Corona-Verdacht bei Lehrer in Lünen: Kreis Unna will Quarantäne, Dortmund nicht

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Ein Dortmunder hat in Lünen Kontakt zu einem Corona-Fall. Der Kreis Unna empfiehlt Quarantäne, das Gesundheitsamt Dortmund folgt der Empfehlung nicht. Das sorgt für Ungewissheit bei dem Lehrer.

Lünen, Dortmund

, 10.10.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Darius H. ist es ein Gefühl der Ungewissheit, was ihn in den vergangenen Tagen eingenommen hat. H. hatte Kontakt zu einem Kind, welches sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Darius H. ist Lehrer an einer Schule in Lünen. Seinen Namen und die Schule, an der er unterrichtet, möchte er nicht nennen. Er möchte anonym bleiben. Er selbst kommt aus Dortmund.

Gesundheitsamt meldet sich an dem Tag nicht mehr zurück

Vergangene Woche Montag (28. September) hatte H. zwei Stunden Unterricht in seiner Klasse an einer Lüner Schule. Eine Person, die bei H. im Unterricht saß, bekam am nächsten Tag Symptome, die auf das Coronavirus hindeuteten. Am Dienstag folgte der Corona-Test, am Donnerstag gab es das positive Ergebnis für die Person.

H. und sein Kollegium riefen im Anschluss beim Gesundheitsamt des Kreises Unna an, um sich Instruktionen zu holen, wie es denn nun weitergehen solle. Das Amt teilte mit, es würde sich jemand im Laufe des Tages zurückmelden.

„Wir haben dann aber nichts mehr gehört“, erzählt H. und rief am Freitagmorgen erneut dort an. Da H. und eine weitere Person aus dem Kollegium aus Dortmund kommen, wurden sie an das Gesundheitsamt der Nachbarstadt verwiesen, haben aber eine Empfehlung mit auf den Weg bekommen: „Die aus Unna haben uns empfohlen, uns in Quarantäne zu begeben. Aufgrund der Situation sollte Dortmund dann entscheiden.“

„Ich hatte Angst der Superspreader zu sein“

Die Infos des Gesundheitsamtes Kreis Unna wurden nach Dortmund geschickt, dort wusste man aber beim Anruf von H. noch nichts davon. Die erste Empfehlung: Sich auf das Virus testen lassen, was H. dann am Freitag tat.

„Es war wirklich ungewiss für mich, weil ich ja nicht in Quarantäne musste“, erzählt H. „Ich hatte Angst der Superspreader zu sein, wenn ich nach draußen gehe. Ich hätte mir eine klare Aussage vom Gesundheitsamt gewünscht.“ H. und seine Kollegen begaben sich selbstständig in Isolation, H. verzichtete sogar auf den 60. Geburtstag seiner Mutter.

Am Sonntag bekam H. die erste gute Nachricht: Sein Corona-Test war negativ. Am Montag rief er mit dieser Info beim Gesundheitsamt Dortmund an, welches bis dahin lediglich die Empfehlung für eine 14-tägige Quarantäne für H. und die weitere Person aus dem Kreis Unna ausgesprochen hatte.

H. sollte eine Mail mit allen relevanten Infos schicken. Er erklärte dann, wie die Situation im Klassenraum war, dass Masken getragen worden sind, die Fenster geöffnet waren und der direkte Kontakt nur sehr, sehr kurz war.

Aufgrund dieser Informationen entschied sich das Gesundheitsamt Dortmund gegen die Quarantäne-Empfehlung des Kreises Unna. Für H. ein beklemmendes Gefühl: „Es waren viele Aussagen dabei, wo wir zwischen den Stühlen standen und nicht wussten, was wir tun sollen.“

Unna schätzt die Lage in diesem Fall anders als Dortmund ein

Doch wie kommt es, dass es bei den Gesundheitsämtern Dortmund und das des Kreises Unna keine Einheitlichkeit zu geben scheint? Auf diese Frage ging die Pressestelle des Kreises Unna nicht ein. Es teilte lediglich mit: „Wie Sie wissen, ist eine Empfehlung eben das. Warum das Dortmunder Gesundheitsamt ihr nicht gefolgt ist, erfragen Sie bitte bei der Dortmunder Behörde.“

Dort erklärte Anke Widow von der Pressestelle der Stadt Dortmund: „Jeweils das örtliche Gesundheitsamt entscheidet, welche Maßnahmen anzuordnen sind.

Das Dortmunder Gesundheitsamt trifft die Maßnahmen unter Berücksichtigung aller relevanten Informationen.“

Dort stuft man Personen, die Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten, im Anschluss in Kategorien ein: „Diese ist maßgeblich dafür, ob die Person zur Kategorie 1 (hohes Infektionsrisiko) oder zur Kategorie 2 (niedriges Infektionsrisiko) gehört.“

Auf diese Grundlage wird dann die Entscheidung getroffen, ob sich eine Person in Quarantäne begeben sollte. Bei Darius H. war das offenbar nicht der Fall, während Unna die Lage wohl anders eingeschätzt hat.

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