Coronavirus: Bestatter muss wegen Fehlinformation in Quarantäne

dzMarienhospital

Ein Bestattungsunternehmen holt eine Verstorbene aus dem Krankenhaus ab. Einen Tag später kommt der Anruf: Die Tote war mit dem Coronavirus infiziert. Deren Sohn widerspricht. Was nun?

Lünen

, 03.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich war alles Routine für Carsten Strauß und seine Mitarbeiter: Der Bestattungsunternehmer holte die Leiche einer verstorbenen Frau aus dem Marienhospital in Lünen ab. Das war laut seiner Aussage am Donnerstag (26.3.). „Auf dem Totenschein stand, dass die Frau nicht infektiös gewesen war.“ Auch im Krankenhaus selber habe man betont, dass der Todesfalls nicht mit dem Coronavirus zu tun hatte.

Am späten Samstagvormittag (28.3.) jedoch sei der Anruf aus dem Marienhospital gekommen. Der änderte für Strauß und die beiden Mitarbeiter, die mit dem Fall zu tun hatten, alles: „Eine Stationsschwester erklärte mir, dass der Corona-Test bei der Frau doch positiv war.“

Test und freiwillige Quarantäne

Das heißt zwar nicht, dass die Frau auch an dem Virus gestorben ist. Für den Bestatter und die Mitarbeiter bedeutete es jedoch, sich umgehend testen zu lassen.

Anschließend begaben sich die drei in freiwillige Quarantäne. „Wir haben den Dienstplan geändert“, sagt der Bestatter. „Aber zu den Problemen in meinem Unternehmen kommt ja auch noch die Ungewissheit.“

Nun hätte man an dieser Stelle sagen können: das ist in der Corona-Krise der übliche Lauf der Dinge. Doch dann rief am Montagmorgen der Sohn der Verstorbenen bei Strauß an und beteuerte, dass seine Mutter nicht infektiös gewesen sei.

Gerüchte über Corona-Infektion von Mitarbeitern

Der Bestatter rief im Marienhospital an - und tatsächlich: „Doch kein Corona.“ Es hätte wohl Gerüchte gegeben, dass sich ein Krankenhaus-Mitarbeiter mit dem Virus infiziert habe.

Das wiederum habe zu „einigen Turbulenzen im Krankenhaus geführt“, wie sich Strauß an das Gespräch erinnert. Dadurch solle die vermeintliche Fehlinformation entstanden sein.

Keine Stellungnahme zu einzelnen Fällen

Zu einzelnen Fällen will Bernhard Balmann, Verwaltungsdirektor des Marienhospitals, auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Was das allgemeine Verfahren mit Verstorbenen angehe, „gibt es klare Richtlinien des Robert-Koch-Instituts, an die wir uns halten und die mit den Bestattern auch abgesprochen sind“. Dazu gebe es ohnehin regelmäßigen Austausch.

Was die angebliche Ansteckung mit Covid-19 angeht, hatte Geschäftsführer Axel Weinand gegenüber unserer Redaktion bereits erklärt, dass man schon seit geraumer Zeit Mitarbeiter habe, die Kontakt zu Corona-Infizierten im privaten Umfeld hatten, oder Urlaubsrückkehrer sind: „Auch unsere Mitarbeiter sind soziale Wesen.“

Carsten Strauß hat mit den abgesprochenen Verfahren auch keine Probleme - ebensowenig stellt er in Frage, dass die Mitarbeiter im Krankenhaus unter besonderem Druck stehen. Aber: „Was mich ärgert ist die Krisenkommunikation - und dass sich vom Krankenhaus keiner für den Fehler entschuldigt hat.“

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