Das Vereinsleben steht still, es gibt keine Eintrittsgelder – wenn ein Verein aus Südlohn oder Oeding finanzielle Mehrbelastungen durch die Corona-Pandemie zu stemmen hat, kann er einen Zuschuss von der Gemeinde beantragen (Symbolfoto). © dpa
Sport in Lünen

Coronavirus: Gibt es den befürchteten Mitgliederschwund bei Lüner Sportvereinen?

Seit über einem Jahr zwingt die Corona-Pandemie Sportler immer wieder zu Pausen. Wirkt sich das tatsächlich negativ auf die Mitgliederzahlen aus? Dazu gibt es nun belastbares Material.

Als die Corona-Pandemie im März 2020 erstmals den Amateursport lahmgelegt hatte, dauerte es nicht lange. Schnell gewannen die ersten Rufe an Lautstärke, der Stillstand würde einen echten Mitgliederschwund auslösen.

Gut ein Jahr ist das nun her. Im Sommer des vergangenen Jahres waren zwischenzeitlich die allermeisten sportlichen Aktivitäten wieder möglich. Seit Herbst steht der Sport allerdings wieder weitgehend still. Ein guter Zeitpunkt, um zu überprüfen, ob der überdurchschnittliche Mitgliederverlust wirklich eingetroffen ist.

Sportvereine in Lünen verlieren fast 2000 Mitglieder seit 2010

Wichtig ist zunächst: Sportvereine haben auch schon vor der Corona-Pandemie mehr Mitglieder verloren, als sie neu hinzugewonnen haben. Von 2010 bis 2019 zählte der Stadtsportverband Lünen (SSV) einen Rückgang von 1.942 Mitgliedern in seinen Vereinen.

Ein Minus von fast neun Prozent in Relation zum Ausgangswert des Jahres 2010, 21.798 Mitglieder. Das und die weiteren Zahlen gehen aus den Statistiken des Kreissportbundes Unna (KSB) hervor, die dieser Redaktion vorliegen.

Alleine im Jahr 2020 verloren die Vereine des SSV zusätzlich 999 Mitglieder gegenüber dem Vorjahr. Es ist mit Abstand der größte Verlust innerhalb eines Jahres seit 2010. Der Unterschied ist so deutlich, dass ein Einfluss der Pandemie kaum zu leugnen ist.

Das schlägt sich besonders im Anteil der Einwohner nieder, die Mitglied eines Sportvereines der Stadt Lünen sind. Nur dieser Wert, der die Einwohnerzahl einbezieht, macht die Mitgliederzahlen der verschiedenen Jahre miteinander vergleichbar.

Mehr Männer als Frauen kehren Sportvereine den Rücken

Mit einem Minus von 1,13 Prozent verzeichneten die Vereine im Jahr 2020 auch hier den größten Verlust der vergangenen zehn Jahre. 21,83 Prozent der Lüner Bevölkerung waren 2020 Mitglied eines Lüner Sportvereins. Zwei Mal war dieser Wert seit 2010 sogar geringfügig gestiegen.

Dabei haben die Vereine etwas mehr Männer und Jungen (531) als Frauen und Mädchen (468) im Vergleich zu 2019 verloren – obwohl in Lünen etwas mehr Frauen als Männer leben (Stand: 2019). Die Anzahl der Vereine sank um einen Klub – von 99 auf 98.

Besonders auffällig: Rund die Hälfte der 999 verlorenen Mitglieder entfallen dabei auf die Gruppe der bis zu 18 Jahre alten Mitglieder. 442 Sportlerinnen und Sportler verloren die Vereine dort im Vergleich zu 2019 – nachdem sie im Jahr zuvor noch einen Anstieg von rund 200 jungen Menschen verzeichnen durften.

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freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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