwachsenen gab es auch eine Kinderparty.

Tiere auf der Tanzfläche

In einer Kneipe wie der „Tiffany“ ging es natürlich auch mal heiß her. Auf einer Silvesterparty schob sich eine Stripperin in Federboa durch die Partygäste. Jeden Dienstag gab es von 8 bis 24 Uhr ein Wodka-Spezial. Vier Jahre lang gab es die Aktion und den Wodka an diesem Abend für eine Mark. Da konnte es ordentlich voll werden, erzählt Willi Baecker: „Wir haben immer den Durchgang an Gästen gezählt. An einem dieser Dienstagabende hatten wir 472 Gäste auf 140 Quadratmetern. Das muss man sich erst mal vorstellen.“

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Wilde Party im Tiffany: Lünens Discoszene

Nicht nur bei den Menschen war das Tiffany beliebt. Auf einem Foto aus dem März 1981 steht ein Pferd mitten in der Disco. Der Lüner Jochen Meintz hatte sein Pferd dabei und wollte es nicht draußen stehen lassen. Kurzentschlossen holte man das Pferd also einfach in die Disco. Nicht die einzige tierische Geschichte aus dieser Zeit. Auch ein Schwein war einmal bei einer Feierlichkeit auf die Tanzfläche geraten.

Einfach auf das Auto geschossen

1972 kam es in Zusammenhang mit dem Tiffany zu einem Verbrechen. Eine Kellnerin des Lokals war von ihrem Freund von der Arbeit abgeholt worden. Auf dem Weg nach Hamm seien sie dann von zwei Lünern verfolgt worden. „Die haben dann einfach in das Auto geschossen. Der Freund war tot, aber sie hat überlebt“, erzählt Willi Baecker. Alles sei aus Eifersucht passiert. Heute sind beide Täter nach verbüßter Strafe wieder in Freiheit.

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Flyer, Wertmarken, Artikel – Zeitzeugen aus dem Tiffany

Auch Modenschauen hat es im Tiffany gegeben. Das Sporthaus Lange hat sie veranstaltet und wie auf einem richtigen Laufsteg liefen die Models zwischen den Gästen hin und her. Willi Baecker: „Das war natürlich eine dolle Sache.“ In der Kneipe haben sich gerade bei solchen Veranstaltungen viele prominente Lüner die Klinke in die Hand gegeben. Viele sind heute immer noch als Ärzte, Veranstalter oder Restaurantbesitzer in der Stadt bekannt.

Ihre eigene Disco-Geschichte

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Nicht immer hatte die Bar „Tiffany“ geheißen. Nach Umbauarbeiten wurde die Disco zwischenzeitlich in „Cat Ballou“ umbenannt. Inspiriert wurde der neue Name von dem Westernfilm „Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming“. Mitgebracht hatte Willi Baecker den Namen aus seiner Jugend in Stockholm. Dort gab es damals mehrere Diskotheken, die diesen Namen trugen.

Allein hat er das Tiffnay nicht geleitet. Seine damalige Freundin Rosi war Mitinhaberin und sein Bruder Löns Baecker hat 16 Jahre lang in der Diskothek aufgelegt. Willi Baecker erinnert sich heute noch an die Namen aller, die mal bei ihm gearbeitet haben.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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