So wie hier sollte es während der ersten Coronavirus-Welle bundesweit aussehen. Ein Rückblick auf den Tag, an dem die Pandemie den Amateursport erfasste. © dpa
Coronavirus

Coronavirus erfasst den Amateursport: Vor einem Jahr überschlugen sich die Nachrichten

Genau ein Jahr ist es her, dass das Coronavirus erstmals Auswirkungen auf den Amateursport hatte. Ein Einblick in den Redaktionsalltag, der an diesem Tag keiner war.

Was den Sport angeht, war die zweite März-Woche des Jahres 2020 wohl die dynamischste der gesamten bisherigen Corona-Pandemie. Auch die Sportredaktion der Ruhr Nachrichten erlebte den wohl wahnwitzigsten Tag der jüngeren Vergangenheit. Ein Blick hinter die Kulissen.

Anfang der Woche tobte die Diskussion, ob das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke am Samstag (14. März) ohne Zuschauer ausgetragen werden solle. Als am Dienstag genau das beschlossen wurde, reagierte der Großteil der Fans mit Unverständnis. Das Coronavirus war noch nicht im Bewusstsein der Menschen angekommen. Einige Tage später hatte sich das geändert.

In der Champions League spielte der BVB unter der Woche schon vor den leeren Rängen des Pariser Prinzenparks. Dass das neuartige Coronavirus, dessen Langfristigkeit damals nur wenige einschätzen konnten, bald auch Auswirkungen auf den Amateursport haben könnte, schien noch sehr weit weg.

Ruhr Nachrichten beginnen den Tag gewöhnlich

Und so begann der Donnerstagmorgen des 12. März 2020 recht gewöhnlich. Ich traf Patrick Schröer, damals noch Sportredakteur der Ruhr Nachrichten in Lünen, kurz vor Dienstbeginn. Patrick hatte frei, ich vertrat ihn – so der Plan. Ein entspanntes Frühstück, bei dem wir über mögliche Themen für die nächste Zeit sprechen, das hatten wir uns vorgenommen. Zur Begrüßung verzichteten wir auf den üblichen Handschlag. Es bahnte sich etwas an.

Trotzdem schien es noch überhaupt nicht absehbar, dass wir beide am Ende des Tages jeweils zehn Stunden statt der regulären acht Stunden durch einen Mitarbeiter abgerissen haben sollten. Doch anders wäre die Nachrichtenflut, die der Beginn der ersten Corona-Welle mit sich brachte, nicht für den Leser aufzubereiten gewesen.

Dass wir gegen Mittag den Wechsel einer Identifikationsfigur von Westfalia Wethmar zum Rivalen BW Alstedde veröffentlichten, war wenige Stunden später völlig egal. Schon am Vormittag schien das Pokalspiel des Lüner SV gegen den TuS Bövinghausen in der Schwebe. Etwas Konkretes wusste da noch niemand. Mit einer beginnenden Pandemie hatte schließlich noch kein Verantwortlicher zutun gehabt.

Als wenig später feststand, dass zumindest die Lüner Vereine, die dem Fußballkreis Dortmund angehören, am Wochenende ohne Zuschauer spielen würde, forderten schon einige Klubs, den Spielbetrieb vorerst besser ganz auszusetzen. Covid-19 hatte sich in den vergangenen Tagen gehörigen Respekt verschafft.

Es hagelte Absagen

Im Verlaufe des Nachmittages entschlossen sich andere Sportverbände dazu, noch deutlicher auf das bald omnipräsente Virus zu reagieren. Der Handballverband Westfalen beendete mit sofortiger Wirkung die Saison im Jugendbereich und setzte den Spielbetrieb für die Senioren aus. Der Kreis Hellweg zog kurz nach.

Anschließend unterbrachen fast alle Hallensportarten den Spielbetrieb und sagten die geplanten Meisterschaftsspiele am Wochenende ab. Sportjournalisten telefonierten beinahe ununterbrochen, das Mailpostfach durchlebte einen Belastungstest. Zugegeben: Als Journalist empfindet man solche Momente nicht als Belastung. Man ist im Tunnel.

Die Lage entwickelte sich binnen weniger Stunden mit solch einer Ernsthaftigkeit, dass auch der Fußball zum Handeln gezwungen schien. Schließlich sind hier die mit Abstand meisten Sportler aktiv. „Stoppt endlich den Spielbetrieb im Amateurfußball“, kommentierte diese Redaktion noch am Abend. Eine Überschrift, die zeigt, wie konsensual die Verbände sportartübergreifend an diesem Tag handelten.

FLVW zog am Freitag nach

Nur der Fußball lies eben noch auf sich warten. Auch über den Donnerstagabend hinweg hielten der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) und der Kreis Dortmund am Geisterspiel-Konzept fest. Der Lüner SV absolvierte tatsächlich noch sein Pokalspiel in Dortmund.

Am Freitagmittag dann zog der FLVW nach. Der Spielbetrieb im Amateurfußball wurde bis zum 19. April ausgesetzt. Wenige Tage später war selbst vom Trainingsbetrieb keine Rede mehr. In der Sportredaktion bahnte sich nun an, dass bald Ruhe einkehren würde. Eine beängstigende Ruhe.

Über den Autor
freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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