Kaum hat die Schule begonnen, mussten die ersten Kinder schon wieder in Quarantäne geschickt werden. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Infektionsgeschehen

Coronafälle an Lüner Schulen: Große Sorge vor erneuter Schließung

Wie in Lünen insgesamt, so steigt auch die Zahl der Corona-Neuinfektionen an den örtlichen Schulen rasant an. Das löst bei vielen Beteiligten Panik vor einer erneuten Schulschließung aus.

Seit eineinhalb Wochen läuft an den 23 Lüner Schulen der Unterricht wieder. Und schon sind 80 Schüler (Stand: Donnerstag, 26.8.) für insgesamt 14 Tage in Quarantäne. Elf Schulen sind betroffen und 18 Schülerinnen und Schüler mit dem Coronavirus infiziert. „Dabei handelt es sich um eine bunte Mischung aller Schulen“, sagt Max Rolke, Sprecher des Kreises Unna: Gesamtschulen, Grundschulen, das Lippe-Berufskolleg, Realschulen sowie eines der beiden Gymnasien sind betroffen. Zum Vergleich: In Selm ist eine Schule mit einem Fall und acht Quarantänen betroffen, in Unna sechs Schulen mit drei Fällen und 28 Quarantänen.

Doppelt so viele Fälle in zwei Tagen

Dabei gibt es einen sprunghaften Anstieg der Infektionen. Noch zwei Tage zuvor, am Dienstag, 24. August, meldete der Kreis Unna neun bestätigte Fälle an sieben Lüner Schulen und 36 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne. Somit hat sich allein die Zahl der infizierten Schülern innerhalb von zwei Tagen verdoppelt.

In vielen Schulen löst diese Nachricht Unruhe aus. Iris Lüken, Leiterin der Overbergschule und Sprecherin der Lüner Grundschulleiter, erklärt im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten: „Ich habe keine Gesundheitssorge, aber ich habe große Angst, was den Schulbetrieb angeht. Wir haben viele Schüler mit besonderen Bedürfnissen. Das Schlechteste, was den Kindern passieren kann, ist, dass die Schulen wieder schließen.“

An ihrer Schule gab es seit Beginn des Schuljahres bisher einen Fall. Fünf weitere Kinder sind aktuell in Quarantäne und werden mit Aufgaben versorgt. Ähnliches hört sie aus anderen Lüner Grundschulen. Den Schulbetrieb in Präsenz weiter aufrecht zu erhalten, wird zu einer Herausforderung. „Luftfilter zum Beispiel können nicht die einzige Idee sein, würden aber den Unterricht deutlich erleichtern“, sagt Iris Lüken. Im vergangenen Winter hätten die Kinder unter wirklich schwierigen Bedingungen lernen müssen: Dick eingepackt vor offenen Fenstern. „Es wäre schön, wenn sich jemand mit der Verbreitung der Viren beschäftigen könnte“, wünscht sich die Leiterin. „Außerdem macht mir die Reaktion auf die Entwicklung Sorge, diese nicht belegbaren Erfahrungsberichte, die Ängste schüren“, so die Schulleiterin.

Auch an der Ludwig-Uhland-Realschule (LUR) gibt es bisher nur einen positiven Corona-Fall, dazu acht Schüler in Quarantäne. „Die wöchentlichen Testungen geben uns eine gewisse Sicherheit, so dass die Schülerinnen und Schüler sich keine Sorgen machen müssen“, kommentiert Benjamin Müller, Leiter der LUR. „So kann ich mit dem Geschehen gut leben.“ Dabei hofft auch er „inständig, dass es keine weiteren Schulschließungen geben wird“.

Eltern bemängeln fehlende Konzepte

Lüner Eltern reagieren besorgt und in Teilen emotional auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens zum Schulstart. Fast alle empfinden den Gedanken an erneuten Distanzunterricht erschreckend: „Wir sind zum Glück noch nicht persönlich betroffen, aber ich habe zwei befreundete alleinerziehende Mamas, die involviert sind“, sagt Jennifer Stritzel, Mutter von zwei Kindern im Alter von fünf und elf Jahren. „Das war natürlich absehbar, da die Urlaubsrückkehrer ohne weiteres nach fünf Tagen in die Schule durften“, sagt die 38-Jährige. „Die Kinder hätten vor Schulbeginn einen negativen Test vorweisen müssen.“

Außerdem findet sie das Konzept, nach dem das Gesundheitsamt entscheidet, welche Kinder im Umfeld eines Infizierten in Quarantäne müssen „unlogisch“. Angst vor einer Ansteckung hat sie nicht, aber davor, dass den Kindern eine normale Schulzeit genommen wird: „Es ist erschreckend und traurig was mit den Kindern gemacht wird. Ich denke dass gerade in den Schulen und bei den Kindern ein ganzheitliches, vernünftiges, erklärbares Konzept fehlt.“

Schulinfektionen analog zur Gesamtbevölkerung

Susann Bittner ist Mutter von zwei Töchtern, von denen die jüngere gerade eingeschult wurde, die ältere in die dritte Klasse geht. Auch sie sagt: „Meine größte Angst ist eine erneute Schulschließung.“ Bei der älteren Tochter hatte die Schulzeit damit angefangen, dass im zweiten Halbjahr der ersten Klasse Corona kam. „Richtig geregelt hatte die Schule das nicht“, berichtet die Mutter. „Ich wünsche, dass meiner Kleinen das erspart bleibt.“

Aber natürlich habe man auch Angst, dass die Kinder sich anstecken und es kein milder Verlauf ist. „Die Kinder haben genug versäumt und mussten auch genug zurück stecken“, kommentiert eine andere Mutter von zwei Kindern, die anonym bleiben möchte.

Für Reiserückkehrer aus Risikogebieten – zum Beispiel der Türkei, die über die Zeit der Sommerferien als Hochrisikogebiet eingestuft wurde – ist eine zehntägige Quarantäne vorgeschrieben. Aus dieser können sich Urlaubsrückkehrer nach fünf Tagen „freitesten“. So können die Infektionen nicht durch sie in den Schulen verbreitet worden sein. Das Prinzip funktioniere, wie Kreis-Sprecher Max Rolke sagt: „Mit Reiserückkehrern hat das Infektionsgeschehen an den Schulen nichts zu tun. Es läuft entsprechend den Infektionen in der Gesamtbevölkerung.“

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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