„Critical Mass“ in Lünen ist zurück aus der Corona-Pause

dzRadverkehr

Knapp 30 Radfahrende trafen sich am Freitag (25. September) auf dem Marktplatz für eine Tour durch Lünen. Dafür nutzten sie wieder eine spezielle Regelung der Straßenverkehrsordnung.

Lünen

, 26.09.2020, 16:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die erste Lüner „Critical Mass“ im Jahr 2020 setzte sich um 17.05 Uhr in Bewegung. Fast 30 Personen starteten am Freitag zu einer gemeinsamen Radtour durch die Stadt. Welche Strecke gefahren wird, wusste vorab – wie immer – niemand der Teilnehmenden.

„Sinn der Aktion ist es, darauf hinzuweisen, dass Radfahrer auch Teil des Straßenverkehrs sind“, erklärt Theo Freihold vom ADFC den Gedanken hinter der Radtour, die in Lünen von Mai bis September jeden letzten Freitag im Monat stattfindet. Auch er fährt regelmäßig mit.

Aufgrund der Corona-Pandemie war es in diesem Jahr die erste Critical Mass, die stattfinden konnte. Etwa 90 Minuten dauern die Touren. Dabei werden üblicherweise zehn bis 15 Kilometer auf den Straßen in Lünen zurückgelegt. „Es sind alle Altersgruppen dabei, auch Familien mit Kindern“, begründet Freihold das eher gemäßigte Tempo.

Theo Freihold (r.) und Dirk Schumann vom ADFC nehmen regelmäßig an der Lüner Critical Mass teil.

Theo Freihold (r.) und Dirk Schumann vom ADFC nehmen regelmäßig an der Lüner Critical Mass teil. © Dennis Görlich

Welche Route gefahren wird, entscheiden die Personen an der Spitze der Gruppe meist spontan. „Das ist immer jemand anderes“, verrät Theo Freihold. Mit der Folge: „Man weiß vorher nicht, wo es hingeht.“

Diesmal wurden die großen Straßen in Nordlünen und der Innenstadt angefahren. Aufgrund der Teilnehmerzahl auf besondere Art.

Fahrrad-Gruppe gilt als ein Fahrzeug

Bei mehr als 15 Radfahrenden kann die „Kritische Masse“ laut Straßenverkehrsordnung einen Verband bilden. Die Fahrrad-Gruppe gilt dann als ein Fahrzeug. Das heißt auch: Passiert das erste Fahrrad eine Ampel bei Grün, dürfen alle anderen Räder folgen – auch, wenn die Ampel zwischenzeitlich auf Rot springt.

„Man sollte dann aber schon zusammen bleiben“, so Theo Freihold. Ansonsten kann es gefährlich werden. Vielen Verkehrsteilnehmenden ist diese Regelung nämlich nicht bekannt.

Manche werden laut Freihold dann schnell ungeduldig, wenn sie warten müssen. Dann komme es auch zu unerlaubten Fahrmanövern. Gleichzeitig gebe es immer mehr Menschen, die Verständnis für die Aktion zeigen.

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Auch Polizisten kannten Regelung nicht

Doch selbst die Ordnungshüter wüssten nicht immer über die Verband-Regelung Bescheid, berichtet Theo Freihold. „Bei der ersten Critical Mass kannte auch die Polizei den Passus nicht.“ Die erste „Kritische Masse“ radelte in Lünen im Jahr 2015 durch die Stadt – und wurde schnell von der Polizei begleitet.

Die Beamten mussten daraufhin von den Radfahrenden über die Rechtmäßigkeit der Aktion aufgeklärt werden. Seitdem habe es aber keinerlei Probleme mehr gegeben. Im Gegenteil: „Einmal wurden wir von einem Motorrad-Polizisten begleitet“, erzählt Freihold. „Dann fühlt man sich schon sicherer.“

Dieses Mal kamen die Teilnehmenden aber auch ohne Polizeibegleitung sicher zurück zum Marktplatz. Nach 80 Minuten und 15 Kilometern.

In Paragraph 27 der Straßenverkehrsordnung (StVO) heißt es: „Mehr als 15 Rad Fahrende dürfen einen geschlossenen Verband bilden. Dann dürfen sie zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren. [...] Geschlossen ist ein Verband, wenn er für andere am Verkehr Teilnehmende als solcher deutlich erkennbar ist.“
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