Verachtende Blicke nach Verdacht auf Corona-Virus in Lünen: „Die ist ja Chinesin“

dzVietnamesin berichtet

Sie lebt seit 20 Jahren in Lünen, führt eine Änderungsschneiderei. Doch jetzt erlebt die gebürtige Vietnamesin bedenkliche Reaktionen. Grund ist offenbar die Angst vor dem Corona-Virus.

Lünen

, 01.02.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind Begegnungen, auf die man gerne verzichten würde. Vorurteile gegenüber Menschen, die anders aussehen als die Mehrheit. So etwas hat nun eine Lünerin erlebt - weil offenbar die Angst vor dem Corona-Virus merkwürdige Blüten treibt.

Pham Vu Thien Uyen lebt seit 20 Jahren in Lünen.

Viele Menschen kennen die 41-jährige Vietnamesin, die eine Änderungsschneiderei betreibt. Doch seitdem es die Meldungen über einen möglichen Corona-Fall im Kreis Unna gibt, erlebt die dreifache Mutter auffälliges Verhalten ihr gegenüber.

„Man merkt, wie die Leute einen ansehen, ziemlich verachtend.“ Offenbar glauben einige Menschen, dass alle Asiaten das Corona-Virus übertragen.

Als sie am Donnerstag (30.1.) eine Kundin beliefert hatte und auf dem Rückweg war, fragte sie sich, „warum schauen mich die Leute so komisch an?“ Dann erst erfuhr sie von einer Nachbarin, dass es einen Corona-Virus-Verdachtsfall gibt und informierte sich im Internet.

Blicke der Kunden im Supermarkt fragend und irritiert

Noch dachte sich Pham Vu Thien Uyen nichts dabei, bis sie dann einkaufen ging. „Auf der Lippebrücke haben mich zwei Männer komisch angesehen.“ Im Supermarkt seien die Blicke der anderen Kunden auch fragend und irritiert gewesen. „Da hab ich mich gefragt, was die Leute jetzt denken, dass jeder Mensch aus Asien den Virus verbreitet. Da müsste jemand ja schon Kontakt mit angesteckten Menschen in China gehabt haben.“

Sie selbst war übrigens schon mindestens zehn Jahre lang nicht mehr in ihrer vietnamesischen Heimat. Ihre Familie kam damals als „Boat People“ von Vietnam nach Deutschland. Pham Vu Thien Uyen folgte als Elfjährige vor 30 Jahren im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland.

Auf dem Heimweg überholten sie am Donnerstag zwei Jugendliche und riefen sich zu „die ist ja Chinesin.“ Über so ein Verhalten schüttelt auch eine deutsche Kundin den Kopf: „Wir sind schon lange bei ihr Kunden und gehen natürlich auch weiterhin zu ihr.“

Mit anderen Lünern, die aus Vietnam stammen, möchte Pham Vu Thien Uyen eigentlich gar nicht über diese seltsamen Begegnungen sprechen. „Meine Eltern und andere ältere Leute können nicht so gut Deutsch, sie könnten ja nicht mal auf solche Bemerkungen etwas erwidern.“

Verachtende Blicke treffen sie

Sie hofft, trotz dieser Begegnungen, dass ihre drei Kinder in der Schule oder in der Freizeit nicht solche Erlebnisse haben, dass sie nur wegen ihres asiatischen Aussehens ausgegrenzt werden. Aufgrund einer diffusen Angst vor dem Corona-Virus.

Die Lünerin versteht die Angst sogar, aber die Reaktionen kann sie nicht nachvollziehen. Die verachtenden Blicke treffen sie schon. „Ich bin gespannt, wann mir dann jemand einen Mundschutz anbietet“, meint sie.

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